Pferd und Kfz müssen ausreichend Abstand halten

29.06.2018
Vor 150 Jahren gehörten Pferde und Kutschen zum Alltagsbild auf Deutschlands Straßen. Heutzutage sind sie eher Ausnahme als Regel - die Straßen sind fest in Autofahrer-Hand. Doch worauf müssen Kfz-Fahrer achten, wenn ihnen im Straßenverkehr doch mal ein Pferd begegnet?
Begegnen sich ein Pferd und ein Kraftfahrzeug auf der Straße, müssen sowohl der Fahrer als auch der Reiter auf einen ausreichenden Mindestabstand von 1,50 bis 2 Metern achten. Foto: Axel Heimken
Begegnen sich ein Pferd und ein Kraftfahrzeug auf der Straße, müssen sowohl der Fahrer als auch der Reiter auf einen ausreichenden Mindestabstand von 1,50 bis 2 Metern achten. Foto: Axel Heimken

Celle (dpa/tmn) - Begegnen sich ein Pferd und ein Kraftfahrzeug auf der Straße, müssen sowohl der Fahrer als auch der Reiter auf einen ausreichenden Mindestabstand von 1,50 bis 2 Metern achten. Tun sie das nicht, müssen sie nach einem Unfall unter Umständen beide haften.

Das lässt sich aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Celle ableiten, über das die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) berichtet.

Ein Mädchen ritt auf einem Pony auf der rechten Fahrbahnseite. Als ihr ein Lkw entgegenkam, stoppte sie und hielt das Tier leicht schräg auf dem Seitenstreifen an. Der Lkw-Fahrer reduzierte sein Tempo und fuhr ganz rechts auf seiner Seite vorbei. Dabei scheute das Tier allerdings und verletzte sich dermaßen, dass es eingeschläfert werden musste. Die Besitzerin verlangte vor Gericht den Wert des Ponys und dessen Behandlungskosten.

Dabei hatte sie nur teilweise Erfolg. Denn laut Urteil muss jede Partei zur Hälfte haften. Während vom Lkw eine Betriebsgefahr ausgeht, spricht man beim Pony von der sogenannten Tiergefahr. Diese wiege in der Regel schwerer als die eines Kfz, da von Tieren für den Straßenverkehr deutlich höhere Gefahren ausgingen.

Durch das Verschulden beider Beteiligten hätten sich beide Gefahren außerdem erhöht. Der Abstand, den der Lkw zum Tier hielt, war nicht ausreichend. Er hätte auch auf seinen Seitenstreifen ausweichen können. Und wenn das nicht möglich gewesen wäre, hätte er stoppen können, um das Pony passieren zu lassen, argumentierte das Gericht. Das Verhalten der Reiterin wertete das Gericht als leicht fahrlässig - ein rechtzeitiges Absteigen hätte die Gefahr reduzieren können (Az.: 14 U 147/17).

Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Autofahrer müssen bei Fahrschulwagen mit unangepasstem Verhalten rechnen und genügend Abstand halten. Das hat das LG Saarbrücken entschieden. Foto: Swen Pförtner Bei Unfall mit Fahrschulwagen haftet Hintermann überwiegend Eigentlich weiß jeder, dass man im Straßenverkehr einen Sicherheitsabstand einhalten muss. Dies gilt insbesondere, wenn ein Fahrschulwagen vorweg fährt. Denn wer auffährt, kann sich nicht auf das unberechenbare Fahrverhalten des Vordermanns berufen.
Autofahrer sollten im Straßenverkehr genügend Abstand halten, sonst riskieren sie Fahrverbot. Dieses bleibt jedoch aus, wenn der Vordermann ohne Grund bremst. Foto: Paul Zinken Vordermann bremst grundlos: Abstandsverstoß ohne Fahrverbot Auf deutschen Straßen hält sich nicht jeder Verkehrsteilnehmer an die Regeln. Besonders nachlässig handeln die Fahrer, wenn sie einen Mindestabstand halten müssen. Wer gegen die gesetzliche Vorgabe verstößt, kann in einem bestimmten Fall dennoch glimpflich davonkommen.
Um Temposünder zu überführen, misst die Polizei häufig die Geschwindigkeit, indem sie dem verdächtigen Auto nachfährt. In diesem Fall ist jedoch ein gleichbleibender Abstand erforderlich. Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa-tmn Nachfahrmessung: Gilt der so ermittelte Tempoverstoß? Um Tempoverstöße zu ahnden, darf die Polizei anderen Autos folgen. So zeigt sich, wie schnell jemand fährt. Der Abstand spielt eine wichtige Rolle - reichen die Aussagen der Beamten?
Wer ein Tempolimit missachtet, muss mit entsprechender Strafe rechnen. Foto: Arno Burgi 13 Monate zwischen Tat und Urteil: Trotzdem Fahrverbot Ein Mann ignoriert ein Tempolimit und wird geblitzt. Erst einige Zeit später bekommt er einen Bußgeldbescheid und ein Fahrverbot. Wie lange nach der Raserei ist das möglich? Darüber hat ein Gericht geurteilt.