Chef darf Abstandsregeln nicht per Video kontrollieren

03.06.2020
Zur Eindämmung der Corona-Pandemie müssen Arbeitgeber bestimmte Hygienevorgaben umsetzen. Ob die Belegschaft sich daran hält, darf aber nicht einfach so mit Videoaufnahmen kontrolliert werden.
Nicht alle Kollegen achten auf die Abstandsregeln. Doch Arbeitgeber dürfen ihre Mitarbeiter nicht ohne Weiteres per Video überwachen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Nicht alle Kollegen achten auf die Abstandsregeln. Doch Arbeitgeber dürfen ihre Mitarbeiter nicht ohne Weiteres per Video überwachen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Wesel (dpa/tmn) - Ein Arbeitgeber kann nicht ohne Weiteres über Video kontrollieren, ob seine Mitarbeiter im Betrieb die aufgrund von Corona empfohlenen Sicherheitsabstände einhalten. Er darf diese Daten auch nicht ins Ausland übermitteln.

Dafür bedarf es der Mitbestimmung des Betriebsrats. Das erklärt die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mit Verweis auf einen Beschluss des Arbeitsgerichts Wesel (Az.: 2 BVGa 4/20).

In dem Fall überwachte ein großes Logistikunternehmen mittels Kameras seine Arbeitnehmer. Der Betrieb kontrollierte, ob die empfohlenen Sicherheitsabstände eingehalten wurden. Dazu prüfte das Unternehmen Aufnahmen, die im Rahmen der betrieblichen Videoüberwachung erstellt wurden. Sie wurden auf im Ausland gelegenen Servern gespeichert.

In einem Eilverfahren wandte sich der Betriebsrat dagegen. Das Arbeitsgericht sah einen Verstoß gegen das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats. Außerdem stehe die Übermittlung der Daten ins Ausland im Widerspruch zur Betriebsvereinbarung zur Installation und Nutzung von Überwachungskameras.

Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im DAV

Zum Beschluss


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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