Eine Testfahrt im Toyota Yaris Cross

15.09.2021
Konventionelle Kleinwagen tun sich immer schwerer, dafür kommen kleine SUVs gerade groß heraus. Deshalb bockt Toyota nun den Yaris auf. Einen anderen Trend verpassen die Japaner dabei allerdings.
Mit dem Cross hat Toyota aus dem Yaris einen kleinen Abenteurer gemacht, der sogar mit Allrad zu haben ist. Foto: Toyota Motor Corporation/dpa-mag
Mit dem Cross hat Toyota aus dem Yaris einen kleinen Abenteurer gemacht, der sogar mit Allrad zu haben ist. Foto: Toyota Motor Corporation/dpa-mag

Berlin (dpa-infocom) - Nicht einmal zwei Jahre nach der Premiere des Yaris stellt Toyota dem Kleinwagen ein handliches SUV zur Seite. Für Preise ab 22.690 Euro soll er sich nun als Yaris Cross gegen Modelle wie den Opel Mokka, den VW T-Cross oder den Ford Puma behaupten.

Wer im Vergleich zum üblichen Yaris einen Aufpreis von rund 4000 Euro bezahlt, bekommt nicht nur ein bisschen mehr Bodenfreiheit und ein paar Plastikplanken an der Karosserie, sondern einen weitgehend neu konzipierten Kleinwagen. Der Yaris Cross teilt sich zwar mit seinem Modellbruder die Plattform. Mit 4,18 Meter Länge, 1,77 Meter Breite und 1,60 Meter Höhe tritt er jedoch viel selbstbewusster auf. Vor allem mit der optionalen Zweifarblackierung hebt sich der Cross von der Masse der Konkurrenten ab. Dabei wirkt er lange nicht so überzeichnet und schräg wie der C-HR, Toyotas größeres SUV-Modell.

Dem braven Bruder überlegen

Innen ist die Verwandtschaft zum Yaris zwar etwas deutlicher, doch auch da setzt der Cross eigene Akzente und ist seinem braven Bruder dabei deutlich überlegen. Beim Ambiente punktet er mit neuen Zierleisten und etwas mehr Farbe und bei der Ausstattung mit Extras wie einem Head-Up-Display. Zudem profitieren Fahrer von einer höheren Sitzposition, mehr Kopffreiheit und einer besseren Aussicht. Und auch der Kofferraum ist mit 397 Litern eine Nummer größer. Nur eine verschiebbare Rückbank hat Toyota anders als etwa VW beim T-Cross nicht im Angebot.

Auch beim Antrieb war Toyota konsequent. Denn während es vor allem die Wettbewerber aus Deutschland alle nur mit Frontantrieb gibt, haben die Japaner für ihren Stadt-SUV tatsächlich einen Allrad-Antrieb entwickelt. Wer den für rund 3000 Euro Aufpreis mitbestellt, fährt auch auf Sand und Schotter oder im Winter auf schmierigen Straßen rutschfest - und zahlt trotzdem kaum mehr an der Tankstelle. Denn intelligent geregelt, schaltet sich die Hinterachse nur bei Bedarf zu. Und wer sein Glück tatsächlich «offroad» versuchen will, dem haben die Japaner auch ein paar spezielle Fahrprofile programmiert.

Für die Autobahn zu langsam, aber aus gutem Grund

Dafür patzt der Yaris Cross an anderer Stelle: Zwar beschleunigt er in noch akzeptablen 11,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Aber sein Spitzentempo liegt bei gerade einmal 170 km/h. Das ist deutlich weniger als bei der Konkurrenz. Für die Beschränkung gibt es allerdings einen guten Grund. Denn Toyota bietet den Yaris Cross zunächst ausschließlich als Hybriden an und kombiniert dafür einen 1,5 Liter großen Dreizylinder-Motor mit einer E-Maschine im Getriebe und beim Allrad noch mit einer elektrischen Hinterachse.

Der Yaris Cross kommt damit auf eine Systemleistung von 85 kW/116 PS. Gespeist werden die Stromer aus einer Batterie, die nur beim Fahren geladen wird und deshalb allenfalls ein paar hundert Meter reinen E-Betrieb erlaubt. Das ist zwar eine vertane Chance, weil anders als etwa im vollelektrischen Mokka immer noch Kohlendioxid hinten raus kommt und weil der Yaris anders als die meisten Plugins aus der Förderung fällt. Doch am Fahren selbst gibt es nichts auszusetzen.

Immer schön gelassen bleiben

Solange man schön gelassen fährt, ist der Yaris Cross ein gemütlicher Begleiter durch den Alltag, komfortabel abgestimmt, zuverlässig beim Beschleunigen und so sparsam, dass die 4,6 Liter Normverbrauch (CO2-Ausstoß 105 g/km) bisweilen sogar erreicht werden. Und in der Stadt bleibt es trotz des kleinen Akkus erstaunlich oft und lange still, weil man tatsächlich viel mit Strom statt Sprit fährt. Nur kräftig Gas geben darf man nicht. Dann wird der Dreizylinder durstig und fängt ordentlich an zu dröhnen, und die stufenlose Automatik wird mit ihrem Gummiband-Effekt zu einer Geduldsprobe.

Fazit: Für einen Durchmarsch gut gerüstet

Der aufwendige Antrieb und dann auch noch Ausstattungsmerkmale wie ein Head-Up-Display haben natürlich ihren Preis. Daher ist der Yaris Cross vergleichsweise teuer. Doch während VW und Co in dem Segment nur zahme Geländewagen für die Stadt anbieten, ist das kleine SUV aus Japan ein echter Allradler. Damit hat der kleine Toyota alles, was es braucht, um das Feld von hinten aufzurollen. Wenn ihm dabei nur nicht so schnell die Puste ausgehen würde.

Datenblatt: Toyota Yaris Cross

Motor und Antrieb: Hybridantrieb mit Dreizylinder-Benzinzer und zwei E-Motoren
Hubraum: 1490 ccm
Benziner
Max. Leistung: 68 kW/92 PS
Max. Drehmoment: 120 Nm
E-Motor vorn
Leistung: 59 kW/80 PS
Max. Drehmoment: 141 Nm
E-Motor hinten
Leistung: 39 kW/53 PS
Max. Drehmoment: 52 Nm
System:
Max. Leistung: 85 kW/116 PS
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: Stufenlose Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 4180 mm
Breite: 1765 mm
Höhe: 1595 mm
Radstand: 2560 mm
Leergewicht: 1260 kg
Zuladung: 515 kg
Kofferraumvolumen: 397 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 11,8 s
Durchschnittsverbrauch: 4,6 Liter/100 km
Elektrische Reichweite: 2 km
CO2-Emission: 105 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: Eu6
Energieeffizienzklasse: A+
Kosten:
Basispreis des Toyota Yaris Cross: 22.690 Euro
Basispreis des Toyota Yaris AWD: 29.710 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 50 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Acht Airbags, Abstandsregeltempomat, Spurführungshilfe,
Komfort: Klima-Automatik, Zentralverriegelung, Head-up-Display, elektrische Parkbremse
Spritspartechnik: Hybrid-Antrieb

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

© dpa-infocom, dpa:210902-99-62973/12


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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