Was ist eigentlich eine Differenzialsperre?

03.11.2020
Beim Begriff Differenzialgetriebe dürften manche Autofahrer gar nicht wissen, um was es geht. Doch jedes Auto hat eines - und manche können dieses sogar sperren. Von was ist da die Rede?
Die Differenzialsperre ermöglicht ein komfortables, reifenschonendes Kurvenfahren. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Die Differenzialsperre ermöglicht ein komfortables, reifenschonendes Kurvenfahren. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Stuttgart (dpa/tmn) - Sie wollen wissen, was eine Differenzialsperre ist? Okay, gern. Dann müssen wir aber einen Schritt zurück und zunächst das Differenzialgetriebe erklären. Kennen Sie nicht? Doch, denn das gibt es in jedem Auto. Das hat mit der Gangschaltung nichts zu tun, sondern ermöglicht komfortables, reifenschonendes Kurvenfahren.

Grundsätzlich dient ein solches Getriebe der Leistungsverzweigung: Es teilt die Kraft von einer Eingangswelle wie zum Beispiel der Kardanwelle auf zwei Ausgangswellen auf und gleicht dort bestehende Drehzahlunterschiede aus. «Ohne Differenzialgetriebe würde am kurveninneren Rad ein erhöhter Reifenschlupf auftreten und das Rad durchdrehen», erklärt Dekra-Experte Denny Weiser.

Manchmal kommt das Differenzialgetriebe an seine Grenzen

In einigen speziellen Situationen können die Eigenschaften des Differenzialgetriebes allerdings störend sein. So zum Beispiel im Winter, wenn ein Rad auf einer zugefrorenen Pfütze und das andere Rad auf rauem Asphalt steht: Das Rad auf dem Eis hat aufgrund der Eisglätte kaum Haftung und dreht beim Gasgeben sofort durch, während das andere Rad stillsteht. Ein Anfahren ist somit unmöglich, die Kraft ist dem Weg des geringsten Widerstandes gefolgt.

Gleiches gilt beim Anfahren in unwegsamem Gelände oder mit einem PS-starken Sportwagen. «In solchen Fällen schafft ein Sperrdifferenzial Abhilfe», sagt Weiser. Dieses kann kurzfristig - oder wenn gewünscht auch dauerhaft - die Verteilung teilweise oder ganz sperren. Für das Beispiel der vereisten Pfütze würde dies bedeuten, dass stets auch ein gewisser Prozentsatz der Kraft auf das Rad übertragen wird, das auf dem Asphalt steht. Ein Anfahren wäre somit wieder möglich.

Sperrdifferenzial ist nicht Sperrdifferenzial

Beim Sperrdifferenzial selbst gibt es laut dem Dekra-Experten rein mechanische, pneumatisch-mechanische, hydraulisch-mechanische und elektro-mechanische Varianten. Die Sperrung kann entweder variable und last- oder drehzahlabhängige sowie auch feste Werte annehmen.

Die einfachste Art ist eine vom Fahrer manuell ausgelöste Festwertsperre. Dabei verteilen sogenannte Reibkupplungen das Drehmoment zu einem festen Prozentsatz zwischen den beiden Ausgangswellen. Lastabhängige Differenzialsperren erledigen ihre Arbeit dagegen erst bei einer Drehmomentdifferenz zwischen den Ausgangswellen, drehzahlabhängige Sperren ebenso wie die elektronische Variante erst ab einer gewissen Drehzahldifferenz.

© dpa-infocom, dpa:201102-99-180956/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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