Krankheitskosten von der Steuer absetzen

12.06.2019
Krankheitskosten können nur dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn ein Eigenanteil überschritten ist. Laut Experten lohnt es sich dennoch, alle Kosten steuerlich anzugeben - denn die Reglung könnte bald hinfällig sein.
Wer die Kosten für eine Krankheit selbst übernimmt, sollte sie steuerlich geltend machen. Bald könnte sogar der Abzug des Eigenanteils entfallen. Foto: Andrea Warnecke
Wer die Kosten für eine Krankheit selbst übernimmt, sollte sie steuerlich geltend machen. Bald könnte sogar der Abzug des Eigenanteils entfallen. Foto: Andrea Warnecke

Berlin (dpa/tmn) - Eine neue Brille, Zahnersatz oder Zuzahlungen zu Medikamenten - wer Krankheitskosten aus eigener Tasche zahlt, sollte sie in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen angeben.

«Dabei ist es ratsam, die Kosten ab dem ersten Euro in die Steuerformulare einzutragen», sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin.

Aktuell erkennt das Finanzamt solche Krankheitskosten zwar erst steuermindernd an, wenn ein gewisser Eigenanteil überschritten ist. Das muss aber nicht so bleiben. Denn gegenwärtig laufen verschiedene Gerichtsverfahren zu dieser Frage, von denen auch andere Steuerzahler profitieren könnten.

In einem neueren Fall hat der Bundesfinanzhof (BFH) jetzt die Revision zugelassen. Im konkreten Sachverhalt machte der Kläger seine Ausgaben für ein Zahnimplantat und eine Brille in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend. Dabei wollte er die Ausgaben ohne Abzug eines Eigenanteils, der sogenannten zumutbaren Eigenbelastung, absetzen.

Er argumentierte, dass Beamte einen Großteil solcher Ausgaben durch die Beihilfe steuerfrei ersetzt bekommen, und zwar ohne Berücksichtigung einer zumutbaren Eigenbelastung. Aus Gründen der Gleichbehandlung sei daher auch bei Nichtbeamten kein Eigenanteil abzuziehen. Das Finanzgericht Baden-Württemberg wies die Klage zunächst ab, der Bundesfinanzhof ließ nun aber die Revision zu (Az.: VI R 18/29).

Steuerzahler sollten daher ihre Krankheitsausgaben ab dem ersten Euro angeben und die Belege aufbewahren, auch wenn die zumutbare Eigenbelastung nicht überschritten wird und das Finanzamt die Ausgaben aktuell nicht oder nur zum Teil berücksichtigt. «Die Ausgaben sind damit erst einmal beim Finanzamt dokumentiert», so Klocke.

Der Steuerbescheid bleibt in diesem Punkt automatisch offen, denn das Bundesfinanzministerium hatte wegen bereits laufender Gerichtsverfahren einen sogenannten Vorläufigkeitsvermerk erteilt. Entscheiden die Gerichte zugunsten der Steuerzahler, können diese von dem Urteilsspruch profitieren und erhalten die zu viel gezahlten Steuern gegebenenfalls später zurück.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Steuerzahler können künftig Krankheitskosten viel weitergehender als bislang geltend machen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tm Außergewöhnliche Belastung: Eigenanteil gestaffelt berechnen Gute Nachrichten für Steuerzahler: Krankheitskosten oder andere Gesundheitskosten wirken sich künftig stärker steuerlich aus. Denn der Bundesfinanzhof hat die Berechnungsmethode des zumutbaren Eigenanteils geändert.
Bei der Erbschaftsteuer gibt es einen Härteausgleich. Aus diesem Grund gibt es keine Stufenregelung wie bei der Einkommensteuer. Foto: Hans Wiedl Beim Erben und Schenken an die Steuer denken Wer erbt oder beschenkt wird, muss Steuern zahlen. Durch eine Schenkung können jedoch auch Abgaben ans Finanzamt gespart werden, denn alle 10 Jahre greifen die Steuerfreibeträge neu.
Für Gesundheitskosten können Steuerzahler eine außergewöhnliche Belastung geltend machen, wenn die Ausgaben nicht mehr zumutbar sind. Das gilt auch bei einer Bündelung der Kosten. Foto: Tobias Hase Bündelung von Gesundheitskosten bringt Steuervorteil Eine neue Brille muss her? Dann kann es sich lohnen zusammenzurechnen, wie viel man in einem Jahr schon für die Gesundheit ausgegeben haben. Denn das Finanzamt beteiligt sich erst ab einer gewissen Grenze an den Kosten.
Auf den Sonderausgabenabzug bei der Einkommensteuer hat ein eventueller Krankenkassenbonus keinen Einfluss. Foto: Oliver Berg Krankenkassenbonus mindert nicht immer Sonderausgabenabzug Krankenkassenbeiträge mindern die Steuerlast. Zahlt die Krankenkasse einen Bonus aus, darf das Finanzamt diesen nicht automatisch verrechnen. Das zeigt ein Urteil des Bundesfinanzhofes.