Große Vermögensverwalter bieten kaum nachhaltige Anlagen

27.11.2019
Die führenden Vermögensverwalter der Welt haben eigentlich einen sehr großen Hebel in der Hand, um Investitionen in eine CO2-neutrale Zukunft zu lenken: Unsummen von Geld.
Laut einer Studie investieren die großen Vermögensverwalter zu wenig in klimaneutrale Branchen. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa
Laut einer Studie investieren die großen Vermögensverwalter zu wenig in klimaneutrale Branchen. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa

London (dpa) - Ungeachtet des Drucks von Umweltinitiativen nutzen die fünfzehn weltgrößten Vermögensverwalter ihre immense Marktmacht nach einer neuen Studie bislang kaum für klimafreundliche Investitionen.

Eine Mehrheit der Finanzfirmen legt nach wie vor Milliardensummen in Öl-, Gas- oder Autoindustrie an, wie die Londoner Initiative Influencemap in einer Analyse berichtet. Insgesamt gebieten die 15 Unternehmen demnach über Kapitalanlagen in Höhe von 37 Billionen Dollar, was etwa einem Fünftel des globalen Kapitalmarkts entspricht.

Investitionen in CO2-trächtige Branchen

Zu den wenigen in dem Bericht positiv hervorgehobenen Ausnahmen zählt der Münchner Allianz-Konzern, zusammen mit der Schweizer Bank UBS und der britischen Legal&General. Diese drei Unternehmen nehmen demnach engagiert Einfluss auf ihre Kunden, damit diese ihre Geschäftsmodelle an die Pariser Klimaziele zur Begrenzung der Erderwärmung anpassen. Auch für diese drei gilt aber laut Influencemap, dass sie gemessen an den Pariser Zielen überproportional in vier CO2-trächtige Branchen investiert sind: Öl- und Gasförderung, Kohlebergwerke, Autohersteller und Kraftwerke.

Der Hintergrund der Untersuchung: Umweltschützer und Klimaaktivisten setzen die Finanzbranche seit Jahren unter Druck, ihre Investmentstrategie zu ändern und aus Branchen mit hohem CO2-Ausstoß auszusteigen. So hatte Allianz-Chef Oliver Bäte im September eine internationale Initiative großer Versicherungen und Pensionsfonds angekündigt, die bis 2050 mehr als zwei Billionen Euro klimaneutral anlegen wollen.

US-Anbieter am wenigsten klimafreundlich

US-Firmen wie Blackrock oder die Investmentbank Goldman Sachs tun laut Studie weniger für klimafreundliche Investitionen als die drei europäischen Konkurrenten. Blackrock ist mit sechs Billionen Dollar Kapitalanlagen größter Vermögensverwalter der Welt, Aufsichtsratschef der deutschen Dependance wurde 2016 der CDU-Politiker Friedrich Merz.

Grundlage der Untersuchung waren öffentlich verfügbare Daten, in welche Branchen und Unternehmen die Vermögensverwalter ihr Geld stecken. Beispiel: Hält eine Finanzfirma drei Prozent der Anteile eines Ölproduzenten wie Exxon Mobil, zählt das als dreiprozentiger Anteil an dessen Ölproduktion und den damit verbundenen CO2-Emissionen. Nicht untersucht wurden die Kapitalanlagen anderer großer institutioneller Anleger, etwa der großen Rentenversicherer und Pensionsfonds.

InfluenceMap-Bericht


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die EU-Kommission möchte «grüne» Geldanlagen fördern. Es könnte unter anderem ein EU-Label für grüne Finanzprodukte kommen. Foto: Christian Charisius Brüssel will grüne Investments stärken Geld machen mit Aktien von Firmen, die Waffen oder Tabakprodukte herstellen? Für manche Investoren ist das bereits tabu. Die EU-Kommission will nun «grüne» Investments weiter stärken und damit den Klimawandel bekämpfen.
Auch bei der Geldanlage gewinnt das Thema Umweltschutz eine immer größere Bedeutung. Foto: Lino Mirgeler/dpa Nachhaltige Investments gewinnen an Bedeutung Immer mehr Anleger achten darauf, dass ihr Vermögen nicht nur gewinnbringend investiert ist - sondern auch nachhaltig. Der Markt für solche Anlagen wächst. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff?
Klimasparbriefe oder Tages- und Festgeld von nachhaltigen Banken ermöglichen es, sein Geld umweltbewusst anzulegen. Die Beteiligung an Windanlagen könnte jedoch riskant sein. Foto: Frank Rumpenhorst Das eigene Vermögen klimafreundlich anlegen Der Klimawandel ist ein Thema, das derzeit viele bewegt. So mancher stellt sein eigenes Verhalten infrage. Das kann durchaus helfen, den eigenen CO2-Abdruck zu verringern. Allerdings ist noch mehr möglich - etwa mit einer grünen Geldanlage.
Mit nachhaltigen Geldanlagen verbindet man häufig Umweltschutz und soziale Verbesserung. Doch so klar geregelt ist es nicht. Foto: Roland Weihrauch/Symbolbild Markt für nachhaltige Investments wächst Rendite einfahren und dabei noch etwas für die Umwelt oder eine bessere Gesellschaft tun? Das klingt für viele Anleger gut. Der Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst. Anleger sollten sich aber gut informieren. Denn: «nachhaltig» kann vieles bedeuten.