Prüfung von Firmenwagen-Bewertung kann sich lohnen

31.03.2020
Bei vielen Arbeitnehmern mit Dienstwagen steht derzeit das Auto häufig still. Denn viele Fahrten zum Arbeitsplatz finden gar nicht statt. Was bedeutet das für die Versteuerung des geldwerten Vorteils?
Wer seinen Firmenwagen aufgrund der aktuellen Coronavirus-Beschränkungen selten nutzt, sollte prüfen, ob eine andere steuerliche Bewertung als bisher für ihn sinnvoll ist. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn
Wer seinen Firmenwagen aufgrund der aktuellen Coronavirus-Beschränkungen selten nutzt, sollte prüfen, ob eine andere steuerliche Bewertung als bisher für ihn sinnvoll ist. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Viele Berufstätige sind derzeit im Homeoffice - und wer einen Firmenwagen hat, fährt deshalb vielleicht seltener als sonst zur Arbeit. Ist dies der Fall, sollten Betroffene prüfen, ob sie die steuerliche Bewertung des Firmenwagens ändern lassen wollen.

Arbeitgeber müssen weiter einen Sachbezug für die möglichen Fahrten zur sogenannten ersten Tätigkeitsstätte beim Lohnsteuerabzug berücksichtigen. «In diesen Fällen sollte geprüft werden, ob eine Einzelbewertung des geldwerten Vorteils für die Fahrten von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte infrage kommt», erklärt Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) in Berlin.

Diese Einzelbewertung kann der Arbeitgeber bereits im Wege der Lohnabrechnung anwenden. Auch er würde in diesem Fall Geld über eingesparte Sozialversicherungsbeiträge sparen, sofern der Arbeitnehmer nicht über den Beitragsbemessungsgrenzen verdient.

Einzelbewertung kann günstiger sein

Im Normalfall werden steuerlich jeden Monat 0,3 Prozent des Brutto-Listenneupreises des Autos multipliziert mit den Entfernungskilometern von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte als geldwerter Vorteil für den Firmenwagenfahrer erfasst. Alternativ kann aber auch eine Einzelbewertung für jede Fahrt mit 0,02 Prozent des Bruttolistenneupreises multipliziert mit den Entfernungskilometern vorgenommen werden. Diese Einzelbewertung ist günstiger, wenn im Schnitt weniger als 15 Fahrten pro Monat zur Arbeitsstätte erfolgen.

Es gibt aber einen Haken: Voraussetzung ist, dass diese Einzelbewertung für das gesamte Kalenderjahr erfolgt. Deshalb muss auch für die vergangenen Monate jeweils mit Datum aufgezeichnet werden, an welchen Tagen das Firmenfahrzeug für Fahrten von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte genutzt wurde. «Diese Aufstellung ist insbesondere in Unternehmen mit Anwesenheitserfassungssystemen leicht anzufertigen», erklärt Rauhöft.

Aufzeichnungen werden zum Lohnkonto genommen

Finden letztlich in diesem Jahr weniger als 180 Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte statt, ergibt sich ein Spareffekt bei der Lohnsteuer und bei den Sozialversicherungsbeiträgen, sofern der Gesamtverdienst unterhalb der Beitragsbemessungsgrenzen liegt. Die Aufzeichnungen des Arbeitnehmers darüber, an welchen Tagen er Fahrten zwischen Wohnung und erste Tätigkeitsstätte vorgenommen hat, sind zum Lohnkonto zu nehmen und aufzubewahren.

«Will der Arbeitgeber sich die Mühe mit der Einzelbewertung des geldwerten Vorteils für die Fahrten zwischen Wohnung und erste Tätigkeitsstätte mit dem Firmenwagen nicht machen, kann der Arbeitnehmer die Korrektur auch noch mit der Abgabe der Einkommensteuererklärung 2020 nachholen», sagt Rauhöft. Auch hier ist eine genaue Aufstellung über die Tage, an denen der Wagen für Fahrten zwischen Wohnung und erste Tätigkeitsstätte genutzt wurde, notwendig.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell steigen Kunden besser immer hinten rechts ins Taxi ein. Foto: Monika Skolimowska/dpa/dpa-tmn So fahren Sie sicherer beim Carsharing und im Taxi Wer in Corona-Zeiten auf den öffentlichen Nahverkehr verzichten will und kein eigenes Auto hat, greift vielleicht zu Carsharing oder ruft sich ein Taxi. Was ist da jetzt zu beachten?
Unterwegs einen Text tippen und ins Büro schicken? Mit der richtigen Ausstattung funktioniert mobiles Arbeiten auch im Auto. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn So wird das Auto zum mobilen Büro Die Corona-Krise versetzt viele ins Homeoffice. Das kann sich bei Bedarf auch im Auto befinden. So machen Sie Ihren Wagen zum mobilen Büro.
Wer in Zeiten der Corona-Krise etwa zur Arbeit oder zum Supermarkt muss, sollte sein Fahrrad nutzen, denn es bietet einen gewissen Selbstschutz. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Der Rundum-Check fürs Fahrrad Auf das Rad umzusteigen, ist in Zeiten von Corona aus Expertensicht sinnvoll, um nötige Wege zu erledigen. Doch das Gefährt muss für eine sichere Fahrt gut in Schuss sein - eine Prüfliste.
Wie leergefegt: Angesichts der Corona-Pandemie gibt es weniger Verkehr auf den Straßen - wer noch unterwegs ist, muss aber wachsam am Steuer bleiben. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn In Corona-Zeiten am Steuer aufmerksam bleiben Vielerorts sinkt das Verkehrsaufkommen im Zuge der Corona-Pandemie. Doch hinter dem Steuer gilt es, aufmerksam zubleiben und sich nicht ablenken zu lassen - besonders, um Radler und Fußgänger nicht zu gefährden.