Entschädigung: Flug verpasst wegen Zubringer

14.06.2016
Ab drei Stunden Verspätung steht Flugpassagieren eine Entschädigung zu. Aber gilt das auch, wenn die Verspätung durch einen Zubringerflug verursacht wurde, der nur minimal verspätet war? Darüber entschied zuletzt ein Gericht.
Schon durch wenige Minuten Verspätung können Passagiere ihren Anschlussflug verpassen. Das kann die Gesamtverspätung so erhöhen, dass eine Entschädigung fällig wird. Foto: Frank Rumpenhorst
Schon durch wenige Minuten Verspätung können Passagiere ihren Anschlussflug verpassen. Das kann die Gesamtverspätung so erhöhen, dass eine Entschädigung fällig wird. Foto: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Der Zubringerflug verspätet sich nur acht Minuten. Aber dadurch verpasst der Reisende den Anschlussflug und erreicht sein Ziel letztlich mit vier Stunden Verspätung.

In diesem Fall muss die Airline, die den verspäteten Zubringer zu verantworten hat, eine Entschädigung zahlen - auch wenn deren Flug nur minimal verspätet war. Das entschied das Landgericht Frankfurt am Main (Az.: 29 C 341/14 (21)),worauf die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in der Zeitschrift «ReiseRecht aktuell» hinweist.

Im verhandelten Fall wollten die Kläger von Frankfurt über Wien nach New York fliegen. Die Umstiegszeit war knapp bemessen, sollte aber ausreichen. Doch der Zubringer landete acht Minuten zu spät in Wien, die Kläger verpassten den Weiterflug mit der anderen Airline.

In New York kamen sie erst mit vier Stunden Verspätung an, und verlangten von der Zubringer-Fluggesellschaft eine Entschädigung. Denn ab drei Stunden Verspätung steht Passagieren laut EU-Recht eine Ausgleichszahlung zu.

Das Gericht gab den Klägern Recht. Maßgeblich sei die Verspätung am Endziel der Reise. Und diese habe die Airline zu verantworten, die die Kläger von Frankfurt nach Wien flog.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Mit Air Berlin in den Winterurlaub? Experten raten davon ab. Foto: Christoph Schmidt/dpa Urlaubspläne für Herbst/Winter: Noch bei Air Berlin buchen? Die Air-Berlin-Insolvenz verunsichert viele Fluggäste. Urlauber fragen sich, ob sie bei ihren Reiseplänen noch auf die Airline setzen sollen? Erst mal geht der Betrieb zwar weiter. Doch was ist mit Flügen im Herbst und Winter?
Air Berlin hebt bald nicht mehr ab. Viele Tickets verlieren ihre Gültigkeit. Foto: Federico Gambarini/dpa Lufthansa-Übernahme: Was aus den Air-Berlin-Tickets wird Air Berlin geht wohl bald zu großen Teilen an Lufthansa. Auf Details müssen Reisende aber wohl noch etwas warten. Die Wettbewerbshüter in Brüssel werden das Geschäft prüfen. Was Kunden aktuell wissen müssen.
Schnee sorgte in einigen Regionen Deutschlands für Zugverspätungen und Zugausfälle. Betroffenen Bahnkunden steht eine Entschädigung zu. Foto: Kathrin Deckart/dpa Nach Wintereinbruch: Wann bekommen Reisende ihr Geld zurück? Wartende Passagiere an vielen Bahnhöfen und Flughäfen: Der jüngste Wintereinbruch hatte etliche Ausfälle und Verspätungen von Zügen und Flügen zur Folge. Wer hat Anspruch auf Entschädigung - und wer nicht?
Der Flugverkehr in Europa nimmt im Sommer 2020 langsam wieder Schub auf. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-tmn Stark veränderte Flugpläne: Passagierrechte bei Umbuchungen Die schlechte Nachricht kommt per E-Mail - und infolge von Corona derzeit ziemlich oft: «Leider verschiebt sich Ihr Flug!» Müssen Passagiere eine solche Änderung hinnehmen?