Kompakt-SUV mit neuem Antrieb: Unterwegs im Mercedes EQA

24.03.2021
Der EQC war vor allem ein Leuchtturm, mit dem Mercedes an der Ladesäule Präsenz zeigen wollte. Und der EQS wird lediglich die elektrische S-Klasse vertreten. Mehr Käufer finden könnten die Schwaben mit dem EQA, der als Basis eines ihrer erfolgreichsten Modelle nutzt.
Umgerüstetes Kompakt-SUV: Mit dem EQA erweitert Mercedes seine E-Auto-Flotte. Als Basis dient der GLA. Foto: Daimler AG/dpa-mag
Umgerüstetes Kompakt-SUV: Mit dem EQA erweitert Mercedes seine E-Auto-Flotte. Als Basis dient der GLA. Foto: Daimler AG/dpa-mag

Berlin (dpa-infocom) - Auch Mercedes will die Elektromobilität zur Massenbewegung machen und senkt deshalb die Hürden für den Umstieg. Denn wenn die Schwaben ihrem elektrischen Erstling EQC im Frühjahr den EQA zur Seite stellen, wagen sie sich erstmals in die Kompaktklasse und senken damit den Preis mal eben um knapp 20.000 Euro. Zum Schnäppchen wird der Stromer allerdings trotzdem nicht - schließlich geht es zumindest fürs Erste bei stolzen 47.541 Euro los.

Anders als der Name vermuten lässt, ist der EQA keine umgerüstete A-Klasse, sondern nutzt den GLA als Basis. Erstens, weil sich SUVs weltweit besser verkaufen und der kleine Geländewagen zu den erfolgreichsten Mercedes-Modellen zählt. Und zweitens, weil bei der hohen Bauform die Batterien besser integriert werden können, ohne dass der Innenraum oder das Design leiden.

Die Insignien der EQ-Familie

Auch dem EQA sieht man die Elektrifizierung nur an, weil ihm die Designer nachträglich die üblichen Insignien der EQ-Familie verpasst haben. Außen sind das vor allem der glatte schwarze Kühlergrill und die aerodynamischen Felgen, innen die bereits bekannten Zierteile in Roségold. Letztere polarisieren allerdings so sehr, dass Mercedes sie nur als Option anbietet. Zur erweiterten Serienausstattung gehört übrigens auch eine Ambientebeleuchtung mit Farbauswahl.

Ansonsten ändert sich im Guten wie im Schlechten nichts. Es bleibt bei der schnörkellosen Linienführung und dem unaufgeregten Auftritt. Ebenso wird das Hightech-Cockpit mit dem ziemlich überlegenen MBUX-System übernommen. Allerdings bleibt es auch bei den allenfalls durchschnittlichen Platzverhältnissen. Die sind für einen Verbrenner von 4,46 Metern Länge zwar nicht schlecht. Doch verglichen mit Elektroautos auf einer eigenen Plattform ist der EQA innen eine halbe Nummer kleiner, was vor allem die Hinterbänkler zu spüren bekommen. Autos wie der ID3 von VW oder der i3 von BMW bieten da auf weniger Fläche mehr Platz. Immerhin behält der EQA trotz der Akkus ein Kofferraumvolumen von 340 Litern.

Immer mit der Ruhe

Dafür haben die Schwaben in ein paar anderen Disziplinen die Nase vorn: Die Dämmung gegen Geräusche und Vibrationen zum Beispiel ist so wirkungsvoll, dass so viel Ruhe herrscht wie sonst nur in der S-Klasse. Die intelligente Routenplanung bezieht nicht nur Topographie und Wetter mit ein, sondern berechnet auch die besten Ladestopps und optimiert so die Reisezeit. Und wer die fünf Rekuperationsstufen durchschaltet, erlebt die volle Bandbreite des Bremsens beim elektrischen Fahren. In der schwächsten Stufe segelt der EQA Kilometer weit, sobald man den Fuß hebt. Und in der stärksten verzögert er so stark, dass man schon mal den Gurt etwas fester spürt.

Über 400 Kilometer Reichweite

Zum Start gibt es den EQA ausschließlich als 250er mit einem 140 kW/190 PS starken Motor im Bug. Gespeist wird der aus einem Akku mit einer Kapazität von 66,5 kWh, der an der Gleichstromsäule im besten Fall in 30 Minuten zu 80 Prozent geladen ist und im WLTP-Zyklus für 426 Kilometer reicht. Mit dem spontanen Antritt von 375 Nm beschleunigt der EQA in 8,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Und ohne die sonst oft übliche Trägheit bei höherem Tempo zieht er weiter durch, bis ihm die Elektronik bei 160 km/h den Stecker zieht. Dabei stören die 400 Kilogramm Mehrgewicht nicht. Im Gegenteil: Weil sie den Schwerpunkt senken, fährt der EQA besser durch enge Kurven. Und auf der Geraden liegt er damit stabiler auf der Straße und wirkt entsprechend souveräner. Wie bei den konventionellen Modellen will Mercedes die Palette aber etwas weiter auffächern. So stellen die Schwaben eine Version mit über 500 Kilometern Reichweite in Aussicht und eine mit zwei Motoren und dann mehr als 200 kW/272 PS und Allradantrieb. Und wer mehr Platz braucht, bekommt bald auch einen EQB, dem der GLB als Basis dient.

Fazit: Kompromiss ohne Nebenwirkungen

Ein moderner Antrieb in einem konventionellen Auto - der EQA ist zwar nur ein Kompromiss, aber ein guter. Und immerhin kommt Mercedes damit seinen Konkurrenten von Audi und BMW in diesem Kompaktsegment deutlich zuvor. Auf Dauer allerdings wird es mit umgerüsteten Standardmodellen nicht mehr gehen. Das wissen auch die Schwaben und ziehen daraus ihre Konsequenzen: Wenn im Herbst der EQS zur S-Klasse stößt, nutzt er eine eigene Elektro-Architektur.

Datenblatt: Mercedes EQA 250

Motor und Antrieb: Elektroantrieb
Max. Leistung: 140 kW/190 PS
Max. Drehmoment: 375 Nm
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Eingang-Getriebe
Maße und Gewichte
Länge: 4462 mm
Breite: 1834 mm
Höhe: 1620 mm
Radstand: 2729 mm
Leergewicht: 2040 kg
Zuladung: 430 kg
Kofferraumvolumen: 340-1320 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,9 s
Durchschnittsverbrauch: 17,7 kWh/100 km
Reichweite: 426 km
Batteriekapazität: 66,5 kWh
CO2-Emission: 0 g/km
Kraftstoff: Strom
Schadstoffklasse: Euro6d temp
Effizienzklasse: A+
Kosten:
Preis des EQA 250: 47.541 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 0 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Acht Airbags, ESP, Spurhalte- und Abstandsregelung
Komfort: Klimaanlage, Digitale Instrumente, Sitzheizung

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

© dpa-infocom, dpa:210309-99-747064/9


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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