Umwelthilfe nimmt Benziner und Hybride ins Visier

02.09.2020
Viele Modelle kombinieren einen Verbrenner mit Elektromotor, darunter auch große SUV. Die Umwelthilfe hat einige getestet. Ergebnis: nicht gerade klimafreundlich. Das sehen die Hersteller anders.
Laut Messungen der Deutschen Umwelthilfe stoßen mehrere Plug-in-Hybride deutlich mehr CO2 aus als angegeben. Vertreter der Autobranche halten die Messwerte nicht für repräsentativ. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Laut Messungen der Deutschen Umwelthilfe stoßen mehrere Plug-in-Hybride deutlich mehr CO2 aus als angegeben. Vertreter der Autobranche halten die Messwerte nicht für repräsentativ. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (dpa) - Fünf Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals will die Deutsche Umwelthilfe verstärkt gegen überhöhte Abgaswerte bei Benzinern und Hybrid-Autos vorgehen. Das kündigte Geschäftsführer Jürgen Resch an.

Er kritisierte Kauf- und Steueranreize für Autos mit kombinierten Elektro- und Verbrennungsmotoren. «Wir fordern einen Stopp dieser absurden Förderung klimaschädlicher Plug-in-Hybride», sagte Resch eine Woche vor weiteren Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Vertretern der Autoindustrie.

Der Verein präsentierte Ergebnisse eigener Messungen im Straßenverkehr. Demnach stoßen mehrere Hybrid-Stadtgeländewagen (SUV) deutlich mehr klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus als angegeben. In einem Fall sei es das Siebenfache der amtlichen Werte. Besonders hoch seien die Überschreitungen, wenn die Fahrer in den Sport-Fahrmodus umschalteten.

Die Branche reagierte verärgert auf die Untersuchung und sprach von einem Versuch, eine moderne Antriebsart zu diffamieren. Die Messwerte seien nicht repräsentativ.

«Plug-in-Hybride sind nachweislich mit Null-Emissionen auf Strecken bis zu 70 Kilometern unterwegs, sofern die E-Akkus geladen sind», teilte der Verband der Automobilindustrie mit. «Wenn allerdings ein Plug-in-Hybrid mit leerer Batterie und im extremen Sport-Modus gefahren wird, ergeben sich - wie bei herkömmlichen Verbrennern - höhere Verbrauchswerte.»

Es sei pervers, diese Autos als umweltfreundlich zu bewerben, sagte der Verkehrsberater Axel Friedrich, der für die Umwelthilfe testet. Er erklärte, er sehe Indizien für Abschalteinrichtungen. Diese könnten erkennen, ob ein Auto auf dem Prüfstand fährt und auf einen besonders sparsamen Betrieb umschalten. Belegen könne er aber nicht, dass es solche Einrichtungen in der Software gebe, sagte Friedrich.

Der Bund bezuschusst den Kauf von Elektroautos, darunter auch Plug-in-Hybride. Bei Dienstwagen kommt steuerliche Förderung hinzu. Die Umwelthilfe geht davon aus, dass viele Dienst-Hybride jedoch meist mit Verbrenner fahren. Die Firmen finanzierten mit der Tankkarte den Sprit, nicht aber den Strom, den der Arbeitnehmer zu Hause abzapfen müsste.

«Wir beobachten vor allem bei Privatkunden, dass sehr viel elektrisch gefahren wird», teilte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller mit. Bei Dienstwagen komme es unter anderem auf Anreize für elektrisches Fahren an, etwa durch Ladekarten. Insesamt leiteten Plug-in-Hybride einen erheblichen Beitrag zur CO2-Reduzierung, betonte der Importeure-Verband.

© dpa-infocom, dpa:200902-99-403030/2

Pressemitteilung Umwelthilfe


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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