13 Minuten zu spät: Abmahnung unverhältnismäßig

17.03.2016
Wer 13 Minuten zu spät zur Arbeit erscheint, muss eine Abmahnung nicht hinnehmen. Zwar hat der Arbeitnehmer damit gegen eine Pflicht verstoßen, aber eine simple Ermahnung ist als Reaktion angemessen.
Zu spät am Arbeitsplatz? - Wenn der Arbeitnehmer mal einige Minuten zu spät ist, sollte der Chef nicht gleich eine Abmahnung schreiben. Foto: Jan Woitas
Zu spät am Arbeitsplatz? - Wenn der Arbeitnehmer mal einige Minuten zu spät ist, sollte der Chef nicht gleich eine Abmahnung schreiben. Foto: Jan Woitas

Leipzig (dpa/tmn) - Kommt ein Arbeitnehmer wenige Minuten zu spät, liegt zwar ein Pflichtverstoß vor. Mahnt der Arbeitgeber ihn deshalb schriftlich ab, ist das laut einer Entscheidung des Arbeitsgerichts Leipzig jedoch unverhältnismäßig.

Darauf weist der Deutsche Anwaltverein hin. In dem verhandelten Fall (Az.: 8 Ca 532/15) kam eine Mitarbeiterin im Juli 2014 einmal 13 Minuten zu spät. Der Arbeitgeber mahnte sie daraufhin schriftlich ab und trug die Abmahnung in die Personalakte ein. Die Frau verlangte die Entfernung.

Mit Erfolg: Eine Abmahnung setze grundsätzlich einen objektiven Pflichtverstoß voraus, befand das Gericht. Dieser sei hier zwar mit dem verspäteten Arbeitsbeginn gegeben. Allerdings müsse der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Die Abmahnung sei unverhältnismäßig: Wer nur einige Minuten zu spät kommt, dem könne nur ein geringfügiges Fehlverhalten vorgeworfen werden. Eine Ermahnung sei ausreichend, der Eintrag müsse entfernt werden.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Hürden für betriebsbedingte Kündigungen sind sehr hoch. Zuletzt klagte eine ehemalige Chefsekretärin gegen eine Kündigung und gewann vor dem Landesarbeitsgericht. Foto: Andrea Warnecke Außerordentliche betriebsbedingte Kündigungen selten möglich Eine betriebsbedingte Kündigung braucht einen sehr triftigen Grund. Deshalb sind die Hürden für eine solche Trennung sehr hoch. Dies zeigt auch ein Urteil eines Landesarbeitsgerichts.
Streikende können vom Arbeitgeber keinen finanziellen Ausgleich für die Arbeitskampftage erwarten. Foto: Caroline Seidel/dpa Streikende können keine Streikbruch-Prämie fordern Arbeitgeber müssen Streikenden keinen Ausgleich zahlen. Auch dann nicht, wenn sie Streikbrechern eine Prämie versprochen haben und sie sich später mit den Streikenden auf das sogenannte Maßregelungsverbot geeinigt haben.
Arbeitnehmer, die krank geschrieben sind, müssen nicht zu einberufenen Personalgesprächen erscheinen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Kranker Arbeitnehmer: Keine Pflicht zum Personalgespräch Zum Personalgespräch erscheinen müssen nur arbeitsfähige Mitarbeiter. Wer allerdings arbeitsunfähig erkrankt, ist auch nicht verpflichtet, beim Gespräch dabei zu sein, entschied ein Landesarbeitsgericht.
Ein polemisch formuliertes Zeugnis kann für den Arbeitgeber teuer werden - wenn er sich zuvor zu einem wohlwollenden Schreiben verpflichtet hat. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa Zwangsgeld für polemisches Zeugnis Von einem Arbeitszeugnis kann die weitere Karriere abhängen. Deswegen verpflichten sich manche Arbeitgeber dazu, es wohlwollend zu formulieren. Verstoßen sie dagegen, droht ihnen nicht nur eine Geldstrafe.