Honda NSX: Renner mit reiner Seele

16.03.2016
Wer sagt denn, dass der Hybridantrieb nur zum Sparen taugt. Wenn Honda jetzt nach zehn Jahren endlich den Supersportwagen NSX zurückbringt, dann nutzen die Japaner die elektrische Unterstützung vor allem für den Fahrspaß.
Honda will mit dem NSX zurück auf die Überholspur. Foto: Honda
Honda will mit dem NSX zurück auf die Überholspur. Foto: Honda

Berlin (dpa-infocom) - Effiziente Elektromotoren, leistungsstarke Akkus, eine Leichtbaukarosserie und ein niedriger Luftwiderstand: Wenn Automobilentwickler solche Stichworte geben, ist in der Regel von neuen Spritspar-Modellen die Rede.

Ted Klaus nutzt zwar das gleiche Vokabular, hat aber andere Ziele: Der Ingenieur ist Projektleiter für den neuen NSX und will Honda mit dem Comeback des Supersportwagens in diesem Herbst endlich wieder zurück auf die Überholspur bringen. Und weil schon der vor fast genau 25 Jahren präsentierte Vorgänger die Grenzen im Sportwagenbau verschoben hat, musste sich Klaus auch diesmal wieder etwas besonderes einfallen lassen. «Schließlich steht NSX für «New Sportscar Experience»», sagt der Projektleiter. Er verspricht deshalb den Kunden für stolze 180 000 Euro eine neue Erfahrung.

Vier Motoren für maximalen Fahrspaß

Haben für diese neue Erfahrung in der ersten Generation noch eine Alu-Karosse und ein V6-Motor mit 201 kW/274 PS gereicht, musste Klaus diesmal ein paar mehr Register ziehen. Zwar trägt auch der neue NSX wieder einen Sechszylinder im Heck, der nun aus 3,5 Litern Hubraum dank zweier Turbos bereits 373 kW/507 PS schöpft und sein heißeres Lied durch gleich vier Endrohre brüllt. Doch gibt es dazu nun auch noch einen 35 kW/48 PS starken E-Motor im Heck und zwei von jeweils 27 kW/37 PS im Bug des Flachmanns. So steigt die Systemleistung auf 427 kW/581 PS und das Drehmoment gipfelt bei gewaltigen 698 Nm.

Mehr Emotionen, weniger Emissionen

Die aus einem Lithium-Ionen-Akku gespeisten Hybridmotoren sind für Klaus weniger einer Frage des grünen Zeitgeistes. Selbst wenn er sich natürlich freut, dass so der Normverbrauch auf 10,4 Liter (CO2-Ausstoß 246 g/km) sinkt und man des nachbarschaftlichen Friedens zuliebe ein paar Kilometer elektrisch aus dem Wohngebiet surren kann. Sondern Honda geht es dabei vor allem um die Performance.

Beamen statt fahren

Der Elektromotor im Heck gibt dem NSX beim Kickdown schon dann den ersten Tritt, wenn die Lader noch mühsam ihren Druck aufbauen. Das fühlt sich naht- und reibungslos an. Und es geht so schnell, dass man in weniger als drei Sekunden auf Tempo 100 ist und in nicht einmal einer halben Minute die 300er-Marke knackt. Mindestens genauso eindrucksvoll ist die Wirkung der beiden E-Maschinen in der Front. Weil sie individuell angesteuert werden und jeweils nur auf ein Rad wirken, lässt sich die Flunder damit viel leichter um die Kurven treiben.

Die Radien werden enger, das Tempo wird höher und die Linienführung immer abenteuerlicher. Doch der NSX bleibt die Ruhe selbst und zieht stoisch seine Bahn - auch wenn die Reifen noch so quietschen und bisweilen die ESP-Leuchte flackert. Obwohl Honda dafür mehr Rechenleistung braucht als ein Airbus, hat das Motoren-Quartett nichts Gekünsteltes: Stets ist der Fahrer im guten Glauben, er alleine hätte hier das Sagen.

Showstar ohne Allüren

So futuristisch der Antrieb und so faszinierend die Fahrleistungen, so konventionell sind Aufbau und Ambiente des NSX. Das Design ist funktional, das Coupé mit dem Sechs-Augen-Gesicht weder so überzeichnet wie ein Lamborghini noch so spacig wie ein BMW i8. Und wo man bei der Konkurrenz oft eingezwängt wird, wirkt der NSX hell und luftig. Die Sessel bieten Halt und sind bequem genug für lange Strecken. Das digitale Cockpit ist so klein, dass man spielend darüber hinweg sehen kann.

Abgesehen von Komfort und Kommunikation braucht man zum Fahren nur den Drehregler, mit dem man die vier Eskalationsstufen des Antriebs wählt. Und die Aussicht ist so gut, dass man das Auto um sich herum nach zwei, drei Kurven fast vergessen hat. Auch das gehört zu der neuen Erfahrung, die Klaus seinen Kunden verspricht.

Rarer Raser

Bei aller Begeisterung werden allerdings nur Wenige im NSX-Nachfolger sitzen. Das liegt nicht nur am stolzen Preis von 180 000 Euro, sondern auch an der limitierten Produktion. Denn die Manufaktur im US-Staat Ohio produziert nur Autos am Tag. Weil das im Jahr rund 1500 Fahrzeuge sind und mehr als die Hälfte davon in den USA bleiben, stimmt Honda die Europäer schon mal auf lange Lieferfristen ein. Aber so kommt zum Rausch des Rasens noch der Reiz des Raren.

Fazit: Zurück in die Zukunft

Er sieht gut aus und fährt noch besser - so legt der NSX ein eindrucksvolles Comeback hin und macht seinem Namen alle Ehre. Denn was Honda mit dem Zusammenspiel des Benziners und der drei Elektromotoren erreicht, ist tatsächlich eine neue Erfahrung, die für die Zukunft des Sportwagens hoffen lässt.

Datenblatt: Honda NSX

Motor und Antrieb

Maße und Gewichte

Fahrdaten

Kosten

Wichtige Serienausstattung

Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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