VW Tiguan: Der Golf fürs Grobe

13.04.2016
Seit seiner Premiere im Jahr 2007 führt der VW Tiguan die Statistik im SUV-Segment an. Jetzt kommt die zweite Generation. Das bedrückt nicht nur die Konkurrenz, sondern auch den braven Bruder Golf. Der wird so langsam ins Abseits gedrängt.
Die zweite Generation des VW Tiguan kommt auf den Markt. Foto: Volkswagen
Die zweite Generation des VW Tiguan kommt auf den Markt. Foto: Volkswagen

Berlin (dpa-infocom) - Seit sich alle Welt nach einem SUV sehnt, ist der Tiguan zum einem der wichtigsten Autos für VW geworden. Kein Wunder, dass der Autokonzern entsprechend ambitioniert ist, wenn jetzt zu Preisen ab zunächst 30 025 Euro die zweite Generation des Geländewagens an den Start geht.

Mehr Platz durch den neuen Baukasten

Dabei setzt VW einmal mehr auf die Vorzüge des modularen Querbaukastens (MQB) und zieht den Tiguan ein wenig in die Länge. Er wächst um sechs Zentimeter auf 4,49 Meter und bietet bei knapp acht Zentimetern mehr Radstand innen spürbar mehr Platz. Davon profitieren vor allem Kind und Kegel. Denn die Beinfreiheit im Fond legt deutlich zu und das Kofferraumvolumen wächst je nach Konfiguration um mindestens 50 Liter.

Und weil solche Qualitäten längst wichtiger sind als die Offroad-Eigenschaften, schaut sich der Tiguan noch ein paar praktische Details bei den Vans und Kombis ab: Die Ladekante ist deshalb deutlich tiefer, die Rückbank ist geteilt und um 18 Zentimeter verschiebbar. Es gibt über ein Dutzend praktische Ablagen und für den Nachwuchs, sogar Klapptische. Von den vielen USB-Anschlüssen und der Multimedia-Ausstattung ganz zu schweigen.

Bullige Front und breiter Stand

Die Proportionen sind beim neuen Tiguan knackiger, das Profil ist schärfer und der Wagen steht bulliger und breiter auf der Straße. Die neuen Offroad-Fahrprofile sind auf dem Drehschalter in der Mittelkonsole, die Bodenfreiheit liegt bei 20 Zentimeter und die Böschungswinkeln bei 25 Grad. Damit sieht das SUV ein bisschen mehr nach Geländewagen aus.

Mehr Motoren mit größerer Bandbreite

Neues beim Antrieb: Die je vier Diesel und Benziner decken künftig eine Skala von 85 kW/115 PS bis 176 kW/240 PS ab. Wichtigster Motor in der Palette dürfte wohl auch weiterhin der Diesel mit 110 kW/150 PS bleiben, der schon bislang die Verkäufe angeführt hat.

Als Handschalter mit Frontantrieb markiert er bis zur vollen Verfügbarkeit aller acht Motoren auch preislich den Einstieg und nimmt dem Tiguan mit einem Normverbrauch von 4,7 Litern (CO2-Ausstoß 123 g/km) das Stigma des SUV-Schluckspechts: Weil der Tiguan allem Wachstum zum Trotz bis zu 50 Kilo leichter wird und die Motoren im besten Fall 24 Prozent weniger verbrauchen, schmilzt der Unterschied zum Golf dahin.

Vernunft oder Vergnügen?

So vernünftig das Volumenmodell sein mag, so freudlos ist es allerdings auch. Denn mit seinen 340 Nm macht der flüsterleise Diesel keine großen Sprünge, braucht 9,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und kommt schon bei 200 Sachen außer Puste. Für Vielfahrer mit hohem Autobahnanteil empfiehlt sich deshalb eher die stärkere Variante mit 140 kW/190 PS und serienmäßiger Doppelkupplung.

Entspannt statt engagiert

Egal welchen Motor man wählt, der Tiguan fördert eine entspannte Fahrweise. Zwar kann man die Lenkung mit den Fahrprofilen schärfen. Aber hoch oben über der Straße mit Weitblick sitzend und komfortabel gefedert, lässt man es doch eher ruhiger angehen.

Hightech im Cockpit

Analog zu den Antrieben profitiert auch die Ausstattung vom Wechsel in den Modularen Querbaukasten: Im Cockpit prangt nun ein riesiges Display mit eindrucksvollen Animationen. Darüber kann man auf Wunsch ein Head-Up-Display ausklappen und rechts davon gibt es einen großen Touchscreen mit dem aktuell wahrscheinlich besten Infotainment-System in diesem Segment - Online-Navigation, Rundum-Kamera. Smartphone-Integration und eigener Appstore inklusive.

Fazit: Der bessere Golf

Das Design schnittiger und spannender, die Kabine geräumiger und variabler, das Cockpit moderner und die Ausstattung umfangreicher. Dazu Motoren ohne großen Mehrverbrauch und ein angenehm entspanntes Fahrverhalten mit guter Übersicht und auf Wunsch deutlich erweitertem Aktionsradius - so wird der Tiguan mit dem Generationswechsel zum besseren Golf. Allerdings hat die Sache einen Haken: Das SUV ist nicht nur besser als der Kompakte, sondern bei vergleichbarem Antrieb auch rund 3000 Euro teurer.

Datenblatt: VW Tiguan 2.0 TDI

Motor und Antrieb

Maße und Gewichte

Fahrdaten

Kosten

Wichtige Serienausstattung

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke


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