Was man zur neuen HU-Frist wissen muss

31.03.2020
Wer denkt angesichts der Corona-Krise noch an den Tüv? Vielleicht hat die Stammwerkstatt ohnehin geschlossen. Eine neue Empfehlung gibt Autofahrern bei der HU etwas mehr Spielraum.
Alles noch in Schuss? Wegen Corona haben Autofahrer nun mehr Spielraum für die HU. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn
Alles noch in Schuss? Wegen Corona haben Autofahrer nun mehr Spielraum für die HU. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) – Vier statt zwei Monate: Autofahrer sollen in der Corona-Krise die Frist zur Hauptuntersuchung (HU) länger als bisher ohne Bußgeld überschreiten dürfen. Was das im Einzelnen bedeutet:

Was ändert sich genau?

Bisher blieb das Fahren mit abgelaufener Prüfplakette nur für zwei Monate ohne Folgen. Danach drohte von Polizei oder Ordnungsamt ein Bußgeld von 15 Euro. Ab vier Monaten stieg der Betrag auf 25 Euro, bei mehr als acht Monaten auf 60 Euro. Nun sollen die ersten vier Monate Verzug nicht geahndet werden. Das gilt für Privat- und Nutzfahrzeuge, heißt es vom Bundesverkehrsministerium.

Wer hat zu entscheiden?

Die Empfehlung ging vom Verkehrsministerium an die Bundesländer. Wie eine Sprecherin auf Nachfrage erklärte, handele es sich nicht um ein Gesetz, das die geltende Bußgeldkatalog-Verordnung außer Kraft setzt. Die Umsetzung der Empfehlung obliegt den Ländern.

Gibt es einen Stichtag?

Noch nicht. Formal gelte die Empfehlung, sobald diese im Verkehrsblatt veröffentlicht werde, so die Sprecherin. So bleibt etwa noch die Detailfrage offen, ob Autofahrerinnen und Autofahrer, die in den vergangenen Tagen die zweimonatige Frist überschritten haben, von der Kulanzempfehlung erfasst sind - oder nicht. Auch wie lange diese gelten wird, ist noch nicht absehbar.

Ist es noch möglich, eine HU zu machen?

Ja. Allerdings gestalte sich die Zahl der geöffneten Prüfstellen aufgrund der verschiedenen Verordnungen in den Bundesländern sehr unterschiedlich, so der Verband der Tüv. Die Prüf-Organisation GTÜ betonte indes auf Twitter, die HU sei auch in der aktuellen Situation weiterhin geregelt möglich.

«Man kriegt einen Termin, wenn man möchte», sagt Vincenzo Lucà vom Tüv Süd. Dieser sollte jedoch telefonisch oder online vereinbart werden. Kfz-Werkstätten dürfen noch öffnen. Einige haben aber selbst entschieden, vorerst zu schließen.

Was bedeutet eine überzogene HU für die Versicherung?

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stellt klar: Auch wer mit abgelaufener Plakette einen Unfall baut, ist grundsätzlich versichert. Die Kfz-Haftpflichtpolice komme für die Schäden des Unfallgegners auf – auch wenn die Ursache ein Defekt sei, der bei der HU wohl behoben worden wäre.

Die Kaskoversicherung, die für Schäden am eigenen Auto zahlt, könnte aber in seltenen Fällen wegen grober Fahrlässigkeit die Leistung kürzen. Etwa, wenn der Fahrer wissentlich mit defekten Bremsen unterwegs war. Es sei in keinem Fall ratsam, mit einem Auto loszufahren, das technische Mängel aufweist, so der GDV. Im Zweifel sei es sicherer, das Fahrzeug stehen zu lassen.

Empfehlungen des Verkehrsministeriums, pdf

Mitteilung vom Verband der Tüv

Tweet der GTÜ


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Sicherheitsrelevante Reparaturen sollten Autobesitzer nicht aufschieben. Alles andere kann auch mal warten. Foto: Robert Günther/dpa-tmn Manche Autoreparaturen haben Zeit Die HU steht an - und die Werkstatt sagt den Termin ab. So erging es manchen A.T.U-Kunden. Doch in der Coronakrise stellt sich Autofahrern ohnehin die Frage: Was muss sein - und was kann warten?
Erlaubt ist das Autofahren derzeit noch fast überall - allerdings ist auf den Straßen merklich weniger los. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn Auto fahren in Corona-Zeiten Die Corona-Krise wirkt sich auch auf den Autofahrer-Alltag aus. Die Fahrt zur Hauptuntersuchung, der Werkstatttermin oder die Probefahrt mit einem möglichen Neuwagen: Was müssen Sie dazu nun wissen?
Zwei Hände voll Vielfalt: Hier ist nur eine kleine Auswahl an Autokennzeichen zu sehen: ein H-Kennzeichen für historische Fahrzeuge (von oben),ein Ausfuhrkennzeichen, ein Eurokennzeichen und ein Kurzzeitkennzeichen. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn Die Vielfalt der Autokennzeichen im Überblick Normal ist das EU-Kennzeichen - mit ihm fahren die allermeisten Autos. Doch ist ein E-Motor unter der Haube, das Fahrzeug ein Kran, besonders alt, oder soll das Fahrzeug dauerhaft ins Ausland? Auch hierfür gibt es spezielle Kennzeichen. Eine Typologie.
Autofahrer mit einer braunen Plakette müssen noch vor dem Jahreswechsel zur Hauptuntersuchung. Sonst drohen Mehrkosten. Foto: Andrea Warnecke Autos mit brauner Plakette noch 2016 zur Hauptuntersuchung Falls sich Autofahrer nicht sicher sind, wann die letzte Hauptuntersuchung ihres Automobils anstand, sollten sie dringend auf die Plakette im Kennzeichen schauen. Denn wer nicht rechtzeitig aktiv wird, muss mit Mehrkosten rechnen.