Für wen lohnen sich Telematiktarife?

27.07.2020
Einige Kfz-Versicherungen bieten Autofahrern mittlerweile sogenannte Telematiktarife an. Im Austausch für Daten zum Fahrstil locken dabei günstigere Tarife. Für wen lohnt sich das?
Wie schlage ich mich? Per App lassen sich Einzelheiten zum Fahrstil aufrufen. Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn
Wie schlage ich mich? Per App lassen sich Einzelheiten zum Fahrstil aufrufen. Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn

Mainz/Berlin (dpa/tmn) - Achtsames Fahren zahlt sich aus - mit diesem Argument werben diverse Versicherungen für ihre Telematiktarife. Via Tele(kommunikation) und (Infor)matik sammeln die Unternehmen laufend Informationen über das Fahrverhalten ihrer Kunden.

Technisch geht das über eine im Auto installierte Blackbox, eine App oder einen Datenstick mit GPS-Übermittlung. Die Daten werden an die Versicherung übermittelt, dort gespeichert und bestimmen die Prämie nach dem konkreten Fahrverhalten. Bewertet werden unter anderem Tempo Bremsverhalten, Beschleunigung, Kurvenfahrweise und Fahrtzeiten.

Für Fahranfänger eine Überlegung wert

Doch die Versicherer werten die Daten verschieden aus. Im Vergleich stellt Michael Bruns von der Stiftung Warentest fest: «Was in den Score einfließt, ist je nach Versicherer unterschiedlich, jede App gewichtet die Daten anders.» Ein Telematiktarif lohne sich in erster Linie für Fahranfänger in den ersten Jahren am Steuer. Bei Älteren würden dagegen so viele Parameter bei einem Versicherungsabschluss abgefragt, «dass man vergleichsweise wenig einsparen würde».

«Wir sagen pauschal, dass es sich für Fahranfänger lohnt, da hier die prozentuale Einsparung von bis zu zehn Prozent deutlich mehr bringt, davon ausgehend, dass die Grundprämie bei einem jungen Fahrer wesentlich höher ist», sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE).

Man bezahlt für die gefahrenen Kilometer

Finanziell entscheidend seien, so Heinze, die tatsächlichen Zahlen: «Ohne eine spezielle Versicherung zu empfehlen, ist bei den Telematiktarifen das Charmante, dass wirklich für die Kilometer bezahlt wird, die gefahren werden.»

Doch Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bekommt häufig Rückmeldungen von unzufriedenen Versicherungsnehmern: «Nach dem, was ich höre, schaffen es die Versicherten nicht, tatsächlich Beiträge zu sparen, indem sie besonders schonend oder sparsam fahren. Wenn sie beispielsweise irgendwo wohnen, wo sie morgens schon steile Kurven fahren, bremsen und Gas geben müssen, verderben Sie sich damit direkt den Schnitt.»

Der Verbraucherschützer sorgt sich vor allem um den Datenschutz. «Natürlich werden die Daten offiziell ausschließlich und anonymisiert gesammelt und ausgewertet an die Versicherer gegeben, doch wer kontrolliert oder gewährleistet das?», fragt sich Wortberg.

Zu welcher Technik raten die Experten?

Wenn es um die Technik geht, rät Warentester Bruns zur App: Sie sei die einfachste Variante und zeichne nur dann auf, wenn sie aktiviert ist. «Man sollte immer drauf achten, dass man sie nach der Fahrt ausschaltet, damit sie nicht, wie bei mir geschehen, beispielsweise eine U-Bahnfahrt wertet und dadurch einen schlechteren Score ermittelt.» Denn Fahrer können nach jeder Fahrt die Punkte prüfen, und man kann laut Bruns in Einzelfällen den Versicherer anrufen, um eine Fahrt mit Taxi oder U-Bahn wieder löschen zu lassen.

Von einem in den Zigarettenanzünder zu steckenden Stick raten dagegen die Experten von ACE und Verbraucherschutz genauso ab wie von der App auf dem Handy - auch weil Mobiltelefone unterwegs ablenken und man nicht wisse, wie genau die App-Aufzeichnungen sind. «Daher empfehlen wir klar eher den Verbau einer Blackbox.» Doch eine solche bieten nicht alle Versicherer an, und sie kostet zusätzlich. Dafür belastet die App konstant den Handyakku, könnte das Datenvolumen verbrauchen und im Ausland richtig teuer werden.

Infokasten: Was hilft für eine gute Bewertung und günstigen Tarif?

Was bei Telematiktarifen für das Auto idealerweise zu tun ist und welche Kriterien vorteilhaft sind, um vom Versicherer besonders günstig bewertet zu werden, fasst Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz so zusammen: Am besten lebt man auf dem verkehrsarmen Land und nutzt ein neueres Auto. Man fährt nicht zu Stoßzeiten oder nachts und meidet bergige, kurvenreichen Straßen - und fährt grundsätzlich nicht sportlich und überhaupt sehr wenig. Kurven nimmt man besser grundsätzlich langsam, bremst sehr frühzeitig und sanft und hält sich konstant an alle Beschränkungen.

© dpa-infocom, dpa:200723-99-895011/7


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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