Schnelle Rennen auf Salz und Sand

11.12.2018
Heute wagt man sich allenfalls noch im SUV an den Strand. Doch wer früher einen wirklich schnellen Rennwagen fahren wollte, der musste von der Straße und sein Glück auf Sand oder Salz versuchen. In Römö (Dänemark),El Mirage und Bonneville (USA) lebt die Tradition weiter.
Beim Rømø Motor Festival spendieren Oldie-Fans ihren vierrädrigen Lieblingen Auslauf am Strand. Foto: Thomas Geiger
Beim Rømø Motor Festival spendieren Oldie-Fans ihren vierrädrigen Lieblingen Auslauf am Strand. Foto: Thomas Geiger

Römö (dpa/tmn) - Ihre Autos haben den technischen Stand von 1939, und ihre Klamotten sehen auch nicht viel jünger aus. Doch das hier ist kein Oldtimer-Treffen, kein Filmdreh und kein Karneval.

Es ist ernst gemeinter Motorsport - selbst wenn es dabei nur um Ruhm und Ehre geht und um den Spaß an der Geschwindigkeit. Denn einmal im Jahr treffen sich am Strand von Römö (Rømø) im südwestlichsten Winkel Dänemarks viele Tausend PS-Fans, um mehr als 100 Motorräder und Autos dabei zu bejubeln, wie sie die Kindertage des Motorsports noch einmal lebendig werden lassen.

«Das hier waren die Rennstrecken unserer Großväter», sagte Steffan Skov am Renntag 2018 mit Blick auf den kilometerlangen Strand der Ferieninsel. Er hat vor drei Jahren das Rømø Motor Festival mit aus der Taufe gehoben, um damit an die bald 100 Jahre zurückliegenden Rekordfahrten auf der Nachbarinsel Fanö (Fanø) zu erinnern: Der Sand dort war härter, glatter und griffiger als die mit Kopfstein gepflasterten Straßen oder der Schotter auf den vereinzelten Rennstrecken.

Von Europa in die USA

Einer der ganz Großen jener Zeit war der Opel-Rennfahrer Carl Jörns. Der fuhr mit einem Auto, das den bezeichnenden Namen Grünes Monster trägt und noch heute am Strand unterwegs ist, so Opel-Pressesprecher Uwe Mertin. Damit schraubte Jörns 1922 das Tempo auf schier unglaubliche 228 km/h.

Die Sucht nach Speed war damals von Europa schon in die USA übergeschwappt. Denn als ihre meist von Flugzeugmotoren betriebenen Rennwagen immer schwindelerregendere Geschwindigkeiten erreichten, wurden den Rekordjägern irgendwann die Straßen zu voll, die Rennstrecken zu eng und die Strände zu kurz, berichtet Jennifer Jordan, die als Mitautorin des Dokumentarfilmes «Boys of Bonneville» die Geschichte das Landspeed Racings erzählt. Deshalb sind sie schon während des Ersten Weltkrieges auf die ausgetrockneten Seen bei El Mirage und Muroc in Kalifornien, bei Black Rock im US-Staat Nevada und auf dem legendären Salzsee von Bonneville in Utah ausgewichen.

Land Speed Record

Der ungekrönte König dieser Zeit war Ab Jenkins, der mehr Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt haben soll als jeder andere Mensch auf der Welt: 1935 fuhr er seinen Düsenberg Mormon Meteor über 24 Stunden mit einem Schnitt von 217 km/h, 1940 steigerte er dieses Tempo auf fast 260 km/h - eine Bestleistung, die erst 50 Jahre später eingestellt wurde. Mehr als ein Dutzend seiner Rekorde stehen noch, sagt Ron Main, der zu den Veranstaltern der El-Mirage-Rennen gehört: «So verrückt, so mutig und so schnell wie Ab war lange keiner mehr.»

Jenkins gilt zwar in Amerika als Held der Wüsten-Raserei. Doch gegen Menschen wie Andy Green ist er ein Schleicher. Denn der britische Militärpilot hält seit 1997 mit einem Tempo von 1228 km/h den aktuellen Land Speed Record und hat dabei als erster mit einem Auto die Schallmauer durchbrochen.

Mehr als 100.000 PS

Der ThrustSSC, der damals durch die Wüste von Nevada jagte, hat mit dem gängigen Bild von einem Auto bis auf die Räder allerdings nicht mehr viel gemein. Denn eigentlich ist der Einsitzer nach Angaben der Betreiber eher eine Rakete für den Bodenflug: 16,5 Meter lang, schlank wie eine Zigarre und angetrieben von zwei Jet-Turbinen, die umgerechnet mehr als 100.000 PS leisten. Green arbeitete zusammen mit einigen britischen Firmen am Nachfolgemodell Bloodhound und bereitete in einer Wüste in Südafrika für Ende 2019 einen Rekord mit mehr als 1000 Meilen pro Stunde vor - doch im Dezember 2018 gab ein Unternehmenssprecher das Ende des Projekts aus finanziellen Gründen bekannt.

Solche Fahrten mögen Männern wie Skov zwar imponieren, mit dem klassischen Beach-Racing haben solche Spektakel aber in seinen Augen nicht mehr viel zu tun. Was für ihn den Charme ausmacht, ist, dass man bei Festivals wie in Römö auch für kleines Geld großen Spaß haben kann. Zwar gebe es viele, die in ihre Fahrzeuge hohe sechsstellige Beträge investieren, sagt Skov. «Aber man kann auch schon für den Preis eines Kleinwagens ein passendes Rennauto bekommen und hier um den Sieg mitfahren.» Und das gehe nicht nur in Römö, sondern genauso bei verschiedenen Events in England und Italien.

Die Strände und Salzseen, auf denen solche Veranstaltungen erlaubt sind, lassen sich an zwei Händen abzählen. Die Faszination ist aber ungebrochen und die Zahl der Teilnehmer wächst Jahr für Jahr.

Römö Motor Festival

Southern California Timing Association (El Mirage und Bonneville)


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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