So klappt die Schadensregulierung nach dem Unfall

15.10.2019
Ein Unfallschaden ist umso ärgerlicher, wenn es bei der Schadensabwicklung oder Reparatur hakt. Wer seine Rechte und Pflichten kennt, kann Stress und Ärger vermeiden.
Mehr als nur Blechschaden: Gibt es bei einem Unfall Verletzte, gilt die erste Sorge ihnen - also die 112 wählen. Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn
Mehr als nur Blechschaden: Gibt es bei einem Unfall Verletzte, gilt die erste Sorge ihnen - also die 112 wählen. Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn

Neuss (dpa/tmn) - Ein Auffahrunfall auf der Straße ist schnell passiert. Dann stellen sich viele Fragen - zum Beispiel die nach der Polizei. Bei einem unstrittigen Unfallhergang können die Beteiligten ohne polizeiliche Hilfe alles Erforderliche selbst regeln.

«Die Polizei sollte immer dann gerufen werden, wenn der Unfallhergang strittig ist oder der Verdacht einer Straftat besteht oder ein Beteiligter oder Geschädigter zu ermitteln ist», sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Neuss.

«Beide Unfallgegner sollten in diesem Fall Ihre Kontaktdaten inklusive Versicherungsnummer austauschen», sagt Gerrit Reichel vom ACV Automobil-Club Verkehr. Bei Leasing- oder Mietfahrzeugen könne eine polizeiliche Unfallaufnahme aber oft verpflichtend sein.

Unterschieden wird bei Unfällen grundsätzlich zwischen einem Vollkasko- und einem Haftpflichtschaden. «Bei einem Vollkaskoschaden tritt die eigene Versicherung ein. Hier geht man also von einem selbst verschuldeten Unfall aus», erklärt Reichel. «Ein Haftpflichtschadensfall hingegen wird von der gegnerischen Versicherung reguliert.» Zu Letzteren zählen häufig Auffahrunfälle.

Eigene Versicherung immer umgehend informieren

Stets sollte auch die eigene Versicherung informiert werden. «Ein Unfallschaden sollte immer umgehend, spätestens aber innerhalb einer Woche der eigenen Versicherung gemeldet werden. Und zwar auch dann, wenn man meint, keine Schuld zu tragen», rät Matthias Zunk vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Hilfreich ist ein Unfallprotokoll. «Wichtig ist, dass hier kein Schuldanerkenntnis abgegeben wird», so Zunk. Auch sollte der Unfallort aus verschiedenen Perspektiven fotografiert werden. Der bei allen Versicherungen und Autoklubs erhältliche Europäische Unfallbericht ist ein guter Leitfaden.

Kommt es im Zuge der Abwicklung zu Unstimmigkeiten, sind Autofahrer gut beraten, wenn Sie sich juristische Hilfe holen. «Haftet der Unfallgegner, muss er auch die Rechtsanwaltskosten tragen», erklärt Goldkamp. In allen anderen Fällen können Autofahrer sich durch eine Verkehrsrechtschutzversicherung absichern.

Wo der Wagen repariert wird, kann der Fahrzeugeigentümer bestimmen. Allerdings darf eine Versicherung auf eine günstigere alternative Fachwerkstatt verweisen, wenn die für den Geschädigten zumutbar ist. Goldkamp empfiehlt daher, im Zweifel vor der Reparatur den Kostenvoranschlag oder das Schadensgutachten bei der Versicherung einzureichen.

Bei höheren Schäden ist ein Gutachter gefragt

Bei Schäden bis 750 Euro handelt es sich um Bagatellschäden, hier genügt der Versicherung laut ADAC der Kostenvoranschlag einer Fachwerkstatt mit Fotos vom Unfallfahrzeug. Bei höheren Schäden oder einem Totalschaden hingegen muss ein Gutachter eingeschaltet werden. Die Kosten trage die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners. Bei Kaskoschäden bestimmt die eigene Versicherung den Gutachter.

Weniger eindeutig verhält es sich mit einem Ersatzfahrzeug. Generell hat der Geschädigte laut Goldkamp schon bei wenigen Stunden Reparatur Anspruch darauf. «Allerdings gibt es hier in der Praxis häufig Diskussionen mit den Versicherungen, weil diese einwenden, dass ein Mietwagen bei einem anderen Anbieter günstiger zu bekommen sei», so der Jurist. Einfacher ist die Inanspruchnahme der pauschalen Nutzungsausfallentschädigung.

Reguliert die Autoversicherung einen Haftpflicht- oder Kaskoschaden, steigt im Folgejahr in der Regel der Beitrag, weil der Versicherte in der Schadensfreiheitsklasse zurückgestuft wird. Es kann sich daher lohnen, einen kleineren Schaden selbst zu bezahlen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer vor einem Blitzer oder neben einer Parklücke stark bremst und einen Auffahrunfall verursacht, muss zum Teil für den Schaden haften. Foto: Daniel Reinhardt Abrupte Vollbremsung führt zu Teilschuld beim Auffahrunfall Im Verkehrsalltag sind Auffahrunfälle keine Seltenheit. Meistens haftet dann der Hinterfahrer. Doch es gibt auch Situationen, in denen der Vorausfahrende die Verantwortung übernehmen muss.
Autofahrer müssen bei Fahrschulwagen mit unangepasstem Verhalten rechnen und genügend Abstand halten. Das hat das LG Saarbrücken entschieden. Foto: Swen Pförtner Bei Unfall mit Fahrschulwagen haftet Hintermann überwiegend Eigentlich weiß jeder, dass man im Straßenverkehr einen Sicherheitsabstand einhalten muss. Dies gilt insbesondere, wenn ein Fahrschulwagen vorweg fährt. Denn wer auffährt, kann sich nicht auf das unberechenbare Fahrverhalten des Vordermanns berufen.
Autofahrer müssen bei «rechts vor links»-Regelungen und engen Straßen besonders vorsichtig agieren. Foto: Arne Dedert/dpa Keine Mithaftung bei Kollision mit Einbiegendem Auf engen Straßen. Und auf Straßen mit «rechts vor links»-Regelungen kann es schnell zu einem Auffahrunfall kommen. Inwieweit sich die Parteien dann die Kosten für den Schaden teilen müssen, entschied ein Gericht.
Ist der Unfallhergang geklärt, darf die Kfz-Haftpflichtversicherung die Schadensübernahme nicht länger als sechs Wochen hinauszögern. Foto: Daniel Reinhardt/dpa Nach Verkehrsunfall: Versicherung darf sechs Wochen prüfen Geschädigte Fahrzeughalter erwarten, dass die Versicherung des Unfallgegners ohne Umschweife für den Schaden aufkommt. Doch ganz so schnell erfolgt die Kostenübernahme nicht immer. Ein Urteil aus Koblenz zeigt, welche Fristen erlaubt sind.