So kommen Radfahrer gut durch den Winter

18.12.2018
Fahrradfahren im Kalten und Dunkeln ist alles andere als sommerlich unbeschwert. Doch wer die richtige Kleidung trägt, mit passender Beleuchtung unterwegs ist und weiß, wo es unerwartet glatt werden kann, kommt gut durch Regen, Schnee und Frost.
Der Kopf kühlt schnell aus. Unterziehmützen aus Kunstfaser wärmen und passen gut unter den Helm. Foto: Kay Tkatzik/pd-f.de/dpa-tmn
Der Kopf kühlt schnell aus. Unterziehmützen aus Kunstfaser wärmen und passen gut unter den Helm. Foto: Kay Tkatzik/pd-f.de/dpa-tmn

Köln (dpa/tmn) - Kalte Finger, nasse Füße, eine vor Fahrtwind schmerzende Stirn: Radfahren im Winter ist zum Abgewöhnen. Es sei denn, man ist richtig ausgestattet.

Das altbekannte Sprichwort «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung» gilt auch fürs Radeln. Allerdings kommen vor allem für E-Bike-Fahrer noch ein paar Tipps für die kalte Jahreszeit hinzu.

In der Kleidung sollte man zunächst etwas frieren: «Wenn man länger als zwei oder drei Kilometer unterwegs ist, sollte es einem auf den ersten Metern noch ein bisschen kühl sein», sagt Stephan Behrendt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Köln. Denn wer sich zu dick einpackt, schwitzt schnell und kühlt dann umso schneller aus.

Bewährtes Dreilagen-Prinzip

Um das Verhältnis von Körperwärme und Schweiß bei kalten Temperaturen ins richtige Verhältnis zu setzen, empfehlen Outdoorspezialisten das Dreilagen-Prinzip aus Wäsche, Isolations- und Wetterschicht. Wichtig ist, dass die Wäsche eng anliegt, dann transportiert sie den Schweiß auch nach außen. Über die Wäsche kommt die Isolationsschicht. Hier empfehlen Experten Daunenimitate: «Polyester- oder Polyamidgarn wird fein aufgesplissen und ahmt die Eigenschaften der Daune sehr gut nach, ohne bei Feuchtigkeit zusammenzufallen», sagt Alexander Giebler vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Hohes Isolationsvolumen erreicht zum Beispiel Fleece.

Bei der Außenschicht hat der Radler je nach Wetter die Wahl zwischen Soft- und Hardshell-Kleidung. Softshell bedeutet: nur wasserabweisend statt wasserdicht. «Hier steht die größtmögliche Atmungsaktivität im Vordergrund, also das Vermögen des Materials, Wasserdampf nach außen zu lassen», sagt Giebler. Dies sei im Winter besonders wichtig, da man unter Umständen sehr schnell aufheize. Peitscht allerdings der Regen, oder schneit es ohne Unterlass, muss die «harte Schale» drüber: wasser- und winddichte Regenjacke sowie -hose.

Kopf-, Fuß- und Handschutz

Für den Kopf empfiehlt ADFC-Experte Behrendt eine Unterziehmütze aus Kunstfaser, da man dort besonders schnell auskühlt. Gut geschnittene Kapuzen passen auch unter den Helm. Nur sollten Radler schon beim Anprobieren darauf achten, dass sie das Gesichtsfeld eng umschließen und sich beim Drehen des Kopfes mitdrehen. Wer beim Abbiegen in die Kapuze schaut, beschwört im Verkehr gefährliche Situationen herauf.

Für mehr Isolation am Po gibt es spezielle Sattelhüllen. Radler, die mit Klickpedale unterwegs sind, die über die Schuhplatte Kälte in den Fuß leiten, können über Isolationseinlagen oder gar Heizsohlen gegensteuern, empfiehlt Behrendt.

Vor allem Radpendler werden im Winter spätestens den Rückweg in Dunkelheit bestreiten. Helle Kleidung sowie Reflektoren an Kleidung und Rucksack sind ratsam. Es gibt auch blinkende Winterhandschuhe.

Sichere Beleuchtung und vorsichtiger Fahrstil

Immer mehr Fahrradfahrer sind mit hellem und mittlerweile erschwinglicherem LED-Licht unterwegs. Hier sei es wichtig, den Frontscheinwerfer korrekt einzustellen. «In zehn Metern Entfernung sollte der hellste Punkt des Lichtkegels auf den Boden treffen», so Behrendt. Dabei setzen Radler am besten auf Stromversorgung per Nabendynamo, denn die alten Seitenläufer greifen vor allem bei Schnee und Matsch sehr schlecht und lassen das Licht bestenfalls flackern.

Auf verschneiten Wegen sollte man in Kurven nicht zu schnell fahren oder zu stark zu bremsen, um nicht zu stürzen, sagt Behrendt. Ab einer Reifenbreite von 35 Millimetern könne man auch mit weniger Luftdruck fahren, um die Aufliegefläche zu vergrößern. So greife das komplette Profil, erklärt Giebler.

E-Bike-Fahrer schalten zum Anfahren am besten in die kleinste Unterstützungsstufe, um nicht wegzurutschen. Ist der Untergrund vereist, versprechen Reifen mit Spikes mehr Bodenhaftung. Die größte Gefahr lauert laut Behrendt jedoch tagsüber auf trockener Fahrbahn in schattigen Abschnitten: «Wo die Sonne nicht hinkommt, kann unerwartet Reifglätte herrschen.»

Mit einer eigenen Sorge müssen sich indes Pedelec-Fahrer herumschlagen: bei Kälte schnell schlapp machenden Akkus. Bei Lithium-Ionen-Zellen kann der Energieverbrauch im Winter laut pd-f manchmal doppelt so hoch sein wie unter Idealbedingungen. Bedeutet: Wer die Batterie schön warm hält, optimiert die Reichweite.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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