Kein Mitverschulden an Unfall bei Schreckreaktion

22.03.2016
Eine Fußgängerin erschreckte sich vor einem bellenden und trat auf die Fahrbahn. Dort erfasste der Autospiegel eines fahrenden Autos. Ein Gericht klärte nun die Schuldfrage.
Trifft Unfallbeteiligte auch nach einer Schreckreaktion eine Mitschuld? Darüber entschied zuletzt das Oberlandesgericht Karlsruhe. Foto: Uli Deck
Trifft Unfallbeteiligte auch nach einer Schreckreaktion eine Mitschuld? Darüber entschied zuletzt das Oberlandesgericht Karlsruhe. Foto: Uli Deck

Karlsruhe (dpa/tmn) - Kommt es aufgrund einer Schreckreaktion zu einem Unfall, trifft den Verursacher meist keine Schuld. Das hat laut der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins das Oberlandesgericht Karlsruhe entschieden (Az.: 9 U 9/14).

In dem verhandelten Fall ging eine Frau am Fahrbahnrand einer Straße, die keinen Gehweg hat. Als an einem Grundstück plötzlich ein Hund bellte und gegen den Zaun sprang, trat sie einen Schritt zur Seite auf die Fahrbahn. Dabei erfasste sie der Außenspiegel eines Autos und verletzte sie. Der Autofahrer meinte, dass die Fußgängerin ein Mitverschulden treffe.

Das sah das Gericht anders. Zwar hätte die Fußgängerin nicht auf die Fahrbahn treten dürfen. Es müsse allerdings berücksichtigt werden, dass es sich um eine Schreckreaktion handelte. Die Frau habe quasi aus Reflex gehandelt. Daher trage sie auch keine Mitschuld. Der Autofahrer musste den gesamten Schaden bezahlen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Neuwagen in Europa verbrauchen einer Studie zufolge immer noch mehr Sprit als die Hersteller angegeben. Foto: Christophe Gateau/dpa Auto verbraucht mehr als angegeben - Was können Kunden tun? Wenn der Wagen mehr Sprit schluckt als vom Hersteller angegeben, ist das für Kunden ärgerlich. Das ist keine Seltenheit, wie eine Studie zeigt. Was können Verbraucher tun?
Das Logo von Volkswagen auf einer Motorabdeckung eines VW Golf 2,0 TDI. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa Was taugt die Verbraucherklage für Dieselfahrer? Vor knapp vier Jahren flog der VW-Dieselskandal auf. Viele Kunden fühlen sich betrogen und fordern Schadenersatz. Ein Mammut-Prozess kommt jetzt vor Gericht. Für wen lohnt sich diese besondere Klage?
Kfz-Haftpflichtversicherer können Verträge nicht ohne triftigen Grund kündigen. Auf diese Weise darf etwa kein Tarifwechsel erzwungen werden. Jens Schierenbeck/dpa/tmn Foto: Jens_Schierenbeck Auto-Haftpflichtversicherer kann nicht einfach kündigen Wer schon vor vielen Jahren eine Auto-Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat, zahlt manchmal einen besonders günstigen Tarif. So mancher Anbieter reagiert darauf mit einer Kündigung. Zulässig ist das nicht.
Wer für den Zustand der Leih-E-Scooter verantwortlich ist, steht in den Nutzungsbedingungen. In manchen Fällen sind es die Nutzer selbst. Foto: Christoph Soeder Bedingungen bei Leih-E-Scootern oft fragwürdig Kleine Flitzer mit E-Antrieb sollen ein neues Mobilitätsangebot in Städten sein und dabei Spaß machen - auch spontan gebucht zum Mieten. Verbraucherschützer sind aber nicht amüsiert über die Konditionen.