Wie weit ist das autonome Fahren?

08.01.2020
Die Vorstellung von autonom fahrenden Autos, Bussen und Taxis fasziniert viele Menschen. Bei Testfahrten ist der Fahrer schon Passagier. Bis wir uns im Auto entspannt zurücklehnen können, wird es aber noch dauern.
Autonom fahrende Fahrzeuge sind in Deutschland derzeit noch in der Testphase. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Autonom fahrende Fahrzeuge sind in Deutschland derzeit noch in der Testphase. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Braunschweig (dpa) - Die Autos der Zukunft sollen nicht nur sauberer
sein, sondern möglichst auch sicherer und effizienter. Dabei spielt
automatisiertes und vernetztes Fahren eine wesentliche Rolle. Das ist
zwar längst keine Utopie mehr. Dass uns autonome Autos, Busse und
Taxis chauffieren, ist aber noch weit entfernt.

Wie weit ist das autonome Fahren?

Es gibt Erfolge bei Forschung und Entwicklung. Selbstfahrende Autos
mit Technik von Bosch und Daimler sind bereits testweise in den USA
unterwegs. Die beiden Unternehmen erproben dort seit Ende des
vergangenen Jahres einen Mitfahrservice. Toyota hat gerade
angekündigt, eine experimentelle Stadt der Zukunft in Japan bauen zu
wollen, um Technologien wie das autonome Fahren verstärkt in realen
Umgebungen zu testen. Der ADAC erwartet aber, dass es erst nach 2040
in größerer Zahl Autos angeboten werden, die völlig autonom von Tür
zu Tür kommen, also auch auf Landstraßen keinen Fahrer mehr
benötigen.

Wo steht die Entwicklung?

Vieles dreht sich derzeit um die Vorstufen zum autonomen Fahren.
Dabei werden die Level oft in der Reihenfolge assistiertes,
teilautomatisiertes, hoch automatisiertes und voll automatisiertes
Fahren beschrieben. In den ersten beiden Stufen beherrscht der Fahrer
sein Auto ständig, erst beim dritten Level darf er sich vorübergehend
von Fahraufgabe und Verkehr abwenden. Erst auf der nächsten Stufe
kann der Fahrer die Fahrzeugführung komplett abgeben und wird zum
Passagier. Laut ADAC sind assistierte Fahrfunktionen derzeit der
Stand der Technik. Das automatisierte Fahren werde sich nur langsam
durchsetzen.

Was passiert auf Teststrecken?

In Deutschland gibt es bereits mehrere Testfelder für vernetzte und
automatisierte Fahrzeuge. Entsprechende Systeme werden etwa auf dem
Digitalen Testfeld Autobahn A9 in Bayern erforscht und entwickelt. In
Hamburg sieht ein Teststrecken-Projekt vor, Ampeln und eine Brücke so
auszustatten, dass sie Informationen an Fahrzeuge senden können. Im
Berliner Stadtverkehr wurde eine 3,6 Kilometer lange Strecke zwischen
Brandenburger Tor und Ernst-Reuter-Platz mit Technik ausgerüstet.
Dort sollen künftig auch Testwagen unterwegs sein, die von Computern
gefahren werden und in denen ein Mensch nur noch zur Kontrolle sitzt.
In Niedersachsen entsteht derzeit ein Testfeld, auf dem
automatisierte und vernetzte Fahrzeuge erprobt, sowie Fahrverhalten
und Verkehrsfluss erfasst und analysiert werden sollen.

Welche Probleme gibt es?

Vor allem rechtliche Aspekte sind zu klären. So fordert etwa der
ADAC, dass die Systeme mindestens so sicher sein müssen wie ein
Durchschnittsfahrer. Debatten unter Autoversicherern und Ethikern,
die Entscheidungen bei Unfällen analysieren, haben aber gerade erst
begonnen. Dazu kommt etwa der Unterschied zwischen Stadt und Land. So
wurde ein Modellprojekt, das gerade in Osnabrück getestet wird, in
Mecklenburg-Vorpommern vorerst gestoppt, weil die Technik auf dem
Land nicht funktioniert. In Osnabrück testen die Stadtwerke einen
kleinen autonom fahrenden Bus namens Hubi, der auf öffentlichen
Straßen mit Fahrgästen unterwegs ist. Das Fahrzeug verwendet eine
Sensorik, die an den Straßenrändern Gebäude «zum Abtasten» braucht.
Damit sei diese Technik nur innerorts in Städten und Dörfern
verwendbar, hieß es zur Begründung des Abbruchs in
Mecklenburg-Vorpommern.

Projektinformation Hubi

ADAC zum Autonomen Fahren


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Ladeinfrastruktur ist erst im Aufbau. Die «Reichweitenangst» könnte manchen davon abhalten, sich ein E-Auto zu kaufen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa E-Zapfsäulen: Soweit der Strom reicht Die Autokonzerne übertrumpfen sich mit Lob und Investitionen für E-Autos. Milliarden werden investiert, auch im VW-Land Niedersachsen. Die Kunden werden mit Prämien zum Umstieg gelockt. Die Attraktivität des E-Autos aber wird durch die Ladeinfrastruktur beeinflusst.
VW will bei dem Digitalisierungsdienstleister Diconium in Stuttgart einsteigen. Foto: Julian Stratenschulte Volkswagen steigt bei Digital-Spezialist Diconium ein In Sachen Digitalisierung gelten die deutschen Autobauer bisher nicht unbedingt als führend. Volkswagen will das ändern: Das Auto-Schwergewicht verbündet sich nicht nur mit Microsoft, sondern schaut sich auch in Deutschland um.
Mit dem Fahrdienst MOIA will VW ein zukunftstaugliches Mobilitätskonzept auf den Weg bringen. Foto: Hauke-Christian Dittrich VW-Tochter Moia soll neue Ära einläuten Ein Umbruch erfasst die ganze Autobranche - hin zu E-Mobilität und autonomem Fahren. Aber viele Hersteller müssen sich noch weitaus stärker neu orientieren. Der Wandel vom Autobauer zum Mobilitätsdienstleister stellt auch Geschäftsmodelle in Frage.
Noch mehr Geländewagen, und die künftig auch noch elektrisch: VW setzt immer stärker auf Stadtgeländewagen. Foto: Hauke-Christian Dittrich VW will stärker vom SUV-Boom profitieren Am Trend kann man nicht vorbeigehen, meint VW: die Menschen wollen demnach die schweren, SUV genannten Stadtgeländewagen. Die Volkswagen-Kernmarke will deren Zahl fast verdreifachen. Darauf reagiert nicht jeder euphorisch.