Bei Sicherungseinbehalt keine Umsatzsteuer-Vorauszahlung

25.11.2015
Erbringt ein Unternehmer eine Leistung, muss er Umsatzsteuer zahlen. Unabhängig davon, ob der Kunde einen Teil des Geldes zur eigenen Absicherung einbehalten hat. Die Vorauszahlung müssen Unternehmer nun nicht mehr tätigen, teilt das Bundesfinanzministerium mit.
Keine Umsatzsteuer-Vorauszahlung: Die Finanzverwaltung wendet nun ein unternehmerfreundliches Urteil des Bundesfinanzhofes an. Foto: Frank Leonhardt
Keine Umsatzsteuer-Vorauszahlung: Die Finanzverwaltung wendet nun ein unternehmerfreundliches Urteil des Bundesfinanzhofes an. Foto: Frank Leonhardt

Berlin (dpa/tmn) - Unternehmer - besonders Bauunternehmer - vereinbaren mit ihren Kunden oft Sicherungseinbehalte über mehrere Jahre. Damit soll der Kunde gegen eventuell auftretende Mängel abgesichert werden.

In Zukunft müssen Unternehmer, die eine solche Vereinbarung mit ihren Kunden treffen, die Umsatzsteuer beim Finanzamt nicht wie bislang über mehrere Jahre vorfinanzieren. Darauf weist Constanze Grüning vom Bund der Steuerzahler hin und beruft sich auf ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 3. August 2015. Demnach wird die Finanzverwaltung nun ein unternehmerfreundliches Urteil des Bundesfinanzhofes anwenden (Az.: V R 31/12).

Die Umsatzsteuer wird für Unternehmer also erst dann fällig, wenn der Kunde den Sicherungseinbehalt zurückgezahlt hat. Voraussetzung für die Umsatzsteuerkorrektur ist jedoch, dass sich die Gewährleistungsansprüche nicht durch eine Bankbürgschaft absichern ließen. Dies muss der Unternehmer beim Finanzamt nachweisen - beispielsweise, indem er für jeden Vertrag konkrete Gewährleistungsbürgschaften beantragt und diese abgelehnt wurden.

Bislang galt: Unternehmer mussten die volle Umsatzsteuer zahlen, sobald sie eine Leistung erbracht hatten. Erhielten sie vom Kunden keine Zahlungen, mussten sie gegenüber dem Finanzamt in Vorleistung gehen. Das ändert sich nun mit dem Urteil des Bundesfinanzhofes.

Kleine Unternehmen, deren Vorjahres-Umsatz nicht mehr als 500 000 Euro betrug, sowie nicht bilanzierende Freiberufler sind davon nicht betroffen. Bei ihnen fällt die Umsatzsteuer seit jeher erst an, wenn sie das Entgelt vereinnahmen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ehepaare können ihr Elterngeld erhöhen, wenn sie die Steuerklassen wechseln. Dabei sollten sie jedoch beachten, dass ein Wechsel nur einmal gestattet wird. Foto: Christoph Schmidt/dpa Steuerklassenwechsel ist nur einmal im Jahr möglich Für Ehepaare ist es oft ein Vorteil, das geringere Einkommen höher zu besteuern. Wer einen Wechsel der Steuerklassen plant, sollte aber mehrere Faktoren bedenken. Denn möglich ist dieser nur einmal im Jahr.
Laut Bundesfinanzhof können offene Kirchensteuern eines Verstorbenen als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Foto: Frank Leonhardt/dpa Nachgezahlte Kirchensteuern mindern Steuern beim Erben Der Nachlass verstorbener Menschen bereitet den Erben normalerweise keine großen Probleme. Das sieht anders aus, wenn sie offene Steuern übernehmen müssen. Doch zum Glück gibt es die Möglichkeit, diese Forderungen zu minimieren.
Vor Weihnachten sammeln viele Organisationen Spenden. Foto: Caroline Seidel Was Verbraucher beim Spenden wissen müssen Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Viele Organisationen bitten derzeit um Unterstützung. Eine Studie zeigt aber: Nicht immer können Spender erkennen, was mit ihrem Geld passiert. Daher sollten sie vor der Gabe genau hinschauen.
Vergünstigtes Kantinenessen oder eine freie Unterkunft tauchen in der Lohnabrechnung als Sachbezugswerte auf. Die Werte werden regelmäßig an die Verbraucherpreise angepasst. Foto: Arno Burgi/dpa Verbilligtes Essen für Arbeitnehmer: Sachbezugswerte steigen Die Sachbezugswerte wie Kost und Logi werden regelmäßig an die Verbraucherpreise angepasst. Auch im kommenden Jahr steigen die Werte für Verpflegung und Unterkunft.