Studie: Auch ganz neue Motorräder und Autos unnötig laut

01.09.2020
Für viele Bürger ist Verkehrslärm eine große Belastung. Die Diskussion um Fahrverbote für laute Fahrzeuge hält daher an. Einige Hersteller stört das offenbar wenig: Sie versehen Motorräder und Autos mit einer sportlichen «Soundkulisse».
Höllenlärm ab Werk: Verschiedene fabrikneue Motorräder und Sportwagen sind nach einer Studie des Umweltbundesamts unnötig laut. Foto: Christian Charisius/dpa
Höllenlärm ab Werk: Verschiedene fabrikneue Motorräder und Sportwagen sind nach einer Studie des Umweltbundesamts unnötig laut. Foto: Christian Charisius/dpa

Dessau (dpa) - Verschiedene fabrikneue Motorräder und Sportwagen sind nach einer Studie des Umweltbundesamts unnötig laut. Sie erfüllen zwar die Zulassungsvorschriften, sind aber außerhalb der Prüfbereiche drastisch lauter, wie die Behörde mitteilte.

Erreicht werde diese «Soundkulisse» mit Hilfe von Klappen und zum Teil auch Lautsprechern im Abgasstrang. «Der Lärmschutz und die Nöte lärmgeplagter Bürgerinnen und Bürger kommen dabei unter die Räder», beklagte UBA Präsident Dirk Messner. Nötig sei eine Pflicht für Hersteller, Motorräder und Autos so leise zu bauen, wie der Stand der Technik es zulässt. «Unnötiger Lärm ab Werk ist auf der Straße nicht akzeptabel und belastet Gesundheit und Nerven aller.»

«Sportlicher» Sound

Untersucht hat das UBA drei Motorräder und drei Autos, die für «sportlichen» Sound bekannt sind - sowohl unter den gesetzlichen Typ-Prüfbedingungen als auch unter «worst case»-Bedingungen in der Praxis außerhalb des Prüfbereichs. Das Fazit der Behörde: Die erst kürzlich überarbeiteten, internationalen Geräusch-Zulassungsvorschriften sind ungeeignet, extreme Lärmemissionen im Straßenverkehr zu unterbinden. Die Vorschriften sollten so erweitert werden, dass die Geräusche «im gesamten Kennfeld des Fahrzeugs» begrenzt werden. Bisher gebe es aber eine Fokussierung des Prüfverfahrens auf Fahrbedingungen innerorts.

Mitte August hatte eine Umfrage ergeben, dass eine große Mehrheit der Deutschen zumindest ein zeitweises Fahrverbot für laute Motorräder auf bestimmten Strecken unterstützt. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer lehnt Verschärfungen für Motorradfahrer hingegen ab.

Beschränkte Verkehrsverbote und Biker-Demos

Der Bundesrat hatte Mitte Mai einen Beschluss gefasst, in dem er «dringenden Handlungsbedarf» sah, für besondere Konfliktfälle Geschwindigkeitsbeschränkungen und «zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes» zu ermöglichen. Die Entschließung wurde der Bundesregierung zugeleitet - diese entscheidet, ob sie die Anregung des Bundesrates umsetzt.

Anfang Juli hatten Tausende Biker in ganz Deutschland gegen die Initiative des Bundesrats demonstriert. Allein in Stuttgart waren 8000 Motorradfahrer zusammengekommen, in München waren es laut Polizei mehr als 6000 Menschen.

© dpa-infocom, dpa:200901-99-387784/7

Mitteilung UBA


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
E-Scooter liegen auf einem Gehweg. Foto: Jens Kalaene/zb/dpa Warum E-Scooter so viel Emotionen wecken Sie kamen, rollten - und regten die Menschen auf. E-Scooter sollten revolutionieren, wie wir uns umweltbewusst in Großstädten fortbewegen. Die Mobilität haben sie nun bisher kaum verändert - den Diskurs hingegen schon.
Um das Fahren mit dem E-Tretroller sicherer zu machen, raten Experten zu einer automatisierten Tempobegrenzung. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa Neuer Sicherheitskatalog für E-Tretroller gefordert E-Scooter sollen eine Alternative bieten, um vor allem in Städten mobil zu sein. Doch manche Nutzer sind - nicht nur wegen Alkohols - ziemlich wacklig unterwegs. Wie können die Flitzer sicherer werden? Experten machen Vorschläge.
In einigen Städten müssen Autofahrer bereits mehr Platz machen für Radler. Der ADFC sieht jedoch noch viel Nachholbedarf. Foto: Hauke-Christian Dittrich Die Fahrradbranche erobert Gelände Elektrisch, leise und umweltfreundlich soll der Verkehr der Zukunft sein. Besonders in den Städten setzen immer mehr Menschen auf das Fahrrad. Die Bedeutung des milliardenschweren Fahrradmarktes wächst.
Das Umweltbundesamt stellt fest: «Wird der E-Scooter anstatt der eigenen Füße oder des Fahrrades benutzt, ist das schlecht für Umwelt und Gesundheit.» Foto: Uwe Anspach E-Scooter ist umweltschädlicher als das Fahrrad Seit diesem Sommer gehören E-Scooter in vielen Innenstädten zum Alltag. Die einen sehen darin eine Alternative zum Auto und einen Beitrag zu umweltfreundlicher Mobilität. Andere haben da ihre Zweifel - auch die Umweltbehörde des Bundes.