Fitnessstudio-Vertrag sofort kündigen: Diese Gründe zählen

04.05.2016
Fitnessstudio-Verträge haben oft eine lange Laufzeit. Doch was, wenn man nach ein paar Wochen oder Monaten gar nicht mehr trainieren kann? Vorzeitig aus dem Vertrag auszusteigen, kann schwierig werden, wie ein BGH-Urteil zeigt. Welche Gründe zählen dabei?
Ein Umzug ist kein Grund für sofortige Kündigung des Fitnessstudios, so lautet das Urteil des BGH. Foto: Britta Pedersen
Ein Umzug ist kein Grund für sofortige Kündigung des Fitnessstudios, so lautet das Urteil des BGH. Foto: Britta Pedersen

Düsseldorf (dpa/tmn) - Will ein Kunde vorzeitig aus einem Fitnessstudio-Vertrag aussteigen, braucht er dafür einen wichtigen Grund. «Nur dann ist eine außerordentliche Kündigung möglich», sagt Julia Schmitz von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Ist die Kündigung wirksam, gilt sie in der Regel sofort. «Verbraucher sollten nach Kenntnis des Kündigungsgrundes unverzüglich reagieren», rät die Juristin. Grundsätzlich darf der Betreiber in den Geschäftsbedingungen das Recht auf Sonderkündigung nicht ausschließen. Außerdem muss die Kündigung kostenlos möglich sein.

Ein berufsbedingter Umzug ist nach Auffassung des Bundesgerichtshofes (BGH) jedoch kein ausreichender Grund für eine außerordentliche Kündigung, wie aus einem Urteil vom Mittwoch hervorgeht (Az.: XII ZR 62/15). Doch was gilt bei Verletzung, Schwangerschaft oder schwerwiegender Krankheit?

Krankheit: Handelt es sich um eine dauerhafte und ernsthafte Krankheit, haben Kunden in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. «Der Studiobetreiber darf in diesem Fall vom Kunden ein Attest verlangen», sagt Schmitz. Es reicht, wenn der Arzt die Sportunfähigkeit bestätigt. Er muss nicht die genaue Krankheit angeben.

Verletzung: Ein vorübergehender Ausfall - etwa wegen einer kurzzeitigen Muskelverletzung - ist meist kein Grund für eine Sonderkündigung. Dauert der Heilungsprozess länger an, rät Schmitz: «Verhandeln Sie mit dem Studiobetreiber, ob Sie die Ausfallzeit am Ende des Vertrages anhängen dürfen.»

Schwangerschaft: Um vorzeitig aus dem Vertrag zu kommen, darf die Frau beim Abschluss noch nichts von ihrer Schwangerschaft gewusst haben. Außerdem kommt es auf den Einzelfall an - also den konkreten Verlauf der Schwangerschaft. Ist das Training für die Frau zumutbar, darf sie den Vertrag in der Regel nicht kündigen, erklärt Schmitz.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Für selbst ausgedruckte Tickets dürfen keine Servicegebühren erhoben werden, entschied das Oberlandesgericht in Bremen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa Servicegebühr für selbst ausgedruckte Tickets unrechtmäßig Online-Tickets sind praktisch. Ticketverkäufer fordern allerdings teilweise eine Servicegebühr für den Selbstdruck - und handeln damit nicht rechtens.
Ein Umzug ist kein Grund für sofortige Kündigung des Fitnessstudios, so lautet das Urteil des BGH. Foto: Britta Pedersen bdt0594 3 vm 308 dpa 3735 (Zusammenfassung 1630) BGH: Umzug kein Grund für sofortige Kündigung des Fitness-Studios Langfristige Verträge mit Fitness-Studios können Kunden teuer kommen. Eine vorzeitige Kündigung ist zwar bei ernster Krankheit und Schwangerschaft möglich - nicht aber bei einem berufsbedingten Umzug, entschied der BGH.
Richter verpflichteten «Check24», für mehr Transparenz zu sorgen. Für ein zuverlässiges Ergebnis sollten Nutzer mehrere Vergleichsportale heranziehen. Foto: Christoph Schmidt Kein absoluter Überblick: Vergleichsportale kritisch nutzen Suchen Verbraucher nach dem günstigsten Angebot, nutzen sie dafür oft Vergleichsportale. Doch auf die Ranglisten ist nicht immer Verlass. Vor allem die automatische Vorauswahl verzerrt das Suchergebnis. Das kann jedoch geändert werden.
Kinderbetreuung ist steuerlich absetzbar, Freizeitgestaltung wie Ferienlager jedoch nicht. Foto: Jens Büttner/Symbolbild Ferienlager lässt sich nicht bei der Steuer absetzen Eltern können Kosten für die Kinderbetreuung als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Einige Aufwendungen zählen aber nicht dazu, zum Beispiel Kosten für ein Ferienlager oder die Vermittlung besonderer Fähigkeiten.