Fahren auf Eis und Schnee mit Walter Röhrl

30.11.2021
Wenn die Straßen nass und glatt sind, wird es für Autofahrer gefährlich. Mit diesen Tipps vom zweifachen Rallye-Weltmeister Walter Röhrl kommen Sie sicherer durch den Winter.
Winterwunderland? Die kalte Jahreszeit kann in der Tat faszinieren, doch fordert sie von Autofahrern höchste Konzentration und extrem angepasste Fahrweise. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/dpa-tmn
Winterwunderland? Die kalte Jahreszeit kann in der Tat faszinieren, doch fordert sie von Autofahrern höchste Konzentration und extrem angepasste Fahrweise. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/dpa-tmn

Sankt Englmar (dpa/tmn) - Walter Röhrl ist zweifacher Rallye-Weltmeister, vierfacher Sieger der Rallye Monte Carlo und begann 1968 das Rallye-Fahren. Mehrere Jahrzehnte war er schnell und sicher auf allen Untergründen unterwegs.

Hier gibt er Tipps, wie Autofahrer sicher bei Eis und Schnee fahren. Dafür ist auch ein winterfestes Auto wichtig. Dazu gehören: Winterzusätze für Kühl- und Wischwasser, einwandfreie Beleuchtung und frische Wischblätter. Ebenso Winterreifen mit mindestens 4 Millimeter Profiltiefe. «Die gesetzliche Mindesttiefe von 1,6 Millimeter bringt im Winter auf Schnee absolut nichts», sagt Walter Röhrl. In Bergen oder sehr schneereichen Regionen braucht es passende Schneeketten. «Lenk- und Fahrmanöver funktionieren nur, wenn die Räder ausreichend Grip haben.»

Vor dem Start

Alle Scheiben freimachen. «Durch kleine Gucklöcher können Autofahrer den Verkehr nur unzureichend beobachten und reagieren zu langsam. Das ist gefährlich und unnötig», sagt der Rallye-Profi. Dann gilt: Schuhe und Jacken von Schnee abklopfen und Jacke ausziehen. Wenn der Schnee im Auto taut, beschlagen die Scheiben schneller und die Lüftung muss stärker arbeiten.

Dicke Wintermäntel schränken die Bewegungsfreiheit ein und der Sicherheit sitzt nicht richtig am Körper. «Dicke Handschuhe und Mützen haben im Auto am Fahrer nichts zu suchen. Das Lenkrad wird nicht griffig gehalten und die Mütze kann die Sicht behindern», sagt Walter Röhrl. Los geht's:

Geschwindigkeit anpassen und vorausschauend fahren

Das Wichtigste bei Schnee und Eis ist angepasste Geschwindigkeit. Nur wer langsam fährt, hat ausreichend Zeit zu reagieren und kann sich auf die winterlichen Anforderungen einstellen. «Wer zu schnell auf eine Kurve zufährt, der kann den Wagen kaum noch beherrschen. Mensch und Maschine können die physikalischen Grenzen nun einmal nicht überlisten», sagt Röhrl.

Möglichst wenig lenken

Gerade bei Schnee gilt: noch mehr Gefühl als sonst. «Bei glattem und rutschigem Untergrund fährt derjenige flüssig, der gefühlvoll mit Gas, Kupplung, Bremse und Lenkung umgeht», sagt Walter Röhrl. Also weicher beschleunigen und bremsen sowie weicher einlenken. Bei einer Vollbremsung hilft aber nur, mit voller Wucht aufs Bremspedal zu steigen, damit das Antiblockiersystem (ABS) so schnell und so effizient wie möglich eingreifen kann.

Wenn ein Auto zu rutschen beginnt - keine Panik

Wenn ein Auto rutscht, kann es die Geschwindigkeit nicht mehr tragen. Dann müssen Piloten versuchen, Gas wegzunehmen und sanft zu bremsen. Dank ABS lässt sich das Auto in der Regel noch lenken. Wichtig: Die Reifen zeigen immer in die Richtung, in die das Auto fahren soll. «Wenn Autofahrer gegenlenken können, dann bitte wenig, meist reicht eine viertel Lenkradumdrehung, damit das Auto wieder dorthin fährt, wo es hin soll», sagt Röhrl.

Hektisches Lenken und Bremsen verschlimmert die Situation nur. «Wie viel gegengelenkt werden muss, hängt davon ab, wie schnell ich fühle, dass das Fahrzeug hinten die Haftung verloren hat - je früher, um so weniger, wer's spät fühlt, umso mehr», sagt Röhrl.

Übung macht den Meister

Wer noch nie mit dem Auto an seine physikalischen Grenzen gekommen ist, sollte es bei einem Fahrsicherheitstraining ausprobieren. Unter anderem lernt man, wie sich ein Fahrzeug bei Glätte verhält und man sich in Grenzsituationen richtig verhalten. Gegenlenken und driften will geübt sein. «Wer das noch nie ausprobiert hat, sollte das auf öffentlichen Straßen auch nicht machen. Das klappt in den seltensten Fällen», sagt der Profi.

Häufige Fehler

Schnee, Eis und glatte Straßen verlangen vom Fahrer volle Konzentration. Dazu gehören auch das Vorstellen und Mitdenken von neuen Situationen. Auf Brücken kann Seitenwind aufs Auto drücken, in einem Waldstück kann plötzlich die Fahrbahn vereist sein oder nach einem Waldstück plötzlich Schnee auf der Straße liegen. «Die Gedanken müssen während der Fahrt beim Autofahren sein und nirgendwo anders», sagt Röhrl.

Und: Schnee muss nicht unbedingt rutschig sein. Kalter, festgefahrener Schnee kann noch ausreichend Haftung und damit gute Fahrbarkeit bieten. Bei matschigem Schnee wird es rutschiger, das muss man einkalkulieren. Bei Blitzeis fährt selbst ein Rallye-Profi kein Auto mehr. Vernünftiger: ein paar Stunden zu warten, bis das Eis entweder getaut ist oder Schnee die glatte Oberfläche wieder befahrbar macht.

Das ganze Jahr über wichtig: Richtig am Steuer sitzen

Nur wer richtig hinter dem Lenkrad sitzt, kann in brenzligen Situation schnell reagieren. Rallye-Legende Walter Röhrl: «Mit komplett durchgestreckten Armen am Lenkrad zu reißen, hilft nicht weiter. Die richtige Sitzposition ist immer wichtig», sagt er. Der Fahrer muss mit fast gestrecktem Bein die Bremse voll durchtreten können. Es darf nur ein Restbeugewinkel im Knie bleiben. Die Oberschenkel liegen dabei so weit wie möglich auf dem Sitz.

Bei der idealen Lenkposition liegen die Hände auf drei und neun Uhr und die Ellenbogen sind leicht gebeugt. Das obere Ende des Lenkrads muss noch erreichbar sein, ohne dass man sich aus dem Sitz heben muss. Dabei liegt der Rücken so weit wie möglich an der Lehne. Damit der Kopf- und Nackenbereich bei einem Aufprall nicht verletzt werden, schließt die Kopfstütze am oberen Rand mit der Scheitelhöhe ab und ist so nah wie möglich am Hinterkopf platziert.

© dpa-infocom, dpa:211129-99-186864/6


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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