Motorroller in Corona-Zeiten mehr gefragt

18.01.2021
Die Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigen: Motorroller erleben gerade ein Comeback. Woran könnte das liegen? Und welche Marke ist besonders beliebt?
Vor allem der italienische Hersteller Piaggio spürt, dass Motorroller wieder im Trend liegen. Foto: Tobias Hase/dpa
Vor allem der italienische Hersteller Piaggio spürt, dass Motorroller wieder im Trend liegen. Foto: Tobias Hase/dpa

Berlin (dpa) - Der Kraftradboom im Corona-Jahr 2020 hat vor allem dem italienischen Hersteller Piaggio in Deutschland viele neue Kunden beschert. Wurden 2019 rund 18.900 Roller der Marke neu zugelassen, waren es ein Jahr später mehr als 30.800, wie aus aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hervorgeht. Damit war der Hersteller des Kultrollers Vespa erstmals beliebter als jede andere Marke im Segment der Krafträder.

In den Vorjahren war stets BMW Spitzenreiter gewesen. Von dem Hersteller wurden 2020 jeweils knapp 27.800 Motorräder neu zugelassen, 2019 waren es fast 26.200. Knapp dahinter folgt die österreichische Marke KTM, von der im vergangenen Jahr knapp 26.500 Motorräder neu registriert worden sind (2019: 19 777).

Leichte Motorräder als Autoersatz

Die leichten Motorräder, die oft mit Automatik betrieben werden, böten sich in verkehrsbelasteten Städten als Ersatz für das Auto an, erklärt der Vorsitzende des Bundesverband der Motorradfahrer, Michael Lenzen, den Trend. «Auf dem Land ist ein Mofa oder Roller für junge Menschen angesichts eines oftmals geringen Angebots an ÖPNV die einzige Alternative, um mobil zu sein.» Sie seien zudem in ihrer Leistung und Fahrweise in den vergangenen Jahren Motorrädern immer ähnlicher geworden.

Auch der Industrie-Verband Motorrad (IVM) sieht Vorteile bei den Motorroller. Sie erwiesen sich als «höchst praktische Mobilitätslösung beim Pendeln zum Arbeitsplatz genauso wie zum Einkaufen - mit quasi eingebauter Parkplatzgarantie», wie Sprecher Achim Marten sagte.

Insgesamt wurden 2020 knapp 222.000 neue Krafträder von den zuständigen Behörden registriert - ein Plus von fast 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür ist nach Ansicht der Experten einerseits die Pandemie. «Motorradfahren war eines der wenigen Dinge, die man unter den Corona-Schutzbedingungen noch machen konnte», sagte Lenzen. Viele Menschen scheuten den Experten zufolge zudem Bus und Bahn und stiegen stattdessen auf Roller oder Motorrad um.

Neue Führerscheinregeln

Außerdem wurden Ende 2019 neue Führerscheinregeln erlassen, so dass erfahrenere Autofahrer nun ohne zusätzliche Führerscheinprüfung Maschinen mit bis zu 125 Kubikzentimetern Hubraum und 15 PS fahren dürfen. Von dieser Möglichkeit machten nach Angaben des IVM 2020 etwa 50.000 Menschen Gebrauch. «Der exorbitante Anstieg der Zulassungszahlen in der 125-Kubikzentimeter-Klasse ist insbesondere auch auf dieses Mobilitätsangebot zurückzuführen», so Marten.

Lenzen rechnet wegen des Kraftrad-Booms zwar zunächst mit mehr Unfällen auf Deutschlands Straßen. «Wir hoffen allerdings, dass sich der Trend sinkender Unfallzahlen bei den Motorrädern trotz der steigenden Zulassungszahlen insgesamt weiter fortsetzt.» Ein- oder Wiedereinsteigern empfiehlt er, ein Sicherheitstraining zu absolvieren.

Die Verbände gehen davon aus, dass sich der Roller-Trend auch in diesem Jahr fortsetzen wird.

© dpa-infocom, dpa:210118-99-71759/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Autofahrer, die älter als 25 Jahre alt sind, dürfen neuerdings mit ihrem Führerschein auch auf einige Zweiräder umsteigen. Foto: Armin Weigel/dpa-tmn Vom Auto auf den Roller wechseln Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Autofahrer auch ohne Zusatzprüfung Zweiräder bis 125 ccm fahren. Erlaubt sind unter anderem manche Motorroller. Worauf müssen Anfänger besonders achten?
Sportlicher Zweitakter: Die Yamaha RD 350 ist ein beliebter Klassiker. Foto: Yamaha/dpa-tmn Klassiker gegen jede Abgasnorm In Mopeds, Motorrädern und auch Autos erlebte der Zweitaktmotor zur Mitte der 1970er Jahre seine letzte Blütezeit. Liebhaber pflegen die Maschinen noch heute - denn die alten Motoren haben ihre Vorteile.
Gut geschützt und vorbereitet machen Motorradausfahrten auch im Herbst noch Spaß. Foto: Daniel Karmann/dpa/dpa-tmn Mit dem Motorrad durch die kalte Zeit Ob aus Überzeugung oder aus Notwendigkeit - wer im Herbst oder gar im Winter mit dem Motorrad oder dem Motorroller unterwegs ist, muss einiges beachten, um sicher ans Ziel zu kommen.
Rad an Rad an Rad: Elektroroller erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn Auf was bei E-Motorroller zu achten ist Ob trotz oder wegen Corona, fest steht: Elektro-Roller boomen. Manchem ein Spaßgefährt für die Freizeit, für viele Pendler aber ein veritabler Autoersatz - worauf sollten Sie beim Kauf achten?