Erlebt der Buggy als E-Auto ein Comeback?

24.09.2019
Gute Laune, viel Charme - und absolut ohne Sinn. Ein Auto wie den vom neuen ID.3 abgeleiteten Buggy hätte man bei jedem erwartet, aber nicht bei VW. Dabei hat diese Lebenslust durchaus Tradition.
Sandflöhe unter sich: Der ID Buggy wirkt bulliger als das Original. Foto: Ingo Barenschee/Volkswagen AG/dpa-tmn
Sandflöhe unter sich: Der ID Buggy wirkt bulliger als das Original. Foto: Ingo Barenschee/Volkswagen AG/dpa-tmn

Pismo Beach/Wolfsburg (dpa/tmn) - Es ist mehr als 50 Jahre her, da wurde der weltberühmte VW Käfer unter tatkräftiger Mithilfe des kalifornischen Bootsbauers Bruce Meyers zum Buggy.

Geht es nach VW-Designchef Klaus Bischof, könnte der legendäre Strandflitzer bald ein Comeback erleben. «Uns fehlt ein Auto mit Charakter, ein Sympathieträger, der gute Laune macht», hat er erkannt und sein Heil deshalb in der Vergangenheit gesucht: Seit dem Genfer Salon in diesem Frühjahr ist der Buggy wieder in aller Munde. Jeder hofft, dass es der Sandfloh mit der Technik des elektrischen ID.3 irgendwie in eine Kleinserie schafft.

Dass die Hoffnung nicht unberechtigt ist, zeigt ein Blick auf das Original, das Bischoff als Vorlage diente: Denn auch der erste Buggy war keine eigene Entwicklung, sondern ein Umbau auf Basis des VW Käfers. Der Kopf dahinter war der kalifornische Bootsbauer Bruce Meyers aus dem Surfer-Paradies Pismo Beach. Er wollte ein cooles Auto für den Strand haben. «Und weil ich das nicht kaufen konnte, habe ich es mir eben selbst gebaut», erinnert sich der heute über 90-Jährige.

Kunststoff statt Metall

Aus Metall durfte es nicht sein. Erstens, weil die blechernen Strandautos seiner Kumpels ständig auseinander fielen. Und zweitens, weil er in seiner Werft die meiste Zeit mit glasfaserverstärktem Kunststoff gearbeitet hat.

Als Basis hat der Tüftler den Käfer gewählt, weil der mit seinem Heckmotor perfekt geeignet war, und weil es ihn als billigen Gebrauchten oder auf dem Schrott zuhauf gab: «Alte Karosserie runter, neue Karosserie drauf, vorher noch das Chassis gekürzt und ein paar dicke Reifen auf die Achsen gesteckt, schon wurde aus dem Beetle ein Beachboy», fasst er das Rezept zusammen, nach dem er 1964 zu Werke ging. In den USA wird der Käfer häufig Beetle genannt.

Unerwartete Serienproduktion

Nur ist es nicht bei einem Auto geblieben. Weil seine Frau ein bisschen Reklame gemacht hatte, viele Bekannte Gefallen an dem Flitzer fanden und man die Karosse beliebig reproduzieren konnte, ist Meyers schnell in eine Art Serienproduktion eingestiegen. Zudem haben ihn zahlreiche andere Tüftler und Karosseriebauer kopiert und ihre eigenen Buggys entwickelt, etwa Karmann in Osnabrück.

Das Konzept funktioniert ein halbes Jahrhundert später immer noch. Mit dem elektrischen ID Buggy und erst recht mit dem Original: Nur geschützt von einer kurzen Frontscheibe sitzt man ohne Dach und Türen in einer kunterbunten Plastikwanne und fühlt sich den Elementen genau wie den Blicken der anderen schutzlos ausgesetzt.

Mit dem Buggy durch die Dünen wirbeln

Doch wenn man schon im Blickpunkt des Interesses sitzt, sollte man seinem Publikum auch was bieten. Und das kann der Buggy - trotz eines mickrigen 1,5 Liter-Boxers mit ernüchternden 32 kW/44 PS.

Wenn der Motor aber kaum mehr als 500 Kilogramm Leergewicht bewegen muss und unter den Ballonreifen nichts als Strand ist, dann spritzt der Sand rasch meterhoch und der Zweisitzer wirbelt durch die Dünen.

Auf der Landstraße lässt der Elan aber schnell nach: Bis Tempo 100 braucht der Buggy rund 30 Sekunden und viel schneller wird er nicht. Aber mal ehrlich: Wenn sich schon 50 Stundenkilometer rasant anfühlen - wer will dann wirklich so schnell fahren?

Das Ende der Sandfloh-Ära

Zwar hat Meyers viele Nachahmer gefunden. Nach Schätzungen von VW-Sprecher Christian Buhlmann wurden von über einem Dutzend Firmen rund 250.000 Buggys gebaut. Doch mit zunehmend strengeren Crash- und Abgasvorschriften und nicht zuletzt mit dem Ende des Käfers ging die die Ära der Sandflöhe wieder vorbei - zumal irgendwann die meisten Strände für Autos gesperrt wurden.

Entsprechend limitiert ist mittlerweile die Auswahl an Gebrauchten. Man muss vergleichsweise lange suchen und tief in die Tasche greifen, wenn man mit einem Buggy durch die Gegend sausen möchte. «Der Markt ist fast leergefegt», sagt Klaus-Dieter Ulrich, der die Karmann-Sammlung in Osnabrück betreut. Für ein gut erhaltenes Karmann-Exemplar sei man schnell mit 15.000 bis 20.000 Euro dabei.

Für das Original sieht die Situation laut Bruce Meyers kaum anders aus. Wer sich nicht auf die Suche nach einem Gebrauchten will, der muss VW-Designchef Klaus Bischoff die Daumen drücken. Denn der sagt, er würde den ID Buggy lieber heute als morgen in Serie bringen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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