Kinderbetreuung: Wird der Arbeitgeberzuschuss angerechnet?

13.01.2021
Kinderbetreuungskosten können die Steuerlast mindern. Zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss, ist der jedoch anzurechnen, urteilten zwei Finanzgerichte. Ob das Bestand hat, prüft der Bundesfinanzhof.
Nur die Kinderbetreuungskosten können bei der Steuer geltend gemacht werden, die die Eltern tatsächlich wirtschaftlich getragen haben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Nur die Kinderbetreuungskosten können bei der Steuer geltend gemacht werden, die die Eltern tatsächlich wirtschaftlich getragen haben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Berlin (dpa/tmn) - Eltern können ihre Betreuungskosten für Kinder im Alter bis 14 Jahre als Sonderausgaben bei der Steuer absetzen. «Zwei Drittel der Kosten, maximal 4000 Euro im Jahr, werden berücksichtigt», rechnet Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler vor.

Zahlt der Arbeitgeber steuerfrei einen Zuschuss zur Kinderbetreuung, sind die Ausgaben der Eltern allerdings entsprechend zu kürzen und nur der Restbetrag steuerlich zu berücksichtigen, entschieden zwei Finanzgerichte.

Zwei Fälle aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen

In einem Fall aus Baden-Württemberg bezahlten die Eltern für den Kindergarten ihrer Tochter 926 Euro (ohne Verpflegung). 600 Euro schoss der Arbeitgeber steuerfrei zu, so dass die Eltern tatsächlich nur 326 Euro aus eigener Tasche zahlten.

Ein vergleichbarer Rechtsstreit wurde vor dem Finanzgericht Köln ausgetragen. Hier zahlten die Eltern Kindergartenbeiträge von rund 4000 Euro im Jahr. Der Arbeitgeber leistete einen Betreuungskostenzuschuss in gleicher Höhe. Die Eltern machten geltend, dass es sich bei den Zuschüssen um steuerfreien Arbeitslohn handele und die gesetzliche Vorschrift zu den Kinderbetreuungskosten keinen Hinweis auf die Anrechnung der Arbeitgeberzuschüsse enthält.

Die Finanzrichter in Baden-Württemberg (Az.: 1 K 3359/17) und Köln (Az.: 14 K 139/20) folgten hingegen den Finanzämtern, da nur die Kinderbetreuungskosten bei der Steuer geltend gemacht werden könnten, die die Eltern tatsächlich wirtschaftlich getragen haben.

Belege zu Betreuungskosten in jedem Fall aufbewahren

Beide Elternpaare haben Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt. «Damit sind die Finanzgerichtsurteile noch nicht rechtskräftig», sagt Klocke. Betroffene können daher Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen, wenn das Finanzamt die Betreuungskosten nicht voll anerkennt, weil der Arbeitgeber diese trägt oder bezuschusst.

Zur Begründung sollten die Aktenzeichen beim Bundesfinanzhof genannt werden (Az.: III R 30/20 und III R 54/20). «In jedem Fall sollten Kostennachweise und Belege über die bargeldlose Zahlung der Kinderbetreuung aufbewahrt werden», empfiehlt Klocke. Die Unterlagen müssen allerdings nur auf Nachfrage des Finanzamtes vorgelegt werden.

© dpa-infocom, dpa:210111-99-982476/4


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Vor Weihnachten sammeln viele Organisationen Spenden. Foto: Caroline Seidel Was Verbraucher beim Spenden wissen müssen Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Viele Organisationen bitten derzeit um Unterstützung. Eine Studie zeigt aber: Nicht immer können Spender erkennen, was mit ihrem Geld passiert. Daher sollten sie vor der Gabe genau hinschauen.
Wird ein Elternteil gepflegt, können auf die Kinder Unterhaltskosten zukommen. Zählt dann das Familieneinkommen der verheirateten Kinder - also beispielsweise auch das Einkommen des Schwiegersohns? Foto: Patrick Pleul Unterhalt für Eltern: Schwiegersohn muss Vermögen offenlegen Zahlt das Sozialamt die Pflege eines älteren Menschen, können auf die Kinder Unterhaltskosten zukommen. Doch was, wenn die Kinder verheiratet sind - darf dann auch das Einkommen der Ehegatten geprüft werden? Darüber entschied zuletzt ein Gericht.
Die meisten Bundesbürger müssen ab 2021 keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen. Die Abgabe wird für rund 90 Prozent der Zahler abgeschafft. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa Ab 2021 zahlen nur noch wenige Bürger Solidaritätszuschlag Der Bundestag hat die größte Steuerentlastung der vergangenen Jahre beschlossen. Nur die Spitzenverdiener sollen noch Solidaritätszuschlag zahlen. Doch vielen reicht das nicht.
Wer den Betrieb der Eltern übernimmt, der kann unter gewissen Voraussetzungen Steuern sparen. Foto: Armin Weigel/dpa Lebensunterhalt für Eltern bei Steuer absetzen Beim Generationenwechsel im Unternehmen kann vereinbart werden, dass Kinder einen Beitrag zum Lebensunterhalt der Eltern leisten. Beim Bundesfinanzhof ist ein Verfahren zu Altverträgen anhängig.