Haben Arbeitnehmer Anspruch auf Urlaubsgeld?

17.06.2019
Nach harter Arbeit ist ein Urlaub dringend angesagt. Doch eine Urlaubsreise ist teuer. Muss der Arbeitgeber dafür einen Bonus gewähren?
Alexander Bredereck ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Foto: Alexander Bredereck/dpa-tmn
Alexander Bredereck ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Foto: Alexander Bredereck/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Ein Bonus des Arbeitgebers auf dem Konto ermöglicht so manchem die Urlaubsreise im Sommer. Knapp jeder zweite Beschäftigte in Deutschland erhält Urlaubsgeld, wie eine Online-Befragung des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt.

Einen gesetzlichen Anspruch auf eine freiwillige Sonderzahlung des Arbeitgebers haben Arbeitnehmer aber grundsätzlich nicht, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Ein Anspruch kann sich aber in drei Fällen ergeben: «Das gilt erstens, wenn ein Anspruch auf Urlaubsgeld im Arbeitsvertrag vereinbart ist oder, zweitens, die Sonderzahlung im Tarifvertrag vorgesehen ist», wie der Fachanwalt erklärt.

Der dritte Fall ist die sogenannte betriebliche Übung. Davon spricht man, wenn der Arbeitgeber über einen längeren Zeitraum immer Urlaubsgeld gezahlt hat. «Zahlt der Arbeitgeber drei Jahre in Folge in gleicher Höhe und ohne Vorbehalt Urlaubsgeld, entsteht daraus im vierten Jahr ein Anspruch für die Arbeitnehmer», erklärt Bredereck. Arbeitgeber können die betriebliche Übung aber explizit ausschließen, dann gilt diese Art von Gewohnheitsrecht nicht.

Hans-Böckler-Stiftung zum Urlaubsgeld


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
In den Ferien ist endlich Zeit, mal richtig gemütlich abzuhängen - die Erholung kann auch vom Chef bezuschusst werden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Vom Chef bezahlt: Beihilfe für Erholung steuerfrei Vom Urlaubsgeld gehen viele Abzüge ab. Zahlt der Chef eine Beihilfe zur Erholung, müssen Arbeitnehmer den Betrag nicht versteuern - allerdings ist es ratsam, auf die Zeit zwischen Urlaub und Auszahlung zu achten.
Die Bundesagentur für Arbeit verlängert befristete Verträge nur, wenn die Firma alle Zahlungen zuverlässig leistet. Foto: Andrea Warnecke Arbeitnehmerüberlassung muss genehmigt werden Arbeitnehmer werden befristet verliehen. So genehmigt es die Bundesagentur für Arbeit. Auch die Verlängerung geht über deren Tisch. Erfolg hat eine Firma damit nur, wenn sie auch alle Sonderzahlung geleistet hat.
Der Mindestlohn ist wohl nicht für jeden Geringverdiener eine Verbesserung. Denn laut einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts können Urlaubs- und Weihnachtsgeld angerechnet werden. Foto: Arno Burgi Mindestlohn-Urteil: Urlaubsgeld darf angerechnet werden Zehntausende Geringverdiener werden enttäuscht sein: Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts können Sonderzahlungen auf den Mindestlohn angerechnet werden. Die Verbesserungen durch die 8,50 Euro pro Stunde fallen dann eher gering aus.
Auch wenn Arbeitnehmer in der Vergangenheit ihren Urlaub stundenweise nehmen durften, muss der Arbeitgeber diese Praxis nicht dauerhaft fortsetzen. Foto: Frank Rumpenhorst Arbeitgeber muss Urlaub nicht stundenweise gewähren Drei Wochen im Sommer, außerdem eine Woche im Winter und noch ein paar lange Wochenenden: So nehmen viele Berufstätige ihren Urlaub. Mancher will aber vielleicht auch nur ein paar Stunden lang frei nehmen. Einen Anspruch darauf haben Arbeitnehmer aber nicht.