Darf der Chef Tätowierungen und Piercings verbieten?

25.06.2018
Piercings und Tätowierungen sind häufig schwer zu verstecken. Aber nicht in jeder Branche ist auffälliger Körperschmuck erwünscht. Darf mein Arbeitgeber Vorschriften zum Äußeren machen?
Nicht jeder Chef ist begeistert, wenn sein Mitarbeiter ein Piercing hat. Dennoch braucht er für ein Verbot gute Gründe. Foto: Jens Schierenbeck
Nicht jeder Chef ist begeistert, wenn sein Mitarbeiter ein Piercing hat. Dennoch braucht er für ein Verbot gute Gründe. Foto: Jens Schierenbeck

Essen (dpa/tmn) - Stecker in der Nase und Bilder auf dem Arm sind heute keine Seltenheit mehr. Sogar eine tätowierte First Lady gab es schon - dank Bettina Wulff. Und doch gibt es Arbeitgeber, die Tätowierungen oder Piercings verbieten. Dürfen die das?

In den meisten Fällen nicht, sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. «Im Grundsatz darf jeder Arbeitnehmer erst einmal machen, was er will.» Will der Arbeitgeber Vorschriften zum Äußeren machen, braucht er ein berechtigtes Interesse daran. So ist es zum Beispiel nachvollziehbar, dass Arbeitgeber halbwegs vorzeigbare Mitarbeiter haben möchten, sagt Schipp: «Dass jemand gepflegt ist, kann ich erwarten.»

Auch Kleiderordnungen sind deshalb erlaubt, aber nur unter bestimmten Umständen. Und noch schwieriger wird es bei Tätowierungen, die sich nicht einfach abnehmen lassen, sowie Piercings oder außergewöhnlicher Haar- und Bartpracht: Dafür bräuchte der Arbeitgeber schon gute Gründe. Im Lebensmittelhandwerk etwa kann er hygienische Bedenken gegenüber manchen Frisuren vorbringen, wenn diese zum Beispiel nicht unter ein Haarnetz passen. «Die Frage ist, ob es eine objektive Notwendigkeit für die Vorschrift gibt», sagt Schipp. Bei Tätowierungen etwa sei das in den meisten Fällen schwer vorstellbar.

Zwei Ausnahmen gibt es: Eine Betriebsvereinbarung kann eine Rechtsgrundlage für solche Vorschriften sein - muss dann aber natürlich mit dem Betriebsrat ausgehandelt sein. Und im Beamtenrecht gibt es relativ weitreichende Regeln rund um dieses Thema, für Polizisten etwa. «Da gibt es diverse Entscheidungen zu», sagt Schipp. «Das ist in dem Fall aber auch eine etwas andere Welt als das reguläre Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN

Passende Anbieter

Das könnte Sie auch interessieren
Nur frisch rasiert zur Arbeit? In der Regel darf ein Arbeitgeber keine Vorgaben zum Aussehen seiner Angestellten machen - das betrifft auch den Bart. Foto: Judith Michaelis Darf ein Chef verbieten, dass Angestellte Bart tragen? Vor Gericht scheitern Arbeitgeber oft, wenn es um das Äußere ihrer Angestellten geht, denn diese Anweisungen unterliegen dem Persönlichkeitsrecht. Unter gewissen Umständen können Vorgesetzte trotzdem Einfluss üben.
Polizeioberkommissar Jürgen Prichta darf sich nicht den Schriftzug «Aloha» auf den Unterarm tätowieren lassen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof stärkt ein Verbot des Dienstherrn. Foto: Britta Schultejans Bayerischer Polizist darf sich nicht tätowieren lassen Jeder fünfte Deutsche ist heute tätowiert. Das hat auch Auswirkungen auf die Dienstvorschriften der Polizei. In einigen Bundesländern wurden sie bereits gelockert - nun hat auch das gestrenge Bayern ein höchstrichterliches Urteil zum Körperschmuck im Polizeidienst.
Ob ein Arbeitnehmer tätowiert ist oder nicht - das geht den Arbeitgeber in der Regel nichts an. Foto: Facundo Arrizabalaga/epa Darf der Arbeitgeber bei Tattoos mitreden? Tattos liegen noch immer Trend. Das freut die Arbeitgeber nicht unbedingt. Dennoch müssen sie es in der Regel akzeptieren, wenn Angestellte sich für diese Form der Körperkunst entscheiden - nur in einem Fall nicht.
Mitarbeiter können Überstunden verweigern, wenn sie vertraglich nicht dazu verpflichtet sind. Eine Bestrafung durch den Arbeitgeber ist unzulässig. Foto: Peter Endig Dauernd Überstunden: Diese Rechte haben Mitarbeiter Überstunden sind in vielen Jobs an der Tagesordnung. Doch was kann Mitarbeitern eigentlich im schlimmsten Fall passieren, wenn sie Überstunden verweigern? Drei Fragen und Antworten zum Thema.