Warum Autobauer die Rabatte für Neuwagen senken

08.09.2020
Lange Zeit waren kräftige Preisnachlässe bei Neuwagen üblich. Doch von der Rabattkultur im deutschen Autohandel ist derzeit kaum etwas zu spüren. Experten vermuten dahinter einen Strategiewechsel.
Im August fallen Rabatte und Ermäßigungen auf den Kauf eines Neuwagens außergewöhnlich klein aus. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer vermutet, dass Hersteller ihre Produktion zurückfahren wollen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/ZB
Im August fallen Rabatte und Ermäßigungen auf den Kauf eines Neuwagens außergewöhnlich klein aus. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer vermutet, dass Hersteller ihre Produktion zurückfahren wollen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/ZB

Stuttgart (dpa) - Sinkende Rabatte für Neuwagen deuten laut einer Studie des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer auf einen Strategiewechsel der Autobauer hin.

Zwar fielen die Nachlässe und Verkaufsaktionen im Urlaubsmonat August eigentlich immer etwas schmaler aus als sonst. In diesem Jahr sei der Effekt aber so groß wie in den vergangenen zehn Jahren nicht, schreibt Dudenhöffer. «Es sieht danach aus, als wollte man profitabler mit weniger Verkäufen und kleineren Fabriken werden», lautet das Fazit. Die Strategie, mit zusätzlichen Verkäufen die Fabriken wieder zu füllen, scheine nicht mehr im Fokus zu stehen.

So seien den Käufern der 30 beliebtesten Neuwagen im Juli im Schnitt noch 22,5 Prozent Nachlass auf den Listenpreis geboten wurden, im August dann nur noch 19,9 Prozent, wie eine Auswertung der sogenannten Internet-Rabatte ergab. Der durchschnittliche Nachlass auf ein neues Elektroauto sei sogar um gleich fünf Punkte auf 35,7 Prozent zurückgegangen - vor allem, weil VW seinen neuen ID.3 praktisch ohne Herstellerrabatt verkaufe. Außerdem sei die Zahl der Eigenzulassungen, die meist nach kurzer Zeit zu niedrigeren Preisen verkauft werden, außergewöhnlich niedrig.

Bei der Reduzierung der Kapazitäten profitierten die Hersteller derzeit auch von der Kurzarbeit, schreibt Dudenhöffer weiter. Dadurch seien sie weniger gezwungen, ihre Fabriken um jeden Preis auszulasten. Der Branchenexperte warnte allerdings auch vor möglichen negativen Folgen des «werthaltigeren Verkaufs». Es bestehe die Gefahr einer Abwärtsspirale, wenn die Verkaufszahlen zu stark zurückgingen und die Marke dadurch weniger sichtbar sei.

© dpa-infocom, dpa:200908-99-471737/4


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Alternative Antriebe und die Digitalisierung sind zwei Schwerpunkte der IAA 2017. Foto: Uwe Zucchi/dpa Zwischen Dieselangst und «New Mobility»: IAA des Umbruchs Noch nie war die Zukunft des Autos so ungewiss wie zu dieser IAA. Die Hersteller ringen um umweltgerechte Alternativen zu Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig könnten digitale Technologien das Autofahren grundsätzlich verändern.
Ab 2021 erhöht sich die Kfz-Steuer für Fahrzeuge, die viel Benzin oder Diesel verbrauchen. Foto: Kay Nietfeld/dpa Kfz-Steuer für Spritschlucker steigt Dem Klimaschutz zuliebe sollen ab 2021 für neue Autos mit hohem Spritverbrauch höhere Kfz-Steuern fällig werden. Viele dürften davon wenig merken. Die Branche findet die Vorlage der Bundesregierung so in Ordnung - Umweltschützer dagegen wollen mehr.
Das autonome Fahren ist eine der größten technologischen Herausforderungen für die Automobilbranche. Foto: Arne Dedert/dpa Autonomes Fahren: Mehr Fragen als Antworten Das Auto der Zukunft surrt emissionsfrei, leise und mit E-Antrieb über die Straßen. Während der Fahrer Zeitung liest, Videos guckt oder an Telefonkonferenzen teilnimmt. So könnte es einmal sein. Doch es müssen noch viele Fragen geklärt werden - nicht nur technologische.
Volvo will sich schrittweise vom Verbrennungsmotor verabschieden: Ab 2019 soll jedes neue Volvo-Modell einen Elektromotor haben. Foto: Uli Deck/dpa Volvo läutet Abschied vom Verbrenner ein In einem sind sich Autobauer und Experten einig: die automobile Zukunft ist elektrisch. Nur: Wie schnell ist das zu schaffen? Volvo hat da ganz eigene Vorstellungen.