Kind muss in Quarantäne: Dürfen Eltern zu Hause bleiben?

21.09.2020
Mein Kind muss in Quarantäne - was tun? Diese Frage hat vor Corona wohl kaum jemanden beschäftigt. Für berufstätige Eltern stellt sich nun aber die Betreuungsfrage. Was sagt das Arbeitsrecht dazu?
Hat die Kita wegen eines Corona-Falls zu, können Eltern nicht unbegrenzt lange der Arbeit fernbleiben. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn
Hat die Kita wegen eines Corona-Falls zu, können Eltern nicht unbegrenzt lange der Arbeit fernbleiben. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn

Gütersloh (dpa/tmn) - Die Schule hat in allen Bundesländern wieder begonnen, Kindergärten und Kitas sind wieder offen. Gibt es dort einen Corona-Verdacht oder einen bestätigten Corona-Fall, so muss meist die ganze Einrichtung oder zumindest eine ganze Klasse oder Gruppe übergangsweise in Quarantäne.

Dürfen berufstätige Eltern in diesem Fall zur Betreuung des Nachwuchses einfach zu Hause bleiben?

«Wenn ein Kind in Quarantäne kommt, handelt es sich nicht um einen Krankheitsfall», stellt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Gütersloh, klar.

In einem solchen Fall greift laut Schipp aber der Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Der besagt, dass Arbeitnehmer, die aus einem Grund, für den sie selbst nichts können, vorübergehend nicht zur Arbeit kommen können, trotzdem weiterhin Lohn bekommen. Insbesondere bei kleinen Kindern sei davon auszugehen, dass dann eine Betreuung notwendig ist, sagt der Fachanwalt.

Konkret bedeutet das: Schließt der Kindergarten kurzfristig wegen eines Coronafalls, müssen Arbeitgeber den Eltern, die dann ihr Kind betreuen müssen, weiter Lohn zahlen. «Die entscheidende Frage ist aber: wie lange?», so Schipp. Wenn das Kind nicht selbst krank ist, könne diese Norm nicht endlos lange gelten. Auch von einem gängigen Zeitraum von 14 Tagen Quarantäne könne man eher nicht ausgehen.

Eine pauschale Zeitangabe gäbe es aber nicht, da es immer auf die Umstände des Einzelfalls ankommt, so Schipp.

Zur Person: Johannes Schipp ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh und Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

© dpa-infocom, dpa:200918-99-613833/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wegen der Corona-Krise sind die Kitas geschlossen - Arbeitgeber können Eltern daher für beruflich bedingten Betreuungsbedarf finanziell unterstützen. Foto: Uwe Anspach/dpa/dpa-tmn Arbeitgeber kann Kinderbetreuung bezuschussen Die Corona-Pandemie ist für viele Familien eine Herausforderung. Denn Eltern müssen Arbeit und Kinderbetreuung oft gleichzeitig organisieren. Arbeitgeber können hier zumindest finanziell helfen.
Wer auf Reisen in einem Risikogebiet in Quarantäne muss und nicht zur Arbeit kann, verliert im Zweifel seinen Vergütungsanspruch. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Urlaub im Risikogebiet: Bekomme ich trotz Quarantäne Lohn? Wird die Testpflicht abgeschafft, müssen Arbeitnehmer in Quarantäne, sollten sie aus dem Urlaub in einem Risikogebiet zurückkehren. Was bedeutet das für Beschäftigte?
Das Unternehmen muss Mitarbeitern in der Regel die nötige Technik für die Arbeit im Homeoffice zur Verfügung stellen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Muss ich im Homeoffice meinen privaten PC nutzen? Ab in die Heimarbeit! In der Corona-Krise mussten Firmen zum Teil in kürzester Zeit viele Mitarbeiter ins Homeoffice schicken. Doch was ist, wenn längst nicht für jeden Dienstgeräte vorhanden sind?
Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach - und in Corona-Zeiten erst recht eine Herausforderung für Eltern. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Muss ich trotz Kinderbetreuung weiterarbeiten? Millionen berufstätige Eltern müssen aufgrund der Corona-Einschränkungen ihre Kinder betreuen. Kann der Arbeitgeber sie zwingen, weiter zu arbeiten? Die wichtigsten rechtlichen Regeln.