EU beschließt Verbot von Einweg-Plastik

19.12.2018
Gewaltige Mengen Plastikmüll landen Jahr für Jahr in den Ozeanen. Nun bringt die Europäische Union drastische Gegenmaßnahmen auf den Weg. Einige Alltagsprodukte sollen verschwinden.
Das EU-Verbot von Plastiktellern, Trinkhalmen und anderen Wegwerfprodukten aus Kunststoff ist unter Dach und Fach. Foto: Patrick Pleul
Das EU-Verbot von Plastiktellern, Trinkhalmen und anderen Wegwerfprodukten aus Kunststoff ist unter Dach und Fach. Foto: Patrick Pleul

Brüssel (dpa) - Plastikteller, Trinkhalme und andere Wegwerfprodukte aus Kunststoff sollen in Europa künftig verboten werden. Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten einigten sich nun auf eine entsprechende Regelung.

Das Verbot soll dazu beitragen, die Unmengen Plastikmüll in der Umwelt und in den Weltmeeren einzudämmen. In Kraft treten werden die Änderungen voraussichtlich in etwa zwei Jahren.

Die EU-Kommission hatte im Mai vorgeschlagen, Einmalgeschirr, Strohhalme, Wattestäbchen und andere Wegwerfartikel aus Plastik zu verbieten. Die Menge an Lebensmittel-Verpackungen und Trinkbechern soll mit Reduktionszielen zurückgedrängt werden. Europaparlament und EU-Länder hatten die Pläne im Gesetzgebungsverfahren leicht verändert. Beide Seiten müssen die Einigung der Unterhändler noch offiziell bestätigen. Das gilt allerdings als Formalie.

Die Strategie gegen Plastikmüll dürfte für fast Jeden im Alltag spürbare Veränderungen bringen. Verboten werden sollen ab Anfang 2021 aber nur Gegenstände, für die es bereits bessere Alternativen gibt. Dazu gehören etwa auch Luftballonstäbe.

Deckel von Einwegflaschen aus Kunststoff dürfen fünf Jahre nach Inkrafttreten der Regelung nur noch in Umlauf gebracht werden, wenn sie mit der Flasche verbunden sind, damit sie nicht einzeln in der Umwelt landen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte gefordert, dass Staaten diese Verpflichtung mit einem Pfandsystem vermeiden können. Ein Großteil der Pfandflaschen werde mit Deckel zurückgegeben, hieß es vom Ministerium zur Begründung. Dafür fand sich jedoch keine EU-weite Mehrheit.

Darüber hinaus soll für eine Reihe von Einmal-Produkten mit einem gewissen Kunststoffgehalt - etwa Feuchttücher - eine Kennzeichnungspflicht gelten. Dabei soll auch auf die negativen Umweltauswirkungen hingewiesen werden.

Die EU-Kommission verspricht sich von dem Plan große Umweltvorteile. Die Maßnahmen sollen den Ausstoß von Kohlendioxid um 3,4 Millionen Tonnen verringern. Bis 2030 könnten Umweltschäden im Wert von 22 Milliarden Euro vermieden werden, hieß es. Verbraucher könnten bis zu 6,5 Milliarden Euro sparen. Die Kommission begründete den Vorstoß vor allem mit dem Schutz der Ozeane. Mehr als 80 Prozent des Mülls in den Meeren seien Plastik.

Teil der neuen Strategie ist auch die Beteiligung von Herstellern an den Kosten für die Sammlung und Verwertung der betreffenden Produkte. So könnte beispielsweise die Tabakindustrie künftig für das Einsammeln von Zigarettenstummeln zur Kasse gebeten werden. «Wer Wegwerfartikel wie Zigaretten herstellt, wird künftig mehr Verantwortung für den Müll übernehmen müssen», sagte Umweltministerin Schulze den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «So könnte die Zigarettenindustrie zum Beispiel an den Kosten für die Reinigung von Stränden oder Parks beteiligt werden.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Das EU-Parlament will verschiedene Plastikprodukte verbieten, darunter Plastikstrohhalme. Foto: Patrick Pleul EU-Parlament will Verbot von Plastikstrohhalmen und Co. Plastik ist praktisch und günstig in der Herstellung. Kein Wunder, dass Plastikprodukte oft nur einmal benutzt und dann weggeworfen werden - mit schlimmen Folgen für die Umwelt. Das EU-Parlament will nun Strohhalme, Wattestäbchen und andere Plastikprodukte verbieten.
Große Lebensmittelhändler wie Lidl oder Rewe wollen künftig keine Einweg-Trinkhalme aus Plastik mehr verkaufen. Foto: Patrick Pleul Supermärkte und Discounter verbannen immer mehr Plastik Rewe, Lidl und Edeka wollen bestimmte Plastikprodukte aus dem Sortiment nehmen. Großflächige Maßnahmen wirken: So spart etwa Lidls Verzicht auf Plastiktüten jährlich rund 3500 Tonnen Kunststoff ein. Umweltschützer wünschen sich allerdings noch mehr.
Schleichende Schädigung durch Chemikalien: Kleidung aus China gehört laut Eu-Bericht häufig zu den Produkten, die mit Schadstoffen belastet sind. Foto: Marcus Brandt Schweinchenmaske in Flammen - Kampf gegen Gefahrenprodukte Sie kommen mit Hochglanzverpackung und leuchtenden Farben, manchmal sogar mit gefälschtem Qualitätssiegel. Doch die schöne Hülle trügt. Ein neuer Bericht gibt Auskunft darüber, welche gefährlichen Produkte 2015 in Europa aus dem Verkehr gezogen wurden.
An sogenannten Refill-Stationen in Geschäften und Restaurants können Verbraucher ihre Trinkflaschen auffüllen. Die Bundesregierung plant nun ähnliche Spender für den öffentlichen Raum. Foto: Andreas Arnold Leitungswasser und Unverpacktes soll Plastikmüll verringern Massenhaft Plastik im Bauch von Walen, Strände voll mit buntem Abfall - die Folgen der Wegwerf-Gesellschaft treiben die Deutschen um. Umweltministerin Schulze will eine «Trendwende» beim Thema Kunststoff. Ihre Pläne reißen Umweltschützer aber nicht vom Hocker.