Fiskus muss Mietvertrag mit Eigenbedarfsklausel akzeptieren

23.01.2019
Kommt es bei der Vermietung einer Wohnung zu einem vorzeitigen Auszug der Mieter, kann es zu finanziellen Einbußen für den Vermieter kommen. Aber wie lässt sich dies steuermindernd geltend machen, wenn im Mietvertrag eine Eigenbedarfsklausel enthalten war?
Das Finanzgericht Hamburg hat entschieden, dass das Finanzamt Verluste des Vermieters anerkennen muss, auch wenn der Mietvertrag eine Eigenbedarfsklausel enthält. Foto: David-Wolfgang Ebener
Das Finanzgericht Hamburg hat entschieden, dass das Finanzamt Verluste des Vermieters anerkennen muss, auch wenn der Mietvertrag eine Eigenbedarfsklausel enthält. Foto: David-Wolfgang Ebener

Berlin (dpa/tmn) - Eigentümer können sich bei der Vermietung ihrer Wohnung eine Eigenbedarfskündigung vorbehalten. Die Ausgaben für die Wohnung können sie trotz einer entsprechenden Klausel bei der Einkommensteuer absetzen, erklärt der Bund der Steuerzahler.

Auch bei einer vorübergehenden Vermietung an Fremde kann eine dauerhafte Vermietungsabsicht vorliegen, wenn später an Angehörige vermietet werden soll. Dies hat das Finanzgericht Hamburg entschieden.

Im verhandelten Fall (Az.: 2 K 151/17) erwarb der Kläger 2005 eine Eigentumswohnung, die er zunächst selbst nutzte. Ab dem Jahr 2011 vermietete er die Wohnung auf unbestimmte Zeit. Für den Fall, dass seine Nichte die Wohnung jedoch benötigt, wurde für das Jahr 2015 eine Beendigung des Mietvertrages wegen Eigenbedarfs vereinbart. Mitte 2014 zog der Mieter aus eigenem Wunsch aus. Da sich inzwischen herausgestellt hatte, dass die Nichte die Wohnung nicht nutzen wollte, verkaufte der Kläger das Objekt im Jahr 2014.

In seinen Einkommensteuererklärungen machte der Kläger Verluste, die ihm im Zusammenhang mit der Wohnung entstanden waren, steuermindernd geltend. Das Finanzamt erkannte diese jedoch nicht an, da dem Kläger die dauerhafte Vermietungsabsicht gefehlt habe, die für die steuerliche Anerkennung erforderlich sei.

Vor dem Finanzgericht konnte der Kläger aber nachweisen, dass er die Absicht gehabt hatte, die Wohnung dauerhaft zu vermieten, weil der Mietvertrag grundsätzlich auf unbestimmte Zeit abgeschlossen war. Zudem war von Anfang an geplant, dass auch die Angehörige später Miete zahlen sollte.

«Vermieter, die ihre Wohnung vermieten und eine Eigenbedarfsklausel im Vertrag vereinbaren, sollten neben der zivilrechtlichen Wirksamkeit auch die steuerliche Seite berücksichtigen», rät Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Unter Umständen sollte ein solcher Sachverhalt vorab mit einem Steuerberater oder Rechtsanwalt besprochen werden. Gerade wenn die Wohnung nur kurz vermietet war und in dieser Zeit kein Einnahmeüberschuss entstanden war, prüft das Finanzamt die Einnahmeerzielungsabsicht sehr genau.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Kosten für die Installation von Glasfaserkabeln kann man in der Steuererklärung angeben. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa Glasfaseranschlüsse bei der Steuer absetzen Der Einbau von Glasfaseranschlüssen für schnelles Internet lässt sich steuerlich geltend machen. In welcher Form und Höhe das möglich ist, hängt dabei von den Eigentumsverhältnissen ab.
Hier ist der Vermietungswille eindeutig erkennbar. Deshalb kann der Vermieter hier die laufenden Kosten der Wohnung von der Steuer absetzen. Foto: Andrea Warnecke Fehlende Mieteinnahmen: Wann das Finanzamt Kosten anerkennt Eigentümer können das Finanzamt an den Kosten ihrer Immobilie beteiligen. Zum Beispiel können laufende Kosten bei vorübergehendem Leerstand die Steuerlast mindern. Das gilt allerdings nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen.
Das Finanzgericht Köln hat entscheiden: Das Arbeitszimmer ist Teil der Privatwohnung und kann deshalb nicht als selbstständiges Wirtschaftsgut besteuert werden. Foto: Jens Büttner Auch auf Arbeitszimmer fällt bei Hausverkauf keine Steuer an Wenn ein Privathaus verkauft wird, muss der Gewinn aus dem Verkauf nicht versteuert werden. Doch wie verhält es sich, wenn sich in dem verkauften Haus ein steuerlich absetzbares Arbeitszimmer befand?
Ob der Verkaufsgewinn einer Immobilie versteuert werden muss, hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa Privates Ferienhaus steuerfrei verkaufen Das müssen Besitzer eines Ferienhauses beachten: Wer eine Immobilie verkauft, muss den Gewinn versteuern. Doch es gibt auch Ausnahmen. Entscheidend ist, ob es sich um ein vermietetes oder selbst genutztes Domizil handelt.