Kein Schadenersatz für unaufmerksamen Fußgänger

20.02.2019
Das Überqueren eines Geh- und Radwegs, ohne nach links und rechts zu sehen, ist nicht nur gefährlich, sondern auch fahrlässig. Denn im Fall einer Kollision mit anderen Verkehrsteilnehmern ist jede Hoffnung auf Entschädigung dahin.
Fahrradfahrer und Fußgänger teilen sich einen Weg. Damit stehen beide Verkehrsteilnehmer in der Sorgfaltspflicht. Foto: Soeren Stache
Fahrradfahrer und Fußgänger teilen sich einen Weg. Damit stehen beide Verkehrsteilnehmer in der Sorgfaltspflicht. Foto: Soeren Stache

Celle (dpa/tmn) - Wer ohne zu gucken auf einen Radweg läuft und angefahren wird, kann nach einem Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Celle nicht auf Schadenersatz hoffen.

Für das Überschreiten eines Geh- und Radweges gelte dieselbe Sorgfaltspflicht wie beim Überqueren einer Straße, entschied das Gericht. Der Kläger war beim Verlassen seines Grundstücks mit einem auf dem davor verlaufenden Geh- und Radweg fahrenden Rennradfahrer zusammengestoßen, der zuvor einer entgegenkommenden Joggerin ausgewichen war. Beide Männer verletzten sich. Wie das Gericht urteilte, habe der Fußgänger eine Schuld des Radfahrers nicht nachweisen können. (Az.: 14 U 102/18)

Es sei nicht festzustellen gewesen, dass der Radfahrer mit wesentlich mehr als Tempo 20 und damit unangemessen schnell unterwegs war. Auch sei nicht feststellbar gewesen, dass der Radfahrer in einem unerwartbar geringen Abstand zu der Hecke gefahren sei. Vielmehr sei der Kläger nach eigenen Angaben, ohne zuvor vorsichtig geschaut zu haben, dem Radfahrer unmittelbar vor sein Rad gelaufen.

Obwohl der Kläger auch in zweiter Instanz erfolglos blieb und das OLG die Revision nicht zuließ, legte der Fußgänger dagegen eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof ein. Dabei war die Entscheidung des OLG nicht überraschend. Es bezog sich auf ein früheres eigenes Urteil von 2002 und einen BGH-Entscheid mit gleichem Tenor von 1961.

OLG-PM


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ausgezeichnet und verpflichtend: Das runde Verkehrszeichen Nummer 236 markiert einen Radweg, der für Fahrradfahrer verbindlich zu nutzen ist. Foto: Uli Deck/dpa/dpa-tmn Wo dürfen Radler tatsächlich fahren Radfahrer und Autofahrer würden sich im Verkehr am liebsten aus dem Weg gehen. Wo gut ausgebaute Radwege fehlen, kommt es oft zu Streit. Dabei sind die Regeln eindeutig.
Gerade in den Sommermonaten kommen sich die Radfahrer vielerorts in die Quere. Für alle heißt es daher «Rücksicht nehmen». Foto: Lino Mirgeler Eine Typologie der Radfahrer Autofahrer, Lieferanten, Fußgänger, Baustellen - die Hindernisse auf dem Weg eines Radfahrers sind vielseitig. Dabei machen die Artgenossen mindestens genauso viele Probleme.
Das Warnsystem "Bike-Flash" überwacht den toten Winkel von Fahrzeugen durch Wärmesensorik. Wird ein Radfahrer erkannt, blinken vier Leuchten und warnen den LKW-Fahrer. Foto: Hauke-Christian Dittrich Neues Warnsystem soll Radfahrer vor Lastwagen schützen Zwar schaut der Lastwagenfahrer beim Abbiegen in den Spiegel, den Radler im toten Winkel aber sieht er nicht. Immer wieder folgen tödliche Unfälle. Die soll ein neuartiges Warnsystem verhindern.
Autofahrer müssen mit mäßigem Tempo an Zebrastreifen heranfahren. Foto: Ronald Wittek Wie verhalten sich Autofahrer am Zebrastreifen richtig? An Zebrastreifen kommt es oft zu Unfällen, weil Fußgänger übersehen werden. Für Autofahrer gelten in der Nähe von Fußgängerüberwegen daher besondere Regeln.