Freigaben für Abgas-Nachbesserungen bei 500 000 Dieselautos

16.02.2017
Nach den Manipulationen bei VW wurden auch bei anderen Autotypen auffällige Abgaswerte entdeckt. Die Hersteller sagten «freiwillig» Umrüstungen zu. Nachdem sich lange nichts tat, ist nun der Weg frei.
Das Kraftfahrt-Bundesamte macht den Weg frei: Modelle von Mercedes, Opel und den leichten VW-Nutzfahrzeugen können nun umgerüstet werden. Foto: Carsten Rehder/dpa
Das Kraftfahrt-Bundesamte macht den Weg frei: Modelle von Mercedes, Opel und den leichten VW-Nutzfahrzeugen können nun umgerüstet werden. Foto: Carsten Rehder/dpa

Berlin (dpa) - Als Konsequenz aus dem VW-Skandal können versprochene Abgas-Nachbesserungen bei europaweit einer halben Million Dieselautos mehrerer Hersteller anlaufen. Rund 150 000 davon sind in Deutschland zugelassen, wie das Bundesverkehrsministerium mitteilte.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gab die Umrüstung für Modelle von Mercedes, Opel und den leichten VW-Nutzfahrzeugen frei. Hintergrund sind Nachmessungen im Zuge der Abgas-Affäre. Bei 22 Modellen ergaben sich dabei Zweifel, ob ein Abschalten der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen mit dem Schutz von Motorbauteilen zu begründen ist. Die betroffenen deutschen Hersteller sagten für 630 000 Fahrzeuge Nachbesserungen zu.

Die Autobauer mussten dem KBA Umrüstungskonzepte vorlegen, mit denen der Ausstoß von Stickoxid (NOx) verringert wird. Angelaufen war dieser «freiwillige» Rückruf im September mit dem Geländewagen Macan von Porsche. Laut dem Ministerium wurden Freigaben für mehrere Mercedes-Modelle erteilt: die 1,5-Liter-Motoren von A-Klasse, B-Klasse, CLA-Klasse und GLA-Klasse sowie 2,1-Liter-Motoren der V-Klasse. Bei Opel wurde die Umrüstung für den Insignia (2,0 Liter) freigegeben, bei VW für den Amarok und Crafter (beide 2,0 Liter).

Dobrindt sagte, mit der freiwilligen Serviceaktion würden mehr als 500 000 Fahrzeuge in Europa umweltfreundlich umgerüstet. Der Minister hatte den Rückruf im April 2016 angekündigt. Unabhängig davon läuft ein verpflichtender Rückruf für 2,4 Millionen Autos von Volkswagen, aus denen eine verbotene Manipulations-Software entfernt werden muss. Hierfür seien «bis auf wenige Tausend Fahrzeuge» alle Freigaben für die Umrüstung erteilt worden, erklärte das Ministerium.

Pressemitteilung Verkehrsministerium


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer sich einen Diesel kaufen möchte, sollte ein Modell mit der neuen Abgasnorm Euro 6d wählen. Foto: Marcel Kusch Zum Urteil: Diesel-Neuwagen nur mit Abgasnorm Euro 6d kaufen Künftig können in Städten Fahrverbote für Autos mit Dieselmotoren verhängt werden. Doch wie und wann genau das umgesetzt wird, ist derzeit noch unklar. Was sollten Autofahrer beachten, wenn sie ausgerechnet jetzt ein Auto mit Diesel kaufen wollen?
Gegen die anhaltende Feinstaubbelastung der Luft soll in einem Pilotprojekt das spezielle Moos die Schadstoffe binden und als Dünger nutzen. Foto: Lino Mirgeler Sauger, Kleber, Moos: Der bizarre Kampf gegen miese Luft Der Kampf gegen Luftverschmutzung wird inzwischen in nahezu allen Großstädten geführt. Hier mehr, da weniger. Meist geht es um die Reduzierung des Verkehrs, es gibt aber auch viele andere Ideen. Wobei aus einigen auch pure Verzweiflung spricht.
In Barcelona dürfen Diesel-Pkw mit Erstzulassung vor 2006 und Benziner mit Erstzulassung vor 2000 nicht auf die Straße, wenn bereits zu viel Stickoxid in der Luft liegt. Foto: Quique Garcia Europas Metropolen setzen auf Fahrverbote Nach dem Diesel-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts sind in Deutschland Fahrverbote in Städten grundsätzlich möglich. Anderswo in Europa sind solche Einschränkungen längst Alltag. Und manche Pläne sind weit ehrgeiziger als in der Autonation Deutschland.
Zwischen dem von Herstellern angegebenen Kraftstoffverbrauch und den von europäischen Kunden festgestellten Verbrauch klafft eine große Lücke. Das ist das Resultat einer Umweltstudie. Foto: Jan Woitas Auch drastisch höherer CO2-Ausstoß bei vielen Autos Mit ihren entscheidenden Hinweisen auf fragwürdige Stickoxid-Werte gelang der Umweltorganisation ICCT 2015 ein Coup. Die VW-Abgas-Affäre wäre ohne sie wohl nicht so schnell aufgeflogen. Jetzt könnte sich eine neue Dimension abzeichnen.