Was mit den Rollern im Herbst passiert

16.10.2019
War er das schon, der große E-Tretroller-Boom? Die langen Sommertage sind vorbei, es drohen Kälte, Nässe und Glätte - nicht gerade die besten Freunde der rollenden Gefährte.
Einige Anbieter von E-Scootern wollen ihre Flotte im Winter verkleinern. Foto: Henning Kaiser/dpa
Einige Anbieter von E-Scootern wollen ihre Flotte im Winter verkleinern. Foto: Henning Kaiser/dpa

Köln (dpa) - So langsam hat sich Deutschland an die neuen Elektro-Tretroller auf seinen Straßen gewöhnt - da ist deren Hochsaison auch schon vorbei. Wer dem Wetter trotzen und die E-Tretroller auch in der kalten, dunklen Jahreszeit zur Fortbewegung nutzen will, sollte einiges beachten.

Sind die E-Scooter nur ein reines Sommervergnügen?

An den lauen Tagen dieses Sommers sah man sie überall: Menschen auf E-Scootern, vor allem Jugendliche, nicht unbedingt unterwegs von A nach B, sondern einfach ein paar Runden drehend. Prinzipiell soll das auch in der kalten Jahreszeit möglich sein. «Das Geschäft geht regulär weiter», sagt etwa Bodo Braunmühl von der Vermieter-Firma Tier. «Die Menschen müssen sich ja trotzdem fortbewegen. Und 20 Minuten in der Kälte auf einen Bus zu warten ist auch nicht schön.» Erst wenn Eis und Schnee kommen, wollen die Anbieter ihren Betrieb einstellen.

Und wie funktioniert das dann?

Da man eine App auf dem eigenen Smartphone braucht, um einen E-Scooter auszuleihen, können die Anbieter diesen Service kurzfristig sperren. Sie können damit auch Zonen festlegen, in denen die Scooter nicht abgestellt werden dürfen - weil die Fahrt dort dann einfach nicht per App beendet werden kann. Köln plant etwa für den Karnevalsbeginn am 11. November, die Verbotszonen für Scooter auszuweiten. Auch in der Weihnachtsmarkt-Saison kann es Einschränkungen in einigen Städten geben.

Sind die Gefährte überhaupt winterfest?

Wenn man die Anbieter fragt, prinzipiell schon. Man arbeite allerdings an einer noch winterfesteren Variante, sagt Tier-Sprecher Braunmühl. Mehr könne man jedoch noch nicht verraten. Die Firma Voi antwortet, ihr neuestes Modell sei mit Allwetterreifen ausgestattet.

Laufen die Akkus überhaupt noch bei Kälte?

Heutige Lithium-Ionen-Akkus haben mit Temperaturen bis zu minus 15 Grad keine größeren Probleme, wie Lars Zemke vom Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge sagt. «Da während der Fahrt der Akku Wärme entwickelt, ist Fahren immer die ideale Situation im Winter.» Teilweise gehen die Anbieter trotzdem von kürzeren Laufzeiten der Akkus aus, wenn die Temperaturen länger um den Gefrierpunkt bleiben.

Werden genauso viele Scooter auf den Straßen sein wie im Sommer?

Alle Anbieter wollen ihren Betrieb das ganze Jahr über aufrecht erhalten, trotzdem dürften insgesamt etwas weniger Scooter auf den Straßen unterwegs sein. Lime und Voi wollen annähernd gleich viele Roller auf den deutschen Straßen bereitstellen, bei Circ und Tier wird die Flotte kleiner sein als im Sommer. Es brauche aber eine Mindestmenge an Scootern in den Städten, damit das mobile Konzept aufgehe, sagt der Tier-Sprecher. Wenn man als Nutzer kilometerweit bis zum nächsten Scooter laufen müsse, funktioniere das Geschäftsmodell nicht mehr.

Was kann man selbst tun?

Vorsichtig sein - und vor der Abfahrt prüfen, ob das Wetter scooter-tauglich ist. «Speziell in Bereichen mit Kopfsteinpflaster ist mit einem erhöhten Risiko bei Reif oder Glätte zu rechnen», sagt Zemke. Der Tüv-Verband warnt außerdem vor nassem Laub. Wenn es später hell und früher dunkel wird, ist es noch wichtiger, auf Sichtbarkeit zu achten. Die Polizei empfiehlt: «Helle Kleidung und am besten eine Warnweste.» Die Experten raten auch zum Helmtragen. Der Tüv-Verband schlägt vor, Vermieter sollten direkt beim Ausleihen Helme bereitstellen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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