Was ein Pilotversuch mit autonomen Mini-Bussen ergab

13.09.2021
«Ella», «Vera» und «Anna» sind motorisierte Versuchskaninchen: Die Minibusse fuhren mehrere Wochen frei und selbstständig durch einen Karlsruher Stadtteil. Die an dem Pilotprojekt beteiligten Forscher haben erste Erkenntnisse gewonnen.
Im Rahmen des Forschungsprojekts «EVA-Shuttle» waren mehrere autonome Mini-Busse mehr als zwei Monate in Karlsruhe unterwegs. Foto: Uli Deck/dpa
Im Rahmen des Forschungsprojekts «EVA-Shuttle» waren mehrere autonome Mini-Busse mehr als zwei Monate in Karlsruhe unterwegs. Foto: Uli Deck/dpa

Karlsruhe (dpa) - Der bundesweit erste Test mit selbstfahrenden Mini-Bussen - ohne vorgegebene Strecken und auf Anfrage der Kunden - hat Forschern erste Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt.

«Dazu gehört beispielsweise die Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit solcher Fahrzeuge sowie eine bessere Antizipation beziehungsweise Vorhersage des Verkehrs, um vor allem Kreuzungen schneller passieren zu können», sagte Prof. J. Marius Zöllner vom FZI Forschungszentrum Informatik.

Zu häufige Stopps

Für ein besseres Fahrgefühl müsse der Sicherheitsabstand, den so ein Shuttle um sich herum benötigt, kleiner werden. «Den hatten wir im Projekt noch sehr konservativ anlegt und dann in der Praxis gemerkt, dass dies zu einem unruhigeren Fahrverhalten für die Fahrgäste führt, weil zur Sicherheit häufiger Stopps ausgeführt werden.»

Vom 22. April bis Ende Juni sowie an den Juli-Wochenenden waren die drei Mini-Busse «Ella», «Vera» und «Anna» mit höchstens Tempo 20 in Karlsruhe unterwegs. Das Besondere an dem vom Bundesverkehrsministerium geförderten Nahverkehrs-Modellprojekt: Im Gegensatz zu anderen Shuttle-Projekten in Deutschland rollten sie nicht auf einer vorgegebenen Strecke, sondern navigierten frei und auf Abruf - von der Haustür zur Stadtbahnhaltestelle, zum nächsten Geschäft oder einfach für eine Rundtour durchs Quartier.

Mehrheit der Fahrgäste fühlte sich sicher

Gut 1200 Fahrgäste hätten das Angebot bei 750 Fahrten genutzt, teilte eine Sprecherin der Verkehrsbetriebe Karlsruhe mit. Bis zu 35 Personen am Tag. Von Großeltern, die mit Enkeln einen Ausflug gemacht haben, bis zu Professoren sei alles dabei gewesen. Eine Mutter habe regelmäßig per Shuttle ihr Kind von der Kita abgeholt.

Eine Befragung ergab den Angaben nach, dass 93 Prozent sich während der Fahrt sicher gefühlt hätten und solche Shuttles wieder nutzen wollten. Gerade das Fahren nach Bedarf - ohne festen Fahrplan - sei sehr positiv bewertet worden. Fast drei Viertel der Teilnehmer glaubten, dass solche Fahrzeuge die Verkehrssituation verbessern können.

© dpa-infocom, dpa:210913-99-199804/2

Homepage zum EVA-Shuttle

Autonome Shuttle-Projekte in Deutschland


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
An der Vernetzung der Fahrzeuge untereinander sowie an der Kommunikation mit der Umgebung muss noch gearbeitet werden, um autonomes Fahren auf den Weg zu bringen. Foto: Arne Dedert/dpa Dieselkrise und Kartellverdacht - was kommt danach? Können die Autobauer nach einem turbulenten 2017 im kommenden Jahr nach vorn schauen? Sicher ist: Der Diesel treibt die Branche mit drohenden Fahrverboten und Milliardenkosten weiter um - inklusive Kartellvorwürfen. Aber das Fahrzeug von morgen nimmt Gestalt an.
Ein autonom fahrender Minibus ist in einem Karlsruher Stadtteil im Einsatz. Die Fahrt erfolgt im Rahmen des Forschungsprojekts «EVA-Shuttle». Foto: Uli Deck/dpa Karlsruher testen autonomen Bus Zuckeln, ausweichen, anhalten: Ein Karlsruher Stadtteil testet den fahrerlosen E-Bus auf Abruf. Die einen sind entzückt, die anderen genervt. Denn bei Gefahr stoppt der Minibus. Ist er zu defensiv? Das Modellprojekt wird bundesweit beachtet.
Autonomes Fahren könnte den Betrieb von Werkstätten effizienter machen. Um das auszuprobieren, arbeitet Porsche derzeit an einem entsprechenden Projekt. Foto: Porsche/Porsche AG/dpa Wie Autos ohne Fahrer in die Werkstatt kommen Von der Robotaxi-Vision haben sich viele Autobauer zumindest vorerst wieder verabschiedet. Porsche tüftelt nun an einer anderen Form des autonomen Fahrens. Der Kunde hat davon eher nicht so viel, das soll er aber auch gar nicht.
Ein Steuergerät in einem SUV. Foto: Sebastian Gollnow/dpa Wenn das Auto für Raser zum Verräter wird Eine Stadt wie Stuttgart oder Berlin. Die Ampel ist das Startzeichen für die Männer in ihren Luxuskarossen. Schaltet sie auf Grün, geben sie Gas. Tausende illegale Rennen gibt es jedes Jahr in Deutschland. Was lässt sich machen, damit die Straße nicht zur Rennstrecke wird?