Bis wann darf der Arbeitgeber Urlaubsanträge einfordern?

19.08.2019
Kann der Chef seine Angestellten zwingen, ihren Jahresurlaub bis zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr einzureichen? Es sei das Eigeninteresse des Arbeitnehmers, dass er seine Erholungs- und Urlaubszeiten einplane, sagt der Arbeitsrechtler.
Ein Mann füllt einen Urlaubsantrag aus. Foto: Julian Stratenschulte/Illustration
Ein Mann füllt einen Urlaubsantrag aus. Foto: Julian Stratenschulte/Illustration

Berlin (dpa/tmn) - Manche Arbeitgeber fordern ihre Mitarbeiter schon jetzt auf, ihre Urlaubspläne bis Jahresende einzureichen. Doch wie sieht es rechtlich aus? Kann der Chef seine Angestellten zwingen, ihren Jahresurlaub bis zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr einzureichen?

«Mit disziplinarischen Konsequenzen wie einer Abmahnung muss kein Mitarbeiter rechnen, der das nicht tut», sagt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Es sei das Eigeninteresse des Arbeitnehmers, dass er seine Erholungs- und Urlaubszeiten einplane. Arbeitnehmer, die der Aufforderung des Arbeitgebers, den Urlaub bis zum Jahresende zu planen und zu nehmen, nicht nachkommen, müssen damit rechnen, im Zweifel bei der Urlaubsplanung das Nachsehen zu haben.

Das gelte etwa für Urlaubszeiten, zu denen alle frei haben wollen, oder während der Schulferien, erklärt Meyer. Hat der Arbeitgeber die Belegschaft aufgefordert, sich abzustimmen, können die Anträge zum Beispiel nach einem Rankingsystem bearbeitet werden. Wer als letzter und verspätet seinen Antrag einreicht, hat dann womöglich in der Weihnachtszeit Dienst - weil andere Urlaubswünsche bevorzugt berücksichtigt wurden.

In Unternehmen mit Betriebsräten ist auch dieser an der Urlaubsplanung beteiligt, so der Fachanwalt, der Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein ist. Die Arbeitnehmervertretung kann mit festlegen, bis zu welchem Datum die Urlaubsanträge eingereicht werden sollen und wie bei kollidierender Urlaubsplanung eine Einigung erfolgt.

Wer aber trotz Aufforderung des Arbeitgebers seinen Jahresurlaub nicht verplant, muss damit rechnen, dass dieser zum Jahresende oder zum 31. März des Folgejahres verfällt. Zwar ist das nach den jüngsten Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts nicht mehr automatisch der Fall.

Jedoch kann der Urlaub verfallen, wenn der Arbeitgeber seine Mitarbeiter zuvor ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass sie ihre offenen Urlaubstage bis zum Jahresende nehmen sollen, und dass anderenfalls nicht genommener Urlaub ersatzlos verfällt.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ab mittags frei? Das deutsche Urlaubsrecht kennt keinen Anspruch auf halbe Urlaubstage. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn Habe ich einen Anspruch auf halbe Urlaubstage? Muss der Arbeitgeber nur ganze Urlaubstage gewähren? Es ist kompliziert, sagt der Fachanwalt.
Auch während der Probezeit ist es erlaubt, in den Urlaub zu fahren. Foto: Ina Fassbender/dpa Urlaub ist auch in der Probezeit erlaubt In der Probezeit dürfen sich Arbeitnehmer keine Fehler erlauben. Deswegen nehmen sie in dieser Periode meistens keinen Urlaub. Doch verboten ist das nicht. Es gibt lediglich eine Einschränkung.
Manch Arbeitnehmer träumt vielleicht schon vom Urlaub im Risikogebiet. Aber kann der Arbeitgeber einen Strich durch die Rechnung machen?. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Darf mein Arbeitgeber Reisen in Risikogebiete verbieten? Nicht jeder, der jetzt über Urlaub nachdenkt, lässt sich von einer Reisewarnung des Auswärtigen Amts abschrecken. Aber was, wenn der Arbeitgeber Urlaub in einem Risikoland verbieten will? Darf er das?
Wer länger krank ist, darf Urlaub mit ins nächste und übernächste Jahr nehmen - nach einer bestimmten Frist kann der Anspruch aber verfallen, ohne dass der Arbeitgeber ausdrücklich darauf hinweisen muss. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Urlaub kann bei langer Krankheit verfallen Urlaub mit ins nächste Jahr nehmen? Das können Arbeitnehmer nur in Ausnahmefällen. Einer davon ist eine lange Krankheit. Doch auch dabei gibt es Grenzen, wie ein Urteil zeigt.