Bus und Bahn: Streik entschuldigt keine Verspätung

25.09.2020
Kommenden Dienstag könnte es im Nahverkehr ziemlich ruckelig werden: Für den Tag sind bundesweite Warnstreiks angekündigt. Aber dürfen Pendler deswegen zu spät zur Arbeit kommen?
Pendler müssen am kommenden Dienstag auf dem Weg zur Arbeit eventuell etwas Geduld haben - bei Bus und Bahn drohen Warnstreiks. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Pendler müssen am kommenden Dienstag auf dem Weg zur Arbeit eventuell etwas Geduld haben - bei Bus und Bahn drohen Warnstreiks. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Köln (dpa/tmn) - Für Pendler kann es am Dienstag (29. September) stressig werden: Die Gewerkschaft Verdi hat für den Tag zu bundesweiten Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen. Wer deswegen zu spät zur Arbeit kommt, riskiert Sanktionen. «Der Arbeitnehmer ist derjenige, der das Wegerisiko trägt», sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln.

Wenn ein Streik angekündigt ist, heißt das also für Pendler: Nicht auf Bus und Bahn verlassen, sondern Alternativen suchen. Eine Verspätung wegen eines Streiks sei nur dann legitim, wenn es sich um eine plötzliche Arbeitsniederlegung handelt, von der niemand vorab gewusst hat, erläutert Oberthür. Dann haben die Arbeitnehmer zwar ebenfalls keinen Anspruch auf Gehalt - riskieren aber wenigstens keine Abmahnung.

Ansonsten sei eine Verspätung nur zu rechtfertigen, wenn es unverschuldete persönliche Gründe gäbe - etwa ein kaputtes Auto oder die Erkrankung eines Kindes.

Zur Person: Nathalie Oberthür ist Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

© dpa-infocom, dpa:200925-99-709368/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN

Passende Anbieter

Das könnte Sie auch interessieren
Streikende können vom Arbeitgeber keinen finanziellen Ausgleich für die Arbeitskampftage erwarten. Foto: Caroline Seidel/dpa Streikende können keine Streikbruch-Prämie fordern Arbeitgeber müssen Streikenden keinen Ausgleich zahlen. Auch dann nicht, wenn sie Streikbrechern eine Prämie versprochen haben und sie sich später mit den Streikenden auf das sogenannte Maßregelungsverbot geeinigt haben.
Arbeitnehmer tragen das Wegerisiko. Daher müssen sie auch bei Streiks im Nahverkehr pünktlich zur Arbeit kommen. Foto: Martin Gerten Keine Freistellung bei Streik in Kita und Nahverkehr Streiks im öffentlichen Dienst können zu geschlossenen Kitas und Ausfällen im Nahverkehr führen. Viele Berufstätige haben es dann schwer, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Rechtlich sind sie jedoch auch in diesem Fall dazu verpflichtet.
Regelungen zur Betriebsrente können nicht einfach gestrichen werden. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa Freifahrticket für Ehepartner ist Teil der Betriebsrente Ein Firmenticket für die Ehepartner ehemaliger Mitarbeiter können Betriebe nicht einfach so wieder abschaffen. Auch nicht durch eine neue Betriebsvereinbarung.
LKW-Fahrern steht ein Nachtzuschlag zu. Dies entschied ein Landesarbeitsgericht. Foto: Jochen Lübke Trotz höherer Spesen: Fernfahrer stehen Nachtzuschläge zu LKW-Fahrer haben Anspruch auf einen Nachtzuschlag. Dies besagt ein Urteil eines Landesarbeitsgerichts. Allerdings müssen alle Angaben zur Vergütung klar im Arbeitsvertrag geregelt sein. Vor allem pauschale Regelungen sind in diesem Zusammenhang schwer umsetzbar.