Was bei Quads zu beachten ist

27.04.2021
Quads können ziemlich cool sein. Doch die kleinen vierrädrigen Fahrzeuge haben so ihre Tücken. Nicht nur Fahranfänger, sondern auch Umsteiger von Auto oder Motorrad sollten diese genau kennen.
Wer mit einem Quad auf der Straße fahren will, sollte die heiklen Eigenheiten kennen und sich entsprechend darauf einstellen. Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa/dpa-tmn
Wer mit einem Quad auf der Straße fahren will, sollte die heiklen Eigenheiten kennen und sich entsprechend darauf einstellen. Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa/dpa-tmn

Essen/München (dpa/tmn) - Quads sehen cool aus, lassen sich unheimlich dynamisch bewegen - und können zuweilen ziemlich gefährlich sein. Ursprünglich wurden die vierrädrigen Fahrzeuge fürs Gelände und als Arbeitsgerät konzipiert.

Wer damit auf der Straße fahren will, sollte die heiklen Eigenheiten kennen und sich entsprechend darauf einstellen.

Wissen Sie, was ein Quad ist?

Die Bezeichnung Quad ist laut ADAC vom englischen Wort Quadruplet («Vierling») abgeleitet. Einige werden aber auch als ATV («All Terrain Vehicle») bezeichnet. Das sind oft eher Arbeitsgeräte mit Allradantrieb - etwa für den Forstbetrieb. Die zweispurigen Gefährte sehen ein wenig aus wie zwei nebeneinander montierte Geländemotorräder. Allerdings sitzt der Fahrer aufrecht in der Mitte und die relativ kleinen Räder haben oft ballonartige Stollenreifen.

Modelle mit schwächeren Motoren lassen sich bereits mit der Führerscheinklasse AM ab 16 Jahren fahren. Quads gelten aber nicht als Motorrad - obwohl viele ihrer Bedienelemente wie etwa Lenker, Fußschaltung und Handbremshebel das vermuten lassen könnten. Für stärkere Quads und ATVs ist die Klasse B (alte Klasse 3) und ein Mindestalter von 18 Jahren nötig.

Weder wie ein Auto noch wie ein Motorrad

Quads fahren sich also nicht wie Autos oder Motorräder. «Genau das ist die Schwierigkeit für jemanden, der zum ersten Mal ein Quad bewegt», sagt André Lang vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz). «Durch die hohe Bodenfreiheit haben Quads auch einen hohen Schwerpunkt.» Zusammen mit der oft eher schmalen Spur neigen sie in Kurven eher zum Kippen als andere Fahrzeuge.

Als Fahrer muss man da mitarbeiten. Das sind Umsteiger vom Auto nicht gewöhnt. «Durch Gewichtsverlagerung bewegt man seinen Oberkörper in Kurven zur Innenseite», sagt Lang. Dabei sollten aber alle vier Räder am Boden bleiben. Und es muss recht eindeutig eingelenkt werden. «Ein Lenkimpuls so wie beim Motorrad reicht nicht aus, und ich kann auch nicht in Schräglage in die Kurve gehen», sagt Lang. Daher ist der Umstieg von Motorrad und Auto gar nicht so einfach.

Dazu kommt: Günstige Quads haben meist kein Differential an der Hinterachse, das die Räder in Kurven unterschiedlich schnell drehen lässt. Vereinfacht ausgedrückt ergibt das eine sehr verkantete Fahrweise mit starker Neigung zur Geradeausfahrt beim Gas geben. Zudem tragen die grobstolligen, ballonartigen Reifen zu einem indirekten Lenkverhalten bei. So werden die Lenkbewegungen etwas zeitverzögert umgesetzt, kommen dann aber vehement, so der ADAC.

Besser nicht spontan im Urlaub drauflosfahren

Speziell Kurvenfahrten brauchen also viel Übung, um sie sicher meistern zu können. Das gilt ganz besonders für rutschige Fahrbahnen wie etwa bei Nässe. «Wir raten daher zu regelmäßigen Fahrsicherheitstrainings für Quads, so wie sie auch Autoclubs anbieten», sagt Lang. Der ADAC rät, sich mindestens einen Tag auf abgesperrtem Terrain Zeit zu nehmen, um sich mit der speziellen Fahrweise und der Technik vertraut zu machen, bevor man am Straßenverkehr teilnimmt.

Von einer ersten Fahrt direkt im Straßenverkehr - zum Beispiel spontan im Urlaub - rät André Lang eher ab. «Da fehlt in der Regel die erforderliche Schutzbekleidung, sofern man sie nicht mitnimmt oder sie vor Ort für seine Bedürfnisse passend leihen kann.» Und: Auch versierte Quadfahrer kennen nicht unbedingt das vor Ort leihbare Modell.

Einige Quads genügen auch hohen Sicherheitsansprüchen

Viele Markenhersteller haben laut ifz mittlerweile auf die fahrphysikalischen Besonderheiten reagiert. Sie bieten Quads etwa mit Assistenten wie ABS, breiterer Spur, Differential und niedrigerem Schwerpunkt an. «Solche Modelle sind sicherheitstechnisch sehr gut an die Erfordernisse des Straßenverkehrs angepasst», sagt Lang.

Wer im Internet sucht, kann solche Modelle meist im mittleren und oberen vierstelligen Bereich finden. Die Einstiegspreise für sehr einfache Modelle beginnen dagegen schon im niedrigen vierstelligen Bereich, Gebrauchtpreise entsprechend weit darunter.

Quads mit mehr als 50 Kubikzentimetern und einem Höchsttempo von mehr als 45 km/h müssen zugelassen werden und ein amtliches Kennzeichen bekommen. Für leistungsschwächere Modelle reicht ein Versicherungskennzeichen für Mopeds aus. Das kann Quads zusammen mit relativ geringen Unterhaltskosten besonders für junge Menschen auf dem Land interessant machen, um etwa zur Ausbildungsstelle zu pendeln.

Allerdings sollte man stets auch die Kosten für Fahrsicherheitstrainings, Versicherung und vor allem für eine gute Schutzausrüstung im Blick halten. Ein Helm ist Pflicht, aber André Lang rät zur umfassenden Sicherheitsbekleidung mit Protektoren, Motorradstiefeln und Handschuhen. Was dabei zu beachten ist, erklärt das ifz in einer Broschüre auf seiner Seite.

© dpa-infocom, dpa:210426-99-358701/5

Link zur Bekleidungs-Broschüre des ifz


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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