Renault Mégane GT: GTI mit Gefühl

13.01.2016
Von wegen Lessaiz-Faire! Beim neuen Mégane setzt Renault zwar im Kampf gegen Golf & Co vor allem auf kuscheligen Komfort. Doch der Herausforderer in der Kompaktklasse kann auch anders - vor allem in der Sportversion GT.
Den Renault Mégane gibt es ab 16 700 Euro. Foto: Renault
Den Renault Mégane gibt es ab 16 700 Euro. Foto: Renault

Berlin (dpa-infocom) - Renault nimmt einen neuen Anlauf in der Kompaktklasse und bringt im März die vierte Generation des Mégane in den Handel. Der Grundpreis bleibt mit 16 790 Euro unverändert. Das und der Name sind so ziemlich die einzigen Details, die der Hersteller vom Vorgänger übernimmt.

Größeres Format, knackigere Form

Sie haben beim Generationswechsel das Format geändert und den Fünftürer flacher und länger gezeichnet. War der Vorgänger nach dem sehr experimentellen Mégane der Jahrtausendwende zum Langweiler geraten, schlägt das Pendel jetzt wieder in die andere Richtung: Knackige Proportionen, muskulöse Formen und eine schnittige Linie machen ihn zum Schauläufer in der Kompaktklasse und rücken ihn näher an den VW Scirocco als an den Golf.

Im Dunkeln ist gut Funkeln

Dazu gibt es ein paar Details, die den Mégane im dichten Feld von bis zu 40 Konkurrenten unverwechselbar machen sollen: Die Renault-Raute ist groß wie bei einem Lastwagen. Die LED-Signatur mit den weißen Sicheln vorn und dem roten Bumerang hinten fällt auf.

Mit Gefühl gegen die deutsche Sachlichkeit

Während der Mégane außen den Sportler gibt, überrascht er innen mit einer kuscheligen Wohlfühlatmosphäre. Er bietet dank seiner neuen Abmessungen mehr Freiheit für Knie und Schultern. Außerdem lockt er mit bequemen Massage-Sitzen, einem aufgeräumten Digitalcockpit und einer ebenso eigenwilligen wie faszinierenden Bedienung.

Zwar patzt das R-Link2-System auf dem senkrechten Touchscreen bei der Smartphone-Integration, und manche Funktionen muss man ein bisschen suchen. Doch die Navigation ist auf dem neuesten Stand und die Ambiente-Einstellung wirkungsvoller inszeniert als bei allen Wettbewerbern und konterkariert so die deutsche Sachlichkeit. Denn auf Knopfdruck ändern sich nicht nur die Anzeigen und die Farben der LED-Beleuchtung. Sondern im Komfortmodus startet gleich auch noch die Sitzmassage, und im Sport-Betrieb klingt der Motor kerniger und die Klimaautomatik bläst ein bisschen fester.

Pulsrasen im GT-Modell

Im Top-Modell Mégane GT steckt unter der Haube der stärkste von drei Dieseln und vier Benzinern. Statt der mageren 74 kW/101 PS des Basis-Benziners wollen einem hier 151 kW/205 PS mächtig einheizen. Sehr drehfreudig und von einer siebenstufigen Doppelkupplung nur pro forma im Zaum gehalten, feilt er mit bis zu 280 Nm an der Fahrbahn und bringt den Sportler in der Familie flott in Fahrt.

Zwar kommt er weder mit den 7,1 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h an VW Golf GTI heran, noch mit seinen 230 km/h Spitze. Doch macht er trotzdem einen lebendigeren, leidenschaftlicheren Eindruck als der Power-Primus aus Wolfsburg.

Mit Allradlenkung zur Kurvenhatz

Das verdankt er vor allem der Allradlenkung. Denn obwohl er bisweilen seine liebe Mühe hat, alle Kraft auf die Straße zu bringen, und obwohl bei höherem Tempo die Luft ein bisschen dünn wird, fliegt er damit nur so um die Kurven: Weil die Hinterräder elektronisch ein paar Grad mit eingeschlagen werden, wird das Auto viel wendiger.

Es hat einen virtuell verkürzten Radstand und fühlt sich an wie ein übermotorisierter Kleinwagen. Auf der Autobahn wirkt die Technik dagegen in die andere Richtung. Mit tatsächlich gestrecktem Radstand und breiterer Spur ohnehin reifer und ruhiger als vorher, gibt sich der Mégane GT so bei hohem Tempo noch linientreuer.

Technologietransfer von oben

Die Allradlenkung übernehmen die Franzosen von den großen Schwestermodellen Espace und Talisman. Genauso übrigens wie die markanten LED-Scheinwerfer, das Head-Up-Display oder die Assistenzsysteme vom Abstandstempomat bis hin zum Einpark-Roboter.

Aber der Mégane trägt nicht nur alte Technik auf, sondern bekommt auch eine echte Reneault-Neuheit: Wem die 3,3 Liter bzw. 86 g/km Normverbrauch des sparsamstem Selbstzünders noch zu viel sind, dem bieten die Franzosen ab 2017 im Mégane zum ersten Mal einen Dieselhybrid und wollen so die Drei-Liter-Marke knacken.

Fazit: Öfter mal was Neues

Keine anderes Segment ist so dicht besetzt wie die Golf-Klasse. Deshalb fällt es den Herstellern zunehmend schwerer, dort noch Gesicht zu zeigen und etwas Neues zu bringen. Aber genau das hat Renault mit dem vierten Mégane geschafft. Er ist sicher nicht besser als Golf & Co, nicht schlauer und nicht einmal viel billiger. Aber er ist anders - und schon das macht ihn zur interessanten Alternative.

Datenblatt: Renault Mégane GT

Motor und Antrieb

Maße und Gewichte

Fahrdaten:

Wichtige Serienausstattung:

Kosten:

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ab an den Stecker: Der Renault Twingo soll mit einer Ladung im Stadtverkehr maximal 250 Kilometer weit kommen. Foto: Renault/dpa-tmn Renault Twingo bald auch als Elektroauto Immer mehr kleine Autos gibt es auch als Stromer. Zum Jahreswechsel wird es auch den Renault Twingo mit Stecker statt Tankrüssel geben.
Flott unterwegs: Die neue Corvette in Mittelmotor-Bauweise startet jetzt in den USA und kommt von 2021 an auch nach Europa. Foto: Chevrolet/dpa-tmn Neue Corvette C8 startet - aber erst 2021 in Europa Auf dem Highway soll bald wieder die Hölle los sein. Denn in den USA beginnt Chevrolet mit der Auslieferung der achten Generation der Corvette. Wann kommt der Sportwagen nach Europa?
Nicht nur die Kaufprämie senkt die Kosten, auch die Hersteller bieten die Elektrovarianten ihrer Modelle oft schon günstiger an. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB Elektromobilität nimmt Fahrt auf Die Elektromobilität steht in den Startlöchern. Dank einer Mischung aus Förderung und Zwängen für die Industrie könnte dieses Jahr der Durchbruch kommen. Doch es gibt noch Schwachpunkte.
Seit 2015 ist der Dieselskandal im Fokus der Öffentlichkeit. Ein Kunde, der noch nach dessen Bekanntwerden zu einem Auto mit illegaler Abschalteinrichtung griff, hat keinen Anspruch auf Schadenersatz. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn Autokäufer weiß um Dieselskandal - kein Schadenersatz Seit 2015 ist der Dieselskandal im öffentlichen Fokus. Wer nach dem Bekanntwerden ein Auto mit Schummelsoftware kaufte, hat kaum Chancen auf Schadenersatz. Das zeigt eine Gerichtsentscheidung.