Harter Wettbewerb um Friseure macht den Haarschnitt teurer

18.04.2019
Um noch neue Mitarbeiter zu finden, müssen Friseursalons höhere Löhne bieten - und das wirkt sich auf die Preise aus. Dass Frauen immer mehr bezahlen als Männer, muss aber nicht sein, sagt der Branchenverband.
Die Preise für eine Frisur werden künftig voraussichtlich weiter steigen. Foto: Carsten Rehder
Die Preise für eine Frisur werden künftig voraussichtlich weiter steigen. Foto: Carsten Rehder

Köln (dpa) - Höhere Löhne für Friseure machen den Haarschnitt teurer. Im Friseurhandwerk gebe es - wie in vielen anderen Handwerksberufen - einen großen Wettbewerb um Mitarbeiter, sagte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Friseurhandwerks, der Deutschen Presse-Agentur.

«Da müssen wir einfach auch mehr zahlen, mehr bieten.» Die höheren Lohnkosten müssten die Salonbetreiber auf die Preise umschlagen. Viele Salons zahlten längst mehr als den Mindestlohn, sagte Müller.

Und das dürfte so weitergehen: «Wir glauben, dass die Löhne mittelfristig einfach noch steigen werden im Friseurhandwerk», denn der Wettbewerb um gute Köpfe im Handwerk nehme zu. Immer mehr junge Menschen entschieden sich für akademische Berufe, was dazu führe, dass «Mitarbeiter in Handwerksberufen knapp werden, und Verknappung bedeutet immer ein Ansteigen der Preise».

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sind die Preise fürs Haareschneiden von 2015 bis 2018 um 6,6 Prozent gestiegen. Bei Friseurdienstleistungen für Frauen lag der Anstieg demnach sogar bei 7 Prozent, Preise für Männer verzeichneten ein Plus von 5,9 Prozent.

Die jüngsten Zahlen zum Durchschnittspreis eines Nasshaarschnitts stammen nach Angaben des Zentralverbands aus dem Jahr 2017: Frauen mussten im Durchschnitt 27,20 Euro bezahlen, Männer 21,20 Euro. Der Zentralverband bezieht diese Zahlen aus der jährlichen Erfolgs-Vergleichs-Analyse (EVA) im Auftrag des Kosmetikkonzerns Wella. Für die Erhebung melden rund 550 Salons regelmäßig unter anderem ihre Preise und die Ausgaben ihrer Kunden.

Warum diese Unterschiede? Männer gingen häufiger zum Friseur, zahlten also insgesamt nicht zwingend weniger als Frauen, sagte Müller. Außerdem: «Ein Damenhaarschnitt - auch wenn das viele nicht glauben wollen - ist einfach aufwendiger, wird anders geschnitten.»

Sei eine Frau nicht bereit, mehr als ein Mann zu bezahlen, weil sie ohnehin einen Kurzhaarschnitt trage, sollte sie im Eingangsgespräch sagen, dass sie einen Herrenhaarschnitt möchte, rät der Experte. Dann weise der Friseur sie zwar in der Regel darauf hin, dass der Ansatz möglicherweise anders aussehe und die Haare anders fielen. Stimme die Frau aber zu, dass es ein klassischer Herrenhaarschnitt sein dürfe, zahle sie auch nur den Herrenpreis.

Auch die Nachfrage bestimme den Preis, sagte Müller. Und die Nachfrage lege zu: «Denken Sie nur mal an Instagram.» Das Foto-Netzwerk im Internet verdeutliche, wie groß der Trend zur «visuellen Selbstoptimierung» sei. «Und da wird Friseurdienstleistung auch immer stärker nachgefragt werden», sagte Müller. Verstärkte Nachfrage führe wiederum zu mehr und ausdifferenzierteren Angeboten: Man lässt sich nicht mehr nur die Haare schneiden, sondern auch föhnen, färben, verlängern, verdichten, hochstecken, glätten, wellen, stylen, Wimpern färben, Brauen zupfen - und natürlich hat jede Leistung ihren Preis.

Frauen geben durchschnittlich allerdings deutlich mehr für einen Friseurbesuch aus, als ein Nasshaarschnitt kostet. Die EVA-Zahlen aus dem Jahr 2017 zeigen: Frauen gaben in dem Jahr durchschnittlich 53,79 Euro pro Friseurbesuch aus, 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Durchschnittsmann ließ jedes Mal 20,99 Euro beim Friseur, 1,3 Prozent mehr als 2016.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Beim Frisör zahlen Frauen bei gleicher Haarlänge meist mehr als Männer. Foto: Carsten Rehder/dpa Preisunterschiede: Frisör und Reinigung für Frauen teurer Ist eine Damenfrisur wirklich aufwendiger als ein Herrenschnitt? Sind höhere Preise für die Reinigung einer Bluse gerechtfertigt? Zahlen Frauen bei vielen Produkten wirklich mehr Geld? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein Bericht des Bundes.
Nach einer Pleite gelingt den wenigsten Menschen in Deutschland ein vorzeitiger Neuanfang. Foto: Monika Skolimowska Schneller schuldenfrei nach Privatpleite gelingt wenigen Die Bilanz fällt mager aus. Verbraucher sollten nach einer Pleite durch die Reform des Insolvenzrechts schneller wieder auf die Beine komen. Doch erste Daten sind ernüchternd.
Rechnungen sollten am besten immer pünktlich bezahlt werden. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa Rechnung zu spät bezahlt - Das kann teuer werden Manchmal vergisst man eine Rechnung einfach. Oder man beruft sich auf das Zahlungsziel von 30 Tagen. Aber nicht immer gilt diese Regelung bei Rechnungen. Ab wann genau tritt der Verzug ein?
Gas ist im nächsten Jahr voraussichtlich günstiger. Foto: Malte Christians Gaspreise für Endverbraucher fallen Die Gaspreise in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren nicht so stark verändert wie die Heizöl- oder Strompreise. Im nächsten Jahr können viele Verbraucher mit einer Entlastung rechnen.