Darf ich im Urlaub für andere Arbeitgeber arbeiten?

02.03.2020
Nicht jeder Arbeitnehmer möchte seinen Urlaub zum Entspannen nutzen. Mancher würde ihn gerne für einen Zweitjob einsetzen. Darf man das?
Wer im Urlaub für einen anderen Arbeitgeber tätig wird, sollte dies mit dem Vorgesetzten zuvor abklären. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Wer im Urlaub für einen anderen Arbeitgeber tätig wird, sollte dies mit dem Vorgesetzten zuvor abklären. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Nürnberg (dpa/tmn) - Um einer Leidenschaft nachzugehen oder zusätzlich Geld zu verdienen: Manche Arbeitnehmer würden im Urlaub gerne für einen anderen Arbeitgeber tätig werden. Ist das erlaubt?

Zur Beantwortung der Frage unterscheidet Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Nürnberg, verschiedene Fälle. Wer ohnehin eine Nebentätigkeitsgenehmigung seines Arbeitgebers hat und üblicherweise einem Zweitjob nachgeht, für den besteht diese Möglichkeit auch während des Urlaubs.

Art, Dauer und Schwere der Arbeit sind entscheidend

«Daneben besagt aber das Bundesurlaubsgesetz in Paragraf 8, dass Arbeitnehmer während des Urlaubs keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten dürfen», erläutert Markowski. Denn Ziel des Urlaubs sei die Erholung: «Man soll seine Leistungsfähigkeit wieder erlangen.» Dem stehe es dann entgegen, wenn Arbeitnehmer ihre Arbeitskraft für einen anderen Job einsetzen.

Dabei komme es aber jeweils auf Umfang, Art und Dauer, Schwere und Regelmäßigkeit der Arbeit an: «Nicht jede Tätigkeit wird dem Urlaubszweck widersprechen. Das ist eine Einzelfallabwägung.»

Was klar sein sollte: Arbeitnehmer brauchen in jedem Fall eine Nebentätigkeitsgenehmigung. In der Regel müsse der Arbeitnehmer einer Nebentätigkeit aber zustimmen, wenn die betrieblichen Interessen nicht eingeschränkt werden.

Absprache mit Arbeitgeber ist wichtig

Wer also während seines Urlaubs für einen anderen Arbeitgeber arbeiten möchte, muss das seinem Arbeitgeber anzeigen. «Der wird natürlich nachfragen, in welchem Umfang das stattfinden soll. Es läuft ja auch seinen Interessen zuwider, wenn ich völlig erschöpft aus dem Urlaub wiederkomme», sagt Markowski.

Da würden viele Arbeitgeber sehr genau hinsehen, so die Prognose des Arbeitsrechtlers. Wer sich einfach ohne Zustimmung des Arbeitgebers während seines Urlaubs im Zweitjob auspowert, verstößt gegen arbeitsvertragliche Pflichten. «Das kann eine Abmahnung nach sich ziehen und im wiederholtem Falle eine Kündigung», warnt Markowski.

Zur Person: Jürgen Markowski ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) tätig.

Bundesurlaubsgesetz §8


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Beamte sind dazu verpflichtet, sich im Urlaub zu erholen. Nebenberufliche Tätigkeiten oder Ehrenämter dürfen nur ausgeübt werden, wenn sie der Erholung nicht im Wege stehen. Foto: Julian Stratenschulte Beamte müssen sich im Urlaub erholen Für Beamte gibt es feste Regeln, wie sie ihren Urlaub zu gestalten haben. Wer etwa einer Nebentätigkeit nachgehen möchte, sollte sich unbedingt informieren, in welchem Umfang er seine Urlaubstage dafür nutzen darf.
Eine Lehrerin geht einer Nebentätigkeit nach. Darf sie deshalb Unterrichtsstunden ausfallen lassen? Zumindest ist dies kein Grund für eine direkte Kündigung. Foto: Julian Stratenschulte/dpa Unterrichtsausfall wegen Nebenjob: Abmahnung statt Kündigung Eine Lehrerin hat trotz Vollzeitstelle einen Nebenjob. Darf der Arbeitgeber ihr kündigen, wenn sie wegen dieser Tätigkeit Unterrichtsstunden ausfallen lässt? Offenbar nicht, wie ein Urteil des Landesarbeitsgerichtes Köln zeigt.
Jürgen Markowski ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Nürnberg und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. Foto: Marion Stephan/Manske & Partner Wann muss der Chef von meinem Nebenjob wissen? Viele Berufstätige üben einen Nebenjob aus - entweder weil das Gehalt nicht reicht, oder weil es Abwechslung bringt. Doch wann ist der Chef darüber zu informieren?
Ein Rentner, der Sozialhilfe erhält, muss sich eine steuerfreie Aufwandsentschädigung nicht darauf anrechnen lassen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Einkünfte nicht immer auf Sozialhilfe anrechenbar Wer Sozialleistungen erhält und Einkünfte aus einer Nebentätigkeit bezieht, muss in der Regel mit Abzügen rechnen. Nicht so, wenn es sich um eine steuerfreie Aufwandsentschädigung handelt, urteilte das Sozialgericht Gießen.