Unfall bei Wendemanöver: Schuldfrage nicht immer eindeutig

15.04.2016
Wer auf der Fahrbahn wendet, trägt bei einem Unfall meist die Hauptschuld. Doch auch der Unfallgegner kann mithaften. Entsprechend entschied zuletzt das Oberlandesgericht Celle.
Urteil am Oberlandesgericht Celle: Auch der Unfallgegner kann bei einem misslungenen Wendemanöver mithaften. Foto: Holger Hollemann
Urteil am Oberlandesgericht Celle: Auch der Unfallgegner kann bei einem misslungenen Wendemanöver mithaften. Foto: Holger Hollemann

Celle (dpa/tmn) - Autofahrer haben häufig die alleinige Schuld, wenn sie beim Wenden einen Unfall verursachen - das ist aber nicht immer so.

Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle trägt der Unfallgegner eine Mitschuld, wenn er zu schnell unterwegs war. Über das Urteil informiert die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (Az.: 14 U 139/14).

In dem verhandelten Fall wendete ein Fahrer sein Auto auf einer Bundesstraße. Dabei kam es zum Zusammenstoß mit einem nachfolgenden Lkw. Weil strittig ist, ob der Pkw-Fahrer vor dem Wenden den Blinker gesetzt hatte und bei dem Manöver mit der notwendigen Vorsicht vorgegangen war, traf ihn die Hauptschuld.

Der Lkw-Fahrer haftet jedoch zu einem Drittel mit: In der Urteilsbegründung heißt es, jeder dürfe nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug innerhalb der überschaubaren Wegstrecke anhalten könne. Vor der Kollision sei dies nicht der Fall gewesen, so das Gericht.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Nach derzeitiger Rechtslage dürfen Cannabis-Patienten Auto fahren, wenn sie sich das selbst zutrauen und keine Ausfallerscheinungen haben. Foto: Uwe Zucchi/dpa/Symbolbild Bekifft auf Rezept: Darf man dann ans Steuer? Seit dem vergangenen Jahr können Ärzte Patienten bei schwerwiegenden Erkrankungen Cannabis verordnen. Dürfen diese Menschen Auto fahren? Darüber diskutiert der Verkehrsgerichtstag.
Erinnerungsfoto mit Folgen: Sind Autofahrer zu schnell unterwegs und werden geblitzt, drohen ihnen Punkte in Flensburg. Foto: Bodo Marks/dpa-tmn Punkte in Flensburg: Was Autofahrer wissen müssen Wer zu viele Punkte sammelt, verliert den Führerschein. Doch unter bestimmten Voraussetzungen können Autofahrer etwas dagegen tun.
Seit 60 Jahren gibt es das Tempo 50 in Ortschaften. Foto: Sebastian Gollnow/dpa 60 Jahre Tempo 50 Emotionale Diskussionen über Tempolimits haben in Deutschland Tradition. Vor sechs Jahrzehnten war es ein Kraftakt, Tempo 50 in Ortschaften durchzusetzen. Heute geht es um Tempo 30.
Freie Fahrt: Sind keine speziellen Radampeln vorhanden, gelten für Radler ab 2017 nicht die Fußgänger-, sondern die Fahrverkehrsampeln. Foto: Bodo Marks Was sich 2017 im Straßenverkehr ändert 2017 bringt auch für den Straßenverkehr einige Neuerungen mit sich. Vor allem radelnde Eltern dürften sich freuen: Sie dürfen ihren Nachwuchs künftig auch auf dem Fußweg begleiten.