Dürfen sich Angestellte über ihr Gehalt austauschen?

01.04.2019
Arbeitsverträge enthalten häufig eine Verschwiegenheitsklausel, die Arbeitnehmer dazu verpflichtet, das Gehalt vertraulich zu behandeln. Doch sind Arbeitgeber überhaupt dazu berechtigt?
Arbeitnehmer dürfen über ihr Gehalt sprechen. Eine Klausel im Arbeitsvertrag, die das verbietet, ist unzulässig. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn
Arbeitnehmer dürfen über ihr Gehalt sprechen. Eine Klausel im Arbeitsvertrag, die das verbietet, ist unzulässig. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Nürnberg (dpa/tmn) - Wer eine Gehaltserhöhung verhandeln möchte, interessiert sich für das Einkommen der Kollegen. Über ihr Gehalt zu sprechen, ist aber vielen Beschäftigten unangenehm. Ist es aus arbeitsrechtlicher Perspektive erlaubt?

«Ganz klar: ja», sagt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Nürnberg. Es sei zwar bei Arbeitgebern beliebt, eine Klausel in den Arbeitsvertrag aufzunehmen, die das verbietet. «Doch solche Klauseln sind unwirksam», sagt der Fachanwalt, der Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein ist.

Selbst wer eine entsprechende Formulierung in seinem Vertrag vorfindet, darf sich also mit den Kollegen über sein Gehalt austauschen. Der Arbeitgeber dürfte einen Mitarbeiter lediglich dann zur Verschwiegenheit verpflichten, wenn er ein berechtigtes Interesse begründen kann. Ein Unternehmen könne beispielsweise damit argumentieren, dass der Betriebsfrieden gestört wird, wenn die Belegschaft sich über die Gehälter austauscht.

Die Chancen sich damit im Streitfall durchzusetzen, stehen Markowski zufolge aber sehr schlecht: «Wenn so etwas den Betriebsfrieden stören würde, sagt das ja schon einiges über die Gehaltsstrukturen insgesamt aus.» Die Beschäftigten haben einen Anspruch auf Gleichbehandlung, und das wiegt in diesem Fall schwerer als das Arbeitgeberinteresse.

Auch der Verweis des Arbeitgebers auf das Betriebsgeheimnis kann Jürgen Markowski zufolge nur in absoluten Ausnahmefällen ein Argument sein. «Schließlich sprechen Angestellte in der Regel nur über ihr eigenes Gehalt, nicht über die komplette Gehaltsstruktur eines Unternehmens», sagt der Fachanwalt. Dadurch ergibt sich in der Regel auch kein Nachteil des Arbeitgebers gegenüber der Konkurrenz.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Unter bestimmten Bedingungen sind Zuschüsse, die Arbeitgeber ihren Beschäftigten gewähren, steuer- und sozialversicherungsfrei. Foto: Jens Wolf Mit Sachbezug Steuern und Sozialversicherungsabgaben sparen Eine Lohnerhöhung bedeutet für Arbeitgeber auch mehr Sozialversicherungsbeiträge und Steuern. Als Alternativen, um den Beschäftigten mehr Geld zukommen zu lassen, bieten sich Sachbezüge und Barzuschüsse an.
Verbraucher sollten die Steuerbegünstigung für Abfindungen geltend machen und das Finanzamt auf die anhängige Revision hinweisen. Foto: Jens Schierenbeck/dpa-tmn Ermäßigte Besteuerung auch bei einvernehmlicher Abfindung Arbeitnehmer müssen eine Abfindung in vollem Umfang versteuern. Eine Steuerermäßigung gibt es nur durch die Fünftel-Regelung. Doch die lehnt das Finanzamt teilweise ab. Davon sollte man sich aber nicht beeindrucken lassen.
Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern einmal im Monat steuer- und sozialversicherungsfreie Sachzuwendungen in Höhe von 44 Euro aushändigen. Foto: Tobias Hase Regeln für Mitarbeitergutscheine beachten Einmal im Monat können Arbeitgeber ihren Angestellten steuer- und sozialversicherungsfreie Sachleistungen zukommen lassen. Ein Urteil aus Sachsen hat nun gezeigt, dass das zeitliche Intervall entscheidend ist. Wer sich nicht daran hält, muss Steuern nachzahlen.
Vom Arbeitgeber geschenkte Fußballspiel-Karten beurteilt ein Gericht als steuerlichen Arbeitslohn. Foto: Jan Woitas Wenn der Chef den Mitarbeitern Fußballkarten schenkt Gemeinsam mit Kollegen im Fußballstadion jubeln - das verbindet. Doch wenn der Chef seinen Mitarbeitern Karten für ein Spiel schenkt, sollten Arbeitnehmer vorher die Versteuerung mit ihm klären. Denn solche Geschenke können sich auf den Arbeitslohn auswirken.