Auf Falschlieferungen vorbereitet sein

10.12.2021
Das teure Gerät ist bestellt, die Vorfreude groß. Aber was tun, wenn im gelieferten Paket etwas ganz anderes oder einfach nur Luft drin ist?
Halt, stopp! Gerade bei Auslandsbestellungen sollte man Pakete erst wiegen und fotografieren, dann vor Zeugen öffnen und das Auspacken filmen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Halt, stopp! Gerade bei Auslandsbestellungen sollte man Pakete erst wiegen und fotografieren, dann vor Zeugen öffnen und das Auspacken filmen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Kehl (dpa/tmn) - Nach Bestellungen bei Händlern aus anderen EU-Ländern sollten Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit auf Falschlieferungen vorbereitet sein. Darauf weist das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) hin.

Es häuften sich Beschwerden von Käuferinnen und Käufern, die statt teurer Elektronikartikel, die sie bestellt hatten, etwas ganz anderes oder auch gar nichts im gelieferten Paket vorfanden.

Deshalb empfiehlt das EVZ bei Auslandsbestellungen folgendermaßen vorzugehen:

- Vor dem Öffnen das Paket wiegen und fotografieren. Das gilt auch bei einer Rücksendung (nur versichert und nachverfolgbar),bei der man zusätzlich das Gewicht auf dem Einlieferungsbeleg (immer aufbewahren) vermerken lassen sollte.

- Das Paket vor einem Zeugen öffnen. Das Auspacken filmen. Dasselbe gilt für die Vorbereitung des Paketes bei einem Rückversand.

- Bei falscher Ware: Produkt im Paket so fotografieren, dass auch Name und Anschrift des Absenders im Bild sind.

- Wenn das Paket bereits bei Lieferung sichtbar beschädigt ist, die Annahme verweigern und direkt beim Paketzusteller sowie beim Händler reklamieren.

- Aus Nachweisgründen nur schriftlich, nie telefonisch mit dem Händler kommunizieren. Frist von zwei Wochen für Antworten und Erstattung setzen.

In dem EVZ bekannten Beschwerdefällen waren die Waren nicht bei kleinen, unbekannte Händlern, sondern bei EU-weit agierenden, bekannten Versendern bestellt worden. Zwei Beispiele: Geliefert wurde etwa nur ein Parfum statt des in Frankreich georderten Smartphones für 1052 Euro. Und anstelle eines in den Niederlanden bestellten, 1068 Euro teuren Laptops fand sich eine Kochplatte im Paket. Es gebe auch Beschwerden, dass Pakete gänzlich leer ankamen.

Händler trägt das Transportrisiko

Verkäufer tragen bis zur Zustellung beim Kunden das Transportrisiko, erklärt das EVZ. Geht die Ware ohne Verschulden des Verkäufers oder Käufers auf dem Versandweg verloren oder wird beschädigt, habe der Verbraucher Anspruch auf Neulieferung oder Erstattung des Kaufpreises - und zwar ohne erst etwaige Nachforschungen abwarten zu müssen.

Außerdem schuldet der Händler die richtige Ware und ist selbst bei leeren Paketen in der Pflicht, so die Verbraucherschützer. Falsch gelieferte Ware sei ein Sachmangel. Man könne dann weiterhin die Lieferung der eigentlich bestellten Ware verlangen, wobei der Händler die neuerlichen Versandkosten tragen muss.

Gestohlen oder herausgefallen

Bei einem leeren Paket gibt es drei Annahmen: Es wurde entweder schon so vom Händler verschickt, die Ware ist auf dem Transportweg gestohlen worden oder unterwegs aus dem Paket gefallen. Auch hier muss der Händler nachweisen, dass er das Paket mit dem richtigen Inhalt verschickt hat.

Gelingt ihm das nicht, muss er erneut liefern, der Kunde kann aber auch vom Kaufvertrag zurücktreten und den Kaufpreis zurückverlangen. Der Händler darf die Verantwortung nicht einfach auf das Transportunternehmen abwälzen, so die Verbraucherschützer.

Reklamation kann Geduldsprobe werden

All das könne aber zu einer Geduldsprobe werden, stellt das EVZ klar. Wer falsch gelieferte Ware reklamiert und zurückschickt oder sich über ein leeres Paket beschwert, erhalte oftmals weder eine Ersatzlieferung noch eine Erstattung, wenn der Händler weiter behauptet, die korrekte Ware verschickt zu haben oder gar die Rücksendung der ursprünglich verschickten Ware verlangt.

Verbraucherinnen und Verbrauchern, die falsche oder gar keine Ware erhalten haben und ihre Rechte bei einem Händler im Ausland nicht durchsetzen können, erhalten beim EVZ kostenlose Unterstützung. Auf der Seite «Evz.de» findet sich ein entsprechendes Beschwerdeformular.

© dpa-infocom, dpa:211210-99-336273/2

Beschwerdeformular auf der EVZ-Seite


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Schnell geklickt: Kinder können im Internet oft leicht etwas einkaufen. Foto: Silvia Marks Was tun, wenn das Kind online bestellt? Sonderangebote, neue Funktionen im Online-Spiel - alles nur ein paar Klicks entfernt. Kinder können schnell mehr ausgeben als ihre Eltern gut finden. Gibt es nach dem Kauf ein Zurück?
Bei Smartphones kein Problem: Wer dagegen die Originalverpackung eines 50-Zoll-TVs aufheben möchte, hat schnell ein Platzproblem. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Kartonstapel: Die Rolle der Originalverpackung bei Rückgaben Die Freude über das neue Notebook ist riesig. Allein der Berg an Kartons nervt. Also weg damit. Doch dann keimen Zweifel, man möchte das Gerät zurückgeben. Aber geht das noch ohne Originalverpackung?
Im Netz bestellen, am Laden abholen: So läuft das Einkaufen immer häufiger, gerade im Lockdown. Foto: Catherine Waibel/dpa-tmn Diese Rechte gelten bei Click & Collect Im Netz bestellen, im Laden abholen: Das ist für Käuferinnen und Käufer im Lockdown bei vielen Geschäften die einzige Alternative zum reinen Onlineshopping. Aber wie sieht es dabei rechtlich aus?
TAN-Generatoren als eigene kleine Geräte bieten die Banken bislang fast ausschließlich fürs Onlinebanking an. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Zwei-Faktor-Authentifizierung zum Bezahlen meist kostenlos Ab dem 14. September müssen sich Kunden online über zwei Faktoren identifizieren. Dafür bieten Banken unterschiedliche Verfahren an - welche das sind und wie teuer dies ist.