Eine erste Bilanz der E-Tretroller

19.06.2019
Während in vielen Städten hitzig über sie diskutiert wird, rollen sie andernorts schon seit Monaten durch die Straßen - dank Ausnahmegenehmigungen und Testbetrieb. Welche Lehren kann man aus den ersten Erfahrungen mit E-Scootern ziehen?
Eine Frau macht auf einem E-Scooter «Metz Moover» vor dem Geschäft von efuture eine Probefahrt. Foto: Sven Hoppe/Illustration
Eine Frau macht auf einem E-Scooter «Metz Moover» vor dem Geschäft von efuture eine Probefahrt. Foto: Sven Hoppe/Illustration

Bamberg (dpa) - Bamberg und Herne - diese zwei Städte stechen nicht oft als Vorreiter hervor. Doch genau hier wurden E-Scooter schon vor ihrem offiziellen Start eingesetzt.

Im oberfränkischen Bamberg gab es ab März einen sechswöchigen Testbetrieb mit 15 Rollern, in der Ruhrgebietsstadt können 50 E-Tretroller durch eine Sondergenehmigung schon seit Anfang Juni auf den Straßen fahren. Und auch zwei bayerische Hersteller haben bereits vorab eine Straßenzulassung erhalten und verkaufen ihre E-Scooter. Welche Erfahrungen haben Kommunen und Konzerne mit den E-Tretrollern gemacht?

Ein Aspekt, der den Städten besonders wichtig zu sein scheint, ist, das Chaos mit den Leihrädern nicht zu wiederholen. «Was wir für uns auf jeden Fall klar favorisieren, das ist, dass das ein gemanagtes System ist», erklärt Jan Giersberg, Sprecher der Stadtwerke Bamberg, die den Testbetrieb in der fränkischen Stadt organisiert haben. Das bedeute konkret, dass Fahrzeuge über Nacht abgeholt, gewartet, aufgeladen und gereinigt werden, um am nächsten Morgen wieder in der Stadt verteilt zu werden. So seien die Roller dort, wo die Nachfrage groß sei, und nicht etwa an einem Baum oder im Gebüsch, betont Giersberg.

Wo werden sie gebraucht?

Im Gegensatz zu den Mieträdern sollen die neuen E-Scooter die Straßen außerdem nicht überfluten, sagt Giersberg. Die wichtigste Frage sei deshalb: «Brauchen wir so etwas überhaupt? Gerade deshalb testen wir es ja.» Das Ziel des Testbetriebs war zunächst einmal, zu schauen, ob sich der Bamberger Untergrund für E-Scooter eigne, denn nicht von jedem neuen Verkehrsmittel müsse auch überall Gebrauch gemacht werden. Von einem Modell für alle Städte will auch Max Hüsch, Deutschlandchef der Firma Circ, absehen. Das Unternehmen, das seine E-Scooter im nordrhein-westfälischen Herne verleiht, wolle mit den Städten genau besprechen, wo Schwachpunkte in der Infrastruktur liegen, und dann individualisierte Konzepte erstellen.

Ein Beispiel für diese Zusammenarbeit von Hersteller und Stadt ist das Geofencing. Alle E-Tretroller in Herne verfügen über die «digitalen Zäune», wie Hüsch erklärt. Diese gebe es etwa in Zonen mit Parkverbot: «Physisch können Kunden den Roller dort abstellen, aber die Leihperiode kann nicht beendet werden.» Wer nicht ewig zahlen wolle, parke deshalb woanders. Ein Sprecher der Stadt Herne lobt das Geofencing außerdem, weil die Geschwindigkeit in manch enger oder schwieriger Zone so automatisch gedrosselt würde.

Sowohl in Bamberg als auch in Herne fällt das Feedback durchweg positiv aus: «Der Test lief wirklich sehr gut», sagt Giersberg. Außerdem habe es Hunderte Bewerbungen für den Test der E-Tretroller gegeben. Auch der Firma Circ in Herne würden die Zahlen Zuversicht geben, so Hüsch. Die Bewertungen seien zudem «extrem positiv».

Die Nachfrage

«Die Nachfrage ist unheimlich groß», sagt auch eine Sprecherin des mittelfränkischen Konzerns Metz, «Wir werden von Anfragen überrannt». Seit der E-Scooter der Firma im März seine Straßenzulassung per Sondergenehmigung bekommen hat, wurden schon einige Tausend Geräte verkauft. Bei BMW, die ihren E-Tretroller schon seit Anfang des Jahres verkaufen dürfen, will man keine konkrete Aussage zu Zahlen machen. Man sei mit dem bisherigen Verkauf aber zufrieden, sagt ein Sprecher. Der E-Scooter komme gut an.

Was zumindest Bambergs Stadtwerke-Sprecher Giersberg aber wichtiger als großer Andrang ist: «Wir sind komplett unfallfrei durch diesen Test gekommen.» Allerdings müsse dabei bedacht werden, dass die Fahrer genau ausgesucht wurden. Giersberg spricht von «Laborbedingungen».

Abseits des Testbetriebs fand die bayerische Polizei in den letzten Monaten immer wieder Verstöße: Menschen waren ohne Führerschein, betrunken, unter Drogen, ohne Versicherung oder ohne Straßenzulassung auf E-Scootern unterwegs. Und sogar die Feuerwehr hatte bereits mit einem E-Tretroller zu kämpfen: In einem Münchner Hotel wurde der Feueralarm ausgelöst, weil das Gerät beim Laden zu qualmen anfing.

Mit der neuen Verordnung fallen einige Hürden nun weg. Einen Mofaführerschein brauchen Fahrer etwa nicht mehr. Die Polizei Oberfranken geht deshalb davon aus, dass die Zahl der Verstöße abnehmen wird. Ob man das in Herne, wo es bisher keine Vergehen gab, genauso sieht?: «Es scheint zu funktionieren», sagt ein Sprecher der Polizei, «hoffen wir, dass es so bleibt.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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