Das Briefporto wird teurer

06.10.2021
Alle Jahre wieder dreht die Deutsche Post beim Briefporto an der Preisschraube. Dafür bekommt sie nun grünes Licht von einer Bonner Behörde. Bis Jahresende sollten die Verbraucher alte Marken aufbrauchen - danach müssten Briefe zusätzlich frankiert werden.
Der Briefversand wird teurer. Statt bisher 80 Cent soll ein Standardbrief künftig 85 Cent kosten. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
Der Briefversand wird teurer. Statt bisher 80 Cent soll ein Standardbrief künftig 85 Cent kosten. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Bonn (dpa) - Wer in Deutschland Briefe verschicken will, der muss ab Januar etwas tiefer in die Tasche greifen. Die Deutsche Post gab am Mittwoch bekannt, dass die verschiedenen Briefprodukte um jeweils 5 Cent teurer werden sollen.

Ein Standardbrief zum Beispiel soll dann 85 statt bisher 80 Cent kosten, ein Kompaktbrief 1 Euro (derzeit: 95 Cent). Bei der Postkarte dreht das Unternehmen stärker an der Preisschraube, diese soll 70 Cent kosten und damit 10 Cent mehr als bislang. Die Portoanhebung begründete die Deutsche Post mit höheren Kosten bei sinkenden Sendungsmengen.

Porto-Erhöhungen bis zu 4,6 Prozent möglich

Zuvor hatte die Bundesnetzagentur als zuständige Regulierungsbehörde einen Spielraum für Preiserhöhungen genehmigt, auf dessen Basis die Post das Porto anheben darf. Besagter Spielraum liegt bei 4,6 Prozent - um so viel darf der Warenkorb aller regulierter Sendungsarten teurer werden. Der Wert ist relativ niedrig, bei der Portoanhebung 2019 lag er bei 8,9 Prozent.

Der von der Bundesnetzagentur genehmigte Spielraum für Preisanhebungen unterteilt sich auf eine berechnete Inflation von 3,25 Prozent seit der Portoanhebung 2019 und auf Produktivitätsverluste von 1,35 Prozent wegen des Mengenrückgangs. Die Netzagentur wird jetzt prüfen, ob die geplanten Portoanhebungen im Rahmen des Spielraums liegen. Die endgültige Entscheidung fällt wohl im November. Es ist unwahrscheinlich, dass sich an den Plänen noch etwas ändert. Das neue Porto gilt für drei Jahre.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sprach von «Raum für moderate Preiserhöhungen». Ein paar Straßen entfernt von Homanns Bonner Büro, in der Konzernzentrale des «Gelben Riesen», war man nicht begeistert: Aus Sicht der Post ist der Erhöhungsspielraum zu klein, wie aus der Mitteilung der Firma hervorgeht. Die 4,6 Prozent seien weniger als der Ausgleich für Lohnkostensteigerungen und «erst recht kein Ausgleich für die in den nächsten Jahren zu erwartende Steigerung der Stückkosten durch weiter sinkende Briefmengen, höhere Inflation und Zusatzkosten für einen klimafreundlicheren Briefdienst». Mit letzterem sind Investitionen in moderne Technik und klimaschonenden Transport gemeint, etwa in Elektrofahrzeuge.

Briefmarkt weiter geschrumpft

Der Briefmarkt schrumpft im Digitalzeitalter seit langem. Die Menschen schreiben deutlich weniger Briefe als früher und nutzen in ihrer Kommunikation stattdessen verstärkt Emails, Chats oder soziale Medien. Allerdings ist das Briefgeschäft für das Bonner Unternehmen weiterhin lukrativ - das liegt auch an den staatlich genehmigten Preiserhöhungen.

Es geht um Briefe, die in Briefkästen eingeworfen werden oder bei Postfilialen abgegeben werden - also vor allem von Privatkunden, aber auch von Anwaltskanzleien, Steuerberatern und meist kleineren Firmen. Um die klassische Geschäftspost geht es nicht - zum Beispiel Unterlagen von der Bank oder von der Versicherung. Die Preise für diese Sendungen verhandelt die Post mit den Firmenkunden und gewährt dabei je nach Volumen und Art der Lieferungen Rabatte.

Das Thema Portoerhöhung ist ein heißes Eisen. Zum einen ärgert es manchen Verbraucher, wenn seine alten Briefmarken nicht mehr ausreichen und er seine Sendung zusätzlich frankieren muss. Außerdem gibt es immer wieder Kritik von Konkurrenten: Paketdienstleister monieren, dass die Deutsche Post DHL ihr Paketgeschäft mit den Briefeinnahmen gewissermaßen quersubventionieren kann und dadurch einen Wettbewerbsvorteil hat am boomenden Paketmarkt.

© dpa-infocom, dpa:211006-99-501527/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ab dem 14. September dürfen beim Onlinebanking keine TAN-Listen auf Papier (iTAN) mehr verwendet werden. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Das sind die neuen Regeln fürs Onlinebanking Eine EU-Richtlinie verbannt TAN-Listen aus Papier und öffnet neuen Dienstleistern den Weg zum Bankkonto. Verbrauchern bringt das Vor- und Nachteile - und mehr Aufwand.
Deutschlands Bankkunden müssen sich nach Einschätzung der Finanzaufsicht Bafin in der Zinsflaute an Gebühren für bisher kostenlose Leistungen gewöhnen. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa Bafin: Ende der Gratiskultur bei Banken Gebühren für bisher kostenlose Bankdienstleistungen sorgen für Unmut der Verbraucher. Doch Bankkunden werden sich in der Zinsflaute daran gewöhnen müssen, meint die Finanzaufsicht. Anders sieht das bei Ärger mit dem Basiskonto aus.
Durch die Corona-Krise ist der Postversand ins Ausland nur unter starken Einschränkungen möglich. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild Postversand ins Ausland durch Corona beeinträchtigt Annahmestopp, Probleme beim Transport, Grenzkontrollen - Postdienstleister haben es zurzeit schwer, Pakete zu Empfängern im Ausland zu bringen. Beim internationalen Versand ist mit massiven Einschränkungen zu rechnen.
Für Heiz- und Kraftstoffe mussten Verbraucher 2018 deutlich mehr Geld ausgeben. Foto: Hauke-Christian Dittrich Verbraucherpreise steigen um 1,9 Prozent Das Leben in Deutschland ist im vergangenen Jahr wieder merklich teurer geworden. Vor allem die Preise für Heizöl und Sprit zogen an. Im Dezember entspannte sich die Lage etwas.