Gesetzliche Erben müssen Verwandtschaft nachweisen können

29.07.2020
Nicht immer sind Verwandtschaftsverhältnisse klar. Im Erbfall müssen gesetzliche Erben allerdings nachweisen können, dass sie mit dem Erblasser verwandt sind.
Werden Geschwister als Erben eingesetzt, muss eindeutig festzustellen sein, dass sie auch Geschwister sind. Einen DNA-Test kann das Nachlassgericht ablehnen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Werden Geschwister als Erben eingesetzt, muss eindeutig festzustellen sein, dass sie auch Geschwister sind. Einen DNA-Test kann das Nachlassgericht ablehnen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Düsseldorf (dpa/tmn) - Wer einen Erbschein beantragt, muss nachweisen, dass er mit dem Verstorbenen verwandt war. Wer dafür keine öffentliche Urkunde vorlegen kann, muss das Gericht auf andere Weise überzeugen.

Das Nachlassgericht ist weder verpflichtet, selbst Urkunden zu besorgen noch einen DNA-Test vorzunehmen. Das berichtet die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mit Blick auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf (Az.: I-3 Wx 162/16).

Der Fall: Eine Frau verstirbt ohne Kinder, als ihr Ehemann und ihre Eltern bereits tot sind. Ein Testament hat sie nicht. Zwei Personen, die sich für die Nichte und den Neffen der Erblasserin halten, begehren einen Erbschein nach gesetzlicher Erbfolge. Sie seien die Kinder der zuvor verstorbenen Schwester der Erblasserin.

Erbenermittler bringt keinen Erfolg

Dazu legen sie Urkunden vor, die die Verwandtschaft belegen sollen. Das Problem: In den Urkunden stehen die spanischen Namen, die Geburtstage und Geburtsorte der Eltern der Erblasserin, der Mutter der Antragstellerin und der Antragstellerin selbst. Allerdings sind die Angaben teilweise abweichend angegeben.

Ein Abstammungsnachweis der Erblasserin liegt nicht vor. Weitere Urkunden sind trotz Einschaltung eines Erbenermittlers nicht zu beschaffen. Das Nachlassgericht weist die Anträge zurück, obwohl die Antragsteller einen DNA-Test zum Nachweis der Verwandtschaft angeboten haben.

Dokumente reichen dem Gericht nicht

In diesem Fall konnte die Geschwisterbeziehungen zwischen der Verstorbenen und der Mutter der Antragsteller nicht nachgewiesen werden. Zwar erscheint es auf der Grundlage der spanischen Namensgebung als durchaus möglich, dass in den Unterlagen dieselben Personen mit unterschiedlichen Vor- und Nachnamen bezeichnet worden sind. Es verbleiben aber Zweifel, insbesondere im Hinblick auf abweichende Geburtsdaten und -orte.

Es obliegt auch nicht dem Nachlassgericht, fehlende Urkunden zu beschaffen. Eine DNA-Ermittlung zur Aufklärung der Verwandtschaftsverhältnisse kann im Rahmen des Nachlassverfahrens nicht durchgeführt werden - dies ist dem familiengerichtlichen Verfahren vorbehalten.

© dpa-infocom, dpa:200728-99-953987/3

Arbeitsgemeinschaft Erbrecht


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN

Passende Anbieter

Das könnte Sie auch interessieren
Minderjährige, die Schulden erben, können die Erbschaft ausschlagen. Ein Familiengericht darf ihnen dies nicht versagen. Foto: Jens Büttner Erbausschlagung eines Kindes darf nicht verwehrt werden Nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden können vererbt werden. Jedoch haben Angehörige auch die Möglichkeit, das Erbe auszuschlagen. Vor allem wenn sie noch Minderjährig sind. Das zeigt ein Urteil des Oberlandgerichts Zweibrücken.
Die Unterschrift unter einem Testament muss nicht geeignet sein, den Erblasser zu identifizieren. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Unterschrift unter Testament darf unleserlich sein Ein Testament ohne Unterschrift ist nicht gültig. Doch was ist, wenn die Unterschrift kaum lesbar ist? Wie deutlich muss ein Erblasser schreiben?
Ein Erbe kann auch nicht gewollt sein und dann ausgeschlagen werden. Foto: Andrea Warnecke Kein Familienkontakt: Erbausschlagungsfrist beginnt später Ein Erbe muss nicht immer positive Folgen haben. Daher kommt es vor, dass einige Menschen ihr Erbe ausschlagen. Hierfür gibt es jedoch nur eine kurze Frist. Allerdings kann sich diese Zeitspanne unter besonderen Umständen verlängern.
Ein Testament wird handschriftlich verfasst. Foto: Jens Büttner/ZB/dpa Testierfähigkeit muss von Facharzt begutachtet werden Ob ein Erblasser testierfähig ist, ist nicht einfach zu beantwortend. Gerichte dürfen sich daher nur auf bestimmte Sachverständige verlassen. Andernfalls stellt kann das als Verfahrensfehler gelten.