So fährt es sich im VW ID Buggy

04.09.2019
VW lässt eine alte Idee wieder aufleben. Auf Basis ihres elektrischen Hoffnungsträgers ID3 planen die Niedersachsen einen Strandflitzer im Stil des legendären Meyer’s Manx. Noch ist dieser ID Buggy nur eine Studie. Doch das könnte sich bald ändern.
Für Fahrten entlang der kalofornischen Küste ist der ID Buggy das ideal Gefährt. Foto: VW/dpa-infocom
Für Fahrten entlang der kalofornischen Küste ist der ID Buggy das ideal Gefährt. Foto: VW/dpa-infocom

Berlin (dpa-infocom) - Der Eos, das Beetle Cabrio und der offene Golf sind Geschichte. Doch wer glaubt, VW hätte die Freude an Frischluft-Modellen verloren, den belehren die Niedersachsen jetzt eines Besseren.

Denn mit dem ID Buggy haben Designer und Ingenieure bewiesen, dass sie sehr wohl wissen, wie man den Sommer unter freiem Himmel genießen kann. Und weil das nicht nur eine fixe Idee ist, sondern besser früher als später in einem Serienmodell münden soll, belassen sie es nicht bei der Messevorführung. Ein halbes Jahr nach der Premiere holen sie das Schaustück noch einmal heraus und entlassen es zur Jungfernfahrt. Und zwar nicht auf irgendeiner beliebigen Straße, sondern auf dem 17-Miles Drive von Pebble Beach in Kalifornien - eine der spektakulärsten Küstenrouten der Welt.

Vom Strand-Brummer zum leisen Stromer

Das Vorbild für den ID Buggy ist - wie man an den Kuller-Scheinwerfern und dem Überrollbügel deutlich erkennt - der Manx, den der Bootsbauer Bruce Meyer vor gut 50 Jahren in Pismo Beach in Kalifornien erfunden hat. Ursprünglich als Rennwagen für die Baja Rallyes in Mexiko konzipiert, wurde er in den späten 1960er vor allem für Wellenreiter zum Traumwagen. Von Piano Beach aus hat der Buggie damals die Welt erobert: Über ein Dutzend Firmen haben mehr als 250.000 Exemplare gebaut, bis ihnen der TÜV mit verschärften Anforderungen für Sicherheit und Umweltschutz einen Strich durch die Rechnung machte.

Während der Meyer’s Manx auf dem VW Käfer basierte, nutzt der ID Buggy die Plattform des kommenden ID3. Aus diesem Grund brummt nun nicht mehr ein Boxer-Motor im Heck, sondern im Bug surrt ein Stromer mit 150 kW/204 PS. Unter dem Wagenboden ist ein 62 kWh großer Akku für bis zu 250 Kilometer Reichweite montiert. Der Spaß mit dem offenen Zweisitzer, in dem man sich fühlt, wie in einer Badewanne auf Rädern, ist jedoch der gleiche geblieben. Und der Soundtrack auch. Wenn einem jetzt Surf-Klassiker von den Beach Boys in den Sinn kommen und dazu die Brandung des Pazifiks rauscht, stören diesmal allerdings keine Motorgeräusche.

Spaß auch ohne Speed

Beim ID Buggy hat der Fahrspaß nichts mit der Geschwindigkeit zu tun. Im Gegenteil: Wenn man nur von der Frontscheibe geschützt ohne Fenster und Türen und vor allem ohne Dach in Shorts und T-Shirt im Wind sitzt, möchte man sich gar nicht vorstellen, wie sich das bei der theoretischen Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h anfühlt. Zwar ist einem vom ersten Meter an in dem Gute-Laune-Mobil warm ums Herz. Doch wird man von einer kräftigen Brise erwischt, ist Abhärtung gefragt. Vor allem wenn sie aus der falschen Richtung kommt und einem Sand zwischen die Zähne pustet.

Ohne Klimaanlage und ohne Sitzheizung - übrigens auch sonst ohne jeden Firlefanz - ist man deshalb fast dankbar, dass die Ingenieure das Einzelstück mit Rücksicht auf die monatelange Handarbeit nicht schneller fahren lassen als Tempo 35. Doch kann man beim Kickdown zumindest erahnen, wie flott der Buggy ohne Drosselung unterwegs wäre. Denn die grobstolligen Reifen werfen dabei jede Menge Sand auf. Auch das «Play»-Symbol auf dem Fahrpedal haben sich die Designer wohl nicht ohne Hintergedanken ausgedacht. Ein Tritt darauf genügt, und die Spaßfahrt kann beginnen.

Mit freundlicher Unterstützung

Geht es nach den Entwicklern, soll der Buggy kein Einzelstück bleiben. Sie beabsichtigen, das Auto in Serie zu bringen. Notfalls auch mit fremder Hilfe. Denn so, wie damals Bruce Meyer alte Käfer aufgekauft hat, würden sie heute einem Partner den so genannten Modularen Elektrizitätsbaukasten (MEB) überlassen, damit er über diese Plattform seine eigene Buggy-Karosse stülpen könnte. Zu Zeiten des Verbrennungsmotors war das vergleichsweise kompliziert. Doch da beim Elektroauto alles Wesentliche in der Bodengruppe verbaut ist, ließe sich relativ einfach ein neues Auto ableiten, betont die Mannschaft.

Fazit: Werbeträger im Wartestand

Natürlich taugt ein Auto wie der ID Buggy nicht für große Stückzahlen und dicke Gewinne. Doch VW wäre gut beraten, den Strandläufer trotzdem in Serie zu bringen. Denn nicht nur die Elektromobilität braucht für einen möglichst schnellen Durchbruch charmante Werbeträger wie diesen. Sondern vor allem würde VW ein Auto gut zu Gesicht stehen, das das nüchterne Image der Niedersachsen ein wenig auflockert. Und nach dem Ende anderer Cabrio-Modelle könnte dem Portfolio etwas frischer Wind erst recht guttun.

Datenblatt: VW ID Buggy

Motor und Antrieb
Leistung: 150 kW/204 PS
Max. Drehmoment: 310 Nm ab 0 U/min
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Eingang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 4063 mm
Breite: 1890 mm
Höhe: 1463 mm
Radstand: 2650 mm
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,3 s
Reichweite: 250 km
CO2-Emission: 0 g/km
Kraftstoff: Strom
Batteriekapazität: 62 kWh

Verfasser: dpa-infocom GmbH

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